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    Arme Lunge

    In mehreren Ländern kam es in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen. Auch in Südtirol? Ja, sagen die offiziellen Zahlen – aber Ärzte geben Entwarnung.

    Von Anton Rainer

    Für eine Krankheit, die man in westlichen Ländern häufig zu Unrecht für ausgerottet hält, ist sie ganz schön aktiv: Gerade in den letzten Jahren sorgte die äußerst gefährliche bakterielle Tuberkulose für Sorgenfalten bei Ärzten und Forschern.

    Der Grund: Der hartnäckige Erreger trotzt dem Trend rückläufiger Fallzahlen – und erlebt auch in Industrienationen eine kleine Renaissance. In Deutschland meldete das Roland-Koch-Institut vor wenigen Tagen einen Zuwachs von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr, 4.488 Tuberkulosen wurden insgesamt registriert.

    Dabei zählt das meist die Lunge befallende Bakterium weiterhin zu den tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit – kann in Westeuropa aber meist nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt geheilt werden. Und doch: Das erklärte Ziel der Landesregierung, „diese gefährliche Krankheit weiter einzuschränken“ (Landesrätin Martha Stocker) konnte zumindest in den vergangenen Jahren nicht erreicht werden.

    Glaubt man den offiziellen Zahlen der Abteilung Gesundheitswesen, die das Landesstatistikinstitut ASTAT in seinen „Jahrbüchern für Südtirol“ verarbeitet, war der Anstieg gemeldeter Fälle sogar recht dramatisch:

    Von drei Fällen im Jahr 2006 auf 16, 54 und 41 in den darauffolgenden Jahren, 2012 erlebte die Tuberkulose mit über 70 Meldungen sogar eine Rekordsaison. Wie zuverlässig sind diese Angaben?

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    Überhaupt nicht, sagt Peter Mian, Primar der Abteilung Infektionskrankheiten. Er sagt: „Diese Zahlen stimmen nicht, die Fälle stagnieren seit 10 Jahren bei rund 50 Meldungen im Jahr.“ Wie genau es zu den statistischen Ausreißern kommen konnte, kann Mian nicht erklären, er könne nur sagen, dass es „nun mal keinen großen Anstieg gibt.“

    Dasselbe gelte für die Gefahr der antibiotika-resistenten Tuberkulose-Keime: Die erst im Oktober gestartete Landesinitiative „Überwachung der Tuberkulose“ schließt zwar die Überwachung der Arzneimittelresistenzen ein – doch bisher ohne Ergebnisse.

    „Resistente Tuberkulose-Keime gibt es bei uns nicht“, sagt Peter Mian.

    Das liege vor allem daran, dass Südtirols Patienten recht verlässlich ihre Medikamente nehmen. Denn: Nach dem Ausbruch der in den Symptomen an eine schwere Lungenentzündung erinnernden Krankheit muss der Patient nicht nur mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen – sondern auch sechs Monate lang regelmäßig Antibiotika schlucken. Tut er es nicht, riskiert er neben einem Rückfall auch Bakterien, die gestärkt aus dem Therapie-Versuch hervorgehen – und mit neuen, besseren Medikamenten bekämpft werden müssen.

    Seit diese antibiotikaresistenten Erregerstämme auch in Europa vermehrt auftreten, wurde die Hoffnung nach einer endgültigen Ausrottung der Krankheit aufgegeben.

    Auch in Südtirol, wo die Wirklichkeit gesünder ist, als die Statistik sie macht.

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    Kommentare (1)

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    • michl

      Wer kennt noch die Zeiten als man sich für andere Länder impfen musste.
      Zur Sicherheit,nannten sie das.
      Und jetzt ….
      Nur die Geimpften überleben?Wie gut das es die Pharmaindustrie gibt. 😉

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