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    „Populistische Polemik“

    „Populistische Polemik“

    Eine angekündigte Veröffentlichung, ein Brief aus Mailand und eine geschickte Werbestrategie. Warum der Verkauf des Buches „Bankomat“ um eine Woche verschoben wird.

    von Thomas Vikoler

    Gottfried Solderer, Präsident der Edition Raetia GmbH, und der Autor Christoph Franceschini sprechen von einem „für Südtirol einmaligen Einschüchterungsversuch“.

    Gestern hätte in Bozen Franceschinis Buch „Bankomat. Die Millionenverluste der Südtiroler Sparkasse“ vorgestellt werden sollen. Der Termin wurde kurzfristig auf den 11. Dezember, genau 16.01 Uhr, verschoben. Aus „Respekt“ vor der Institution Sparkasse und den 24.000 Kleinaktionären, wie Solderer und Franceschini mitteilen.

    Alles eine Folge des beklagten Einschüchterungsversuchs? Wohl auch das Ergebnis einer geschickten Werbestrategie des Verlags, um die vorweihnachtliche Erwartung bei den potentiellen Buchkäufern zu steigern. Denn allen Beteiligten klar, dass die geplante Buchveröffentlichung in eine delikate Phase fällt: Die laufende Kapitalerhöhung von insgesamt 270 Millionen zur Abdeckung des letztjährigen Rekord-Jahresverlustes von 231 Millionen Euro. Die Zeichnungsfrist endet am 11. Dezember, 16.00 Uhr.

    Zum Schutz derartiger Operationen gibt es Artikel 2637 des Zivilgesetzbuches, der eine Trübung der Märkte („aggiotaggio“) durch die Verbreitung von „falschen“, preisbeeinflussenden Nachrichten unter Strafe stellt (Strafrahmen von einem bis zu fünf Jahre Haft). Am Montag dieser Woche erhielten Verlag und Autor einen Brief des Mailänder Büros des Sparkasse-Advisors Clifford Chance mit der Aufforderung, die Veröffentlichungen des Buches auf einen Termin nach Ablauf der Zeichnungsfrist zu verschieben. Potentielle Investoren könnten, „unabhängig vom Inhalt des Buches“, wie es in dem Brief heißt, verunsichert werden.

    „Wir waren zu diesem Schritt gezwungen, um uns keiner Unterlassung schuldig zu machen“, sagt Sparkasse-Präsident Gerhard Brandstätter. „Wir wollen die Veröffentlichung des Buches nicht verhindern. Da der Verlag über die Rechtslage informiert war, halte ich den Vorwurf der Einschüchterung für populistische Polemik“.

    Es gibt eine zweite juristische Front: Wie Raetia mitteilt, hat die Sparkasse am 30. September über den Anwalt Francesco Coran Strafanzeige gegen den Journalisten Christoph Franceschini wegen Rufschädigung und Marktrübung erstattet. Sie bezieht sich nicht auf das angekündigte Buch, sondern auf einen am 30. Juni auf salto.bz. erschienen Artikel über den jüngsten Inspektionsbericht der Banca d´Italia zur Sparkasse. Diese beklagt in der Anzeige die Verbreitung von angeblich falschen Nachrichten, welche die Kapitalerhöhung beeinträchtigen könnten. Der letzte Teil des Artikels ist inzwischen aus dem Netz entfernt worden.

    Eine dritter Rechtsstreit wird zumindest angedroht: Raetia-Chef Solderer und Autor Franceschini behalten es sich vor, wie sie betonen, „gegen die Sparkasse und ihre Führung rechtliche Schritte wegen Ruf- und Geschäftsschädigung einzuleiten“.

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    Kommentare (31)

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    • X

      Angeblich ist bei der Aktionärsversammlung vor ein paar Monaten ein verzweifelter Südtiroler Handwerker u Familienvater aufgestanden und hat den Verlust von 700k Euro vor allen beklagt! Bertolt Brecht ließ einen Protagonisten in der Dreigroschenoper sagen: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“. Raetia u Franceschini (die ich nicht kenne) großen Respekt für ihren Mut, diese Veröffentlichung in diesem Land zu wagen, wo das Duckmäusertum vorherrscht.

      • Walter Mair

        @X
        Der hilflose Versuch der Bank, nun die ganze Geschichte als eine populistische Polemik ab zu tun,bestätigt nur die Tatsache, dass man die „Herren der Führungsriege“ gewaltig nervös gemacht hat (..) „wir waren zu diesem Schritt gezwungen“.. : Wie peinlich ist diese Aussage! Wie berichtet, hat die Bank schon vor Monaten Franceschini unter Druck gesetzt, von der Veröffentlichen des Buches Abstand zu nehmen.Wäre da nicht etwas Wahres dran, hätte man solche Aktionen nicht einmal gestartet oder schon im Sommer mit Klage gedroht!! Nun ist der Stein ins Rollen geraten und nicht mehr aufzuhalten. Gut so! Dass solchen Institutionen nur auf Gewinn und Abzocke aus sind, ist mehr als ein offenes Geheimnis und es ist höchst an der Zeit, dass auch „Otto Normalverbraucher“ von solchen Aktionen in Kenntnis gesetzt wird.

      • X

        Eine bekannte Südtiroler Persönlichkeit, selbst einer mit ‚Balls of Steel‘, und einer der hier Einblick hat, hat mir schon vor Monaten gesagt, dieses Buch wird eine Bombe.

      • der eine

        franceschini ist so glaubwürdig wie eine faule tomante (meine persönliche meinung). hätte er tatsächlich nur die wahrgeit geschrieben, wäre es wohl kaum dazu gekommen, dass man einen teil des artikels offline gestellt hat.
        nicht jeder, der einem anderen ans bein pinkelt, ist deshalb auch ein held.

    • Andreas

      Herr Brandstätter, im Mittelalter wurde auch der Überbringer und nicht der Verursacher der schlechten Nachricht geköpft. Würde die Sparkasse den wahren Grund für die Verluste detailliert veröffentlichen, bräuchte es kein Buch von Franceschini.
      Oder halten Sie es sinngemäß wie de Maiziere, „ein Teil der Antworten würde die Aktionäre nur verunsichern“? 🙂

    • kurt duschek

      Die Hintergründe erkennen und recherchieren ist eine Leistung, diese daraus resultierenden Erkenntnisse aber einer Öffentlichkeit zu vermitteln, dies ist eine besondere Leistung! Freier Journalismus und freie Meinung sind eine Kombination von Zivilcourage, persönlches Engagement und demokratischem Verständnis! Danke Christoph.

    • X

      PS: wenn sie Francheschin angreifen, sollten WIR über crowdfunding ihm die schärfsten Anwälte zur Seite stellen!

    • wellen

      Pfui Sparkasse schämen Sie sich !
      Leute, keine Aktien kaufen, dafür Das BUCH!

    • Helmuth

      Tatsache ist, dass alles nach einer großen Propagandaaktion stinkt. Passen alle gut zusammen: die Grün-Alternativen, neokommunistischen Linksradikalen, Ex-Soziale Fortschrittsparteiler, Bozner SVPler, die Bankherren und hiesigen Wirtschaftsbosse. Und dann haben diese Möchtegern auch noch die Frechheit ihren Guru, den „Lotta Continua“-Gründer, A. Langer (von der SVP heilig gesprochen ist) mit dem Dichter Norbert C. Kaser zu vergleichen. Vielleicht erzählt diesen Unwissenden jemand einmal, was N. C. Kaser in seiner Rede auf dem PCI -Kongress im Gemeindesaal von Bozen sagte: „diese Lotta Continua-Leute (er meinte A. Langer und Co., die er nicht leiden konnte und auf schärfste bekämpfte) sind die nützlichen Idioten der Erzkonservativen“.

      • Walter Mair

        @Helmuth
        Sie scheinen mir ein „wenig verwirrt“ zu sein. Grüne, Ex Kommunisten, mit Bankherrn und Wirtschaftsbossen in einem Topf zu werfen, klingt sehr sehr eigenartig.! Übrigens: Was hat N.C. Kaser für die Gemeinschaft getan? Außer unleserliche Texte zu verfassen, hat es bei ihm eigentlich zu NICHTS Wesentlichem gereicht. Frechheit ist DAS was SIE von sich geben…:-)

    • bergbauer

      eure Aktien würde ich nicht mal geschenkt wollen…wer investiert schon in einen sauhaufen…

    • Spaltpilz

      Die Ignoranz gewisser Hinterweltler (sogenannte Schlechtmenschen) ist nicht mehr „topbar“.

    • Spaltpilz

      Wenn ich die Arroganz sehe mit welcher diese Leute ihre Ignoranz zur Schau stellen, bin ich froh, dass wir keinen Freistaat haben!

    • Conny

      Tatsache ist, dass die Kleinaktionäre mehr als 50% ihres ursprünglich eingezahlten Wertes verloren haben. Der Kleinaktionär war im guten Glauben, eine Aktie erworben zu haben, die ja von der Sparkasse garantiert sei, da sie nicht börsennotiert ist. Welcher Täuschung!! Wie kommt der Kleinaktionär wieder ans verlorene Geld ? Wenn die Sparkasse heuer angeblich schon einen Gewinn von 3,6 Millionen hat ? Wer hat den all diese Gelder ?

      • Walter Mair

        @Conny
        Die Bank hat schon ALLES wieder investiert, spekuliert und verzockt. Mit dem Geld der Aktionäre und Kleinsparer!! SO und nicht anders funktionieren Banken.Speziell, wenn man Manager hat, die in ihre eigene Brieftasche arbeiten und dann noch mit sechsstelligen Honoraren das Weite suchen! Wer das Bankensystem nicht durchschaut, wird diesen BANKSTERN immer auf den Leim gehen. Es wäre an der Zeit, einmal eine Aufklärungskampagne starten, die das kriminelle Vorgehen dieser , ach so „ehrenvollen Gesellschaft“ tiefer durchleuchtet….

    • BATMAN

      „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh;“
      – Henry Ford (1863-1947), Gründer der Ford Motor Company

      „Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist;“
      – Gebrüder Rothschild, London, am 28;Juni 1863 an US-Geschäftspartner

      Quelle: http://archiv.raid-rush.ws/t-791245.html

    • Franz

      Wie Banken ihre Kunden übers Ohr hauen zeigt der große Bankenskandal den seit einigen Tagen fast ganz Italien erschüttert.
      | dic 3, 2015
      Lo scandalo delle banche popolari: 120 mila italiani truffati.
      Circa 130 mila cittadini italiani, per lo più residenti in Toscana, Marche, Umbria ed Emilia Romagna, hanno perso o rischiano di perdere i loro risparmi. A questi vanno aggiunti altri 100 mila residenti nella regione Veneto, vittime di una truffa legale organizzata e gestita dalla Veneto Banca, istituto finanziario amministrato da esponenti della Lega Nord, per la quale sono in corso ben tre diversi procedimenti giudiziari nei confronti del management della banca. Per la Banca delle Marche e la Banca Popolare dell’Etruria, i partiti coinvolti sono da Forza Italia a Ncd al PD.
      http://www.libero-pensiero.net/lo-scandalo-delle-banche-popolari-120-mila-italiani-truffati-perche-nessun-economista-ci-salvera-e-perche-il-m5s-ha-ragione/

    • Hubert Frei

      Apropos: wie ist das heute den „Dolomiten“ beigelegte „jOURNAL“, herausgegeben von der SÜDTIROLER SPARKASSE, zu interpretieren?
      Könnte es nicht auch zur Beeinflussung der Kapitalaufstockung dienen?
      Ach so, es werden ja nur „falsche“ preisbeeinflussende Elemente unter Strafe gestellt…

