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Der verflixte Zahn

SteinmairWeil Sigfried Steinmair vor sieben Jahren fälschlicherweise den Dienstwagen der Schule benutzte, droht ihm jetzt der Rauswurf aus dem Rathaus. Sand in Taufers ist ratlos – und entsetzt.

von Silke Hinterwaldner

Sand in Taufers befindet sich in Schockstarre. Nachdem TAGESZEITUNG Online enthüllt hatte, dass gegen Bürgermeister Sigfried Steinmair ein Amtsenthebungsverfahren läuft, verstehen viele im Dorf die Welt nicht mehr. Wie kann das sein?

Die rechtliche Lage scheint eindeutig und doch gibt es noch keine Antworten auf viele offene Fragen.

Der Bürgermeister selbst hatte vom Journalisten der TAGESZEITUNG erfahren, dass ihm die Amtsenthebung droht. Wenig später wurde er vom SVP-Parteiobmann kontaktiert. „Wie weiter vorzugehen ist“, sagt Steinmair, „wird jetzt die Parteileitung klären.“ Er selbst kann immer noch nicht fassen, was gegen ihn im Gange ist.

Zur Erinnerung:

Zu Schulbeginn 2008 war der damalige Schuldirektor des Berufsbildungszentrums Bruneck arg unter Stress. Dazu kam, dass ihm ein Zahn herausbrach und er schnell zum Zahnarzt musste. Weil gerade kein anderes Auto zur Verfügung war, setzte er sich kurzerhand in den Dienstwagen der Schule und fuhr zum Arzt. Eine Carabinieristreife hielt ihn an – er war ohne Führerschein und dazu noch privat im Dienstwagen unterwegs. Wegen dieses Vergehens suchte er später einen gerichtlichen Vergleich.

Die Schadenssumme: lächerliche 10,50 Euro.

Weil Sigfried Steinmair dieses Vergehen vor der Wahl im Mai nicht aus dem Strafregister hat löschen lassen, droht ihm jetzt die Amtsenthebung. Das bedeutet: Findet er keinen Ausweg, muss in Sand in Taufers neu gewählt werden.

Für viele ist diese harte Strafe für eine lässliche Sünde allzu hart. In Sand in Taufers war man in den vergangenen Monaten glücklich darüber, dass endlich etwas Ruhe in die Gemeindepolitik einkehrt. Schließlich hatte bereits Altbürgermeister Helmuth Innerbichler immer wieder mit rechtlichen Problemen zu kämpfen. Dabei ging es um weit mehr Geld.

Generell gilt: Schon öfters kamen Südtirols Bürgermeister mit dem Gesetz in Konflikt.

Das gilt für Innerbichler genauso wie für Josef Gatterer, Bürgermeister von Pfalzen oder für den Malser Bürgermeister Ulrich Veith. Aber immer gingen diese Verfahren zugunsten der Bürgermeister aus.

Sie konnten im Amt bleiben.

 

LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Was man in der SVP-Zentrale zum Fall Steinmair sagt.
Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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