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    Der Pichler-Brief

    Der Pichler-Brief

    Nachdem er heftige Kritik am Verwaltungsrat der Sparkasse geübt hatte, nimmt der Präsident der Stiftung Sparkasse, Karl Pichler, jetzt seinen Vorgänger Gerhard Brandstätter in Schutz.

    Er hatte zwar nie Namen genannt, auch nicht jenen von Gerhard Brandstätter.

    Aber die Botschaft, die Karl Pichler in mehreren Interviews aussandte, war klar:

    Die Stiftung (und mit ihr die Verwaