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    Der Minus-Beitrag

    Der Minus-Beitrag

    Weil ein renommierter Bozner Kulturverein einen leichten Überschuss in seiner Jahresbilanz findet, will die Gemeinde nachträglich Beiträge kürzen. Die Chronik eines Präzedenzfalles, gegen den das Land prompt intervenierte.

    Von Anton Rainer

    „Ja, es stimmt“, sagt Maria Gostner (Name von der Redaktion geändert), „wir haben derzeit ein großes Problem mit der Bozner Gemeindeverwaltung.“ Noch befinde man sich zwar in intensiven Verhandlungen, weswegen die Geschäftsführerin weder ihren richtigen Namen, noch den ihres Vereins in der Zeitung lesen möchte – aber in der Sache fühle sie sich „mehr als ohnmächtig.“

    In der Tat handelt es sich um einen seltsamen Präzedenzfall, der sich derzeit in der Landeshauptstadt abspielt:

    Weil ein renommierter Bozner Kulturverein, der seit Jahrzehnten erfolgreich arbeitet, in diesem Jahr ein Bilanz-Plus von rund 1.300 Euro einfuhr, will die Gemeinde ihren Beitrag, der für die ordentliche Tätigkeit des Vereins gewährt wurde, kurzerhand zurück.

    Ein südtirolweit einzigartiger Fall, der die Veranstalter vor ungeahnte Schwierigkeiten stellt. „Mein Gerechtigkeitssinn schließt diese Vorgangsweise aus“, sagt Maria Gostner. Ein Gerechtigkeitssinn, der in Bozen tatsächlich immer wieder mal auf der Strecke bleibt. „Ja, es stimmt“, sagt der Grünen-Politiker und Konzertorganisator Tobias Planer, „wenn man am Ende eines Projekts seinen Haushaltsabschluss abgibt, heißt es immer wieder: Entweder man geht auf Null aus, oder Geld zurück.“

    Planer, der in der Vergangenheit Mitglied der Bozner Gemeinde-Kommission Schule & Freizeit war, erinnert sich an eine Zahlung von über 5.000 Euro, die die Gemeinde von einem Verein einforderte. Die Folge? „Man kann keine Rücklagen bilden, die Planung wird erschwert.“ Schon seit langem wünscht sich Planer eine Art Sicherheitspolster in der Höhe von 3.000 Euro, um zumindest einen kleinen Überschuss zu ermöglichen.

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    Kommentare (7)

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    • Andreas

      Was ist daran falsch Steuergelder, welche nicht benötigt werden, zurückzugeben?

      Es ist üblich alles auszugeben, auch mit vorgezogenen Rechnungen, um nächstes Jahr nicht weniger zu bekommen, doch nur weil Frau Gostner diese zweifelhafte Methode nicht anwendet, erwirbt sie doch nicht das Recht den Überschuß behalten zu dürfen.

      Beiträge sind dafür da die Kosten zu decken und nicht Gewinne zu erwirtschaften.
      Mein Gerechtigkeitssinn sagt mir, dass Beitragsempfänger sich eigentlich dazu verpflichtete fühlen sollten so wenig wie möglich des Beitrages zu verwenden, um den Steuerzahler nicht mit unnötigen Kosten zu belasten.
      Ist zwar weltfremd, doch dies wäre wohl eher gerecht.

      • ITler

        Naja, es fördert halt die mentalität dass man das geld dann für irgendwas sinnloses rausschmeist weil man es sonst zurückgeben müsste (anstatt es im jahr danach für eine größere anschaffung zu sparen).

        Das gleiche gibts ja bei den ganzen förderungen. Ein beispiel:
        Eine fortbildung kostet 2.000 €, man bekommt aber erst ab 3.000€ einen beitrag dafür. was macht der unternehmer also? Er ruft den fortbildungsanbieter an und fragt ob er doch bitte 3.000€ zahlen darf weil es für ihn dann unterm strich billiger ist. Der anbieter freut sich, der unternehmer zahlt weniger und der dumme steuerzahler zahlt das alles…

      • THEMA

        Hier geht es nicht um Gewinne zu erwirtschaften. Sondern einfach nur dass der Überschuss im
        nächsten Jahr verwendet kann um etwas sinnvolles zu machen, für das man vielleicht heuer angspart hat. Aber das der Beamten ist ja bekanntlich anders gebaut. Ihnen ist lieber der Verein
        wirft es vor Jahresende sinnlos zum Fenster hinaus.

    • Patrick

      Es stellt sich die Frage ob dieses „ausgeben weil man sonst nächstes Jahr weniger bekommt“ letzen Endes sinnvoller ist.

    • Buchhalter

      Oje, wenn allen Beitragsgewährungen in den Gemeinden nachgegangen und ein unabhängiges Organ diese im Nachhinein kontrollieren würde, kämen wohl einige Ungereimtheiten zu Tage. (Falscherklärungen, ungenügende Dokumentation, manipulierte Abrechnungen, Überschüsse statt Fehlbeträge).

    • Stephan Mair

      Geht das bei der Handelskammer nicht auch…
      da sind doch auf einmal mehrere Millionen aufgetaucht die sie für den Flughafen verwenden würden,
      da könnten die doch die Subventionen und Beiträge des Landes zurückgeben.
      Mir ist schon klar das die HK kein Kulturverein ist, aber kann man da nicht was machen.

      Ansonsten muss ich sagen der Kulturverein sollte Kassier wechseln.

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