    • weinbauer

      wer mit an grünen der in kronplatz verbaut werbung mocht isch net glaubwürdig so wie der werbeträger!
      gott sei donk hon i meine sporkassa aktien no a weg gekriag …

    • Franz

      Eins muss jedoch gesagt werden, nicht alle Banken darf man in einenTopf werfen.
      Banken braucht es eben auch und im Gegensatz zu den Behauptungen von einigen Verschwörungstheoretikern bzw. Anarchisten müssen Banken um zum überleben logisch Zinsen für Kredite bekommen, auch Rothschilds Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit verlagerte sich zunehmend vom Münz- und Antiquitätenhandel hin zu Bankgeschäften
      Bei den aufgeführten Aktiva handelt es sich um Staatsanleihen sowie persönliche Darlehen und Kredite an eine Reihe sehr verschiedener Firmen. Auf der Passivseite finden sich Einlagen von einem ebenso breiten Spektrum von Institutionen und Privatpersonen.
      „Früher oder später kehrt Papiergeld zu seinem inneren Wert zurück – Null“
      – Voltaire (1694-1778), Autor im Zeitalter der Aufklärung.
      Was sich bis heute nicht bewahrheitet hat auch wenn einige das Bargeld abschaffen wollen , was aber ein totaler Blödsinn wäre.
      Praktisches Beispiel , Griechenlandkriese als die Banken geschlossen blieben und niemand mit Bancomat bzw. Kreditkarte bezahlen konnte, wer kein Bargeld bei sich hatte bekam eben keine Pizza im Restaurant oder kein Zimmer im Hotel usw.
      Und Behauptungen wie die von viel zitierten – Anarchisten Verschwörungstheorien von Stefan Blankertz Vertreter des Anarchokapitalismus der für eine politische Philosophie, , einer Gesellschaft ohne staatliche Institutionen und Eingriffe eintritt, oder Pierre-Joseph Vertreter des solidarischen Anarchismus, er setzte sich für die Abschaffung der Ausbeutung und der Regierung des Menschen durch den Menschen ein.[1]Vielzitiert ist der Satz „Eigentum ist Diebstahl“ oder Günter Hannich ist ein deutscher Sachbuchautor, Verschwörungstheoretiker der sich vorwiegend mit Wirtschaftsfragen befasst und seit Ende der 1990er-Jahre regelmäßig den Zusammenbruch des Euro und den Absturz aller Börsenkurse vorhersagt, was natürlich ein Totaler Schwachsinn ist.
      Ziel die 3 Thesen eines Verschwörungstheoretikers sind: Der erste Schritt (die These) ist, ein Problem zu erzeugen.
      Der zweite Schritt (die Antithese) ist, eine Opposition zu dem Problem zu erschaffen
      Der dritte Schritt (die Synthese) ist, die Lösung zu dem Problem zu offerieren und ein paar Dumme ( wie Batman ) finden die den ganzen Schwachsinn glauben und ihre Bücher kaufen.

    • Luis

      Bravo Chris grosses Kompliment

    • schnellermichl

      BlOss Hände weg von dieser Bank. Die Leute werden ein weiteres Mal übers Ohr gehauen

    • Otto

      Sparkasse hin Sparkasse her, Franceschini hin Brandstätter her, Geld ist verloren. Dabei hat die Sparkasse die Frechheit nochmals Aktien anzubieten, aber schon um 10% billiger extra Preis für sie geprellten, danke. Ganz bestimmt kaufe ich so viele ich nur kann und nochmals danke. Es wird aber sicher der Tag kommen das ich mich von der Sparkasse lösen werde.
      Und irgend jemand sagt, Südtirol ist nicht Italien?
      Südtirol ist sehr wohl Italien!!!!
      Adeeee SVPeeee

    • besserwisser

      Der francsechini isch der suedtiroler Robin Hood! Super! Die sparkasse zittert vor an zottligen journalosten!!!!

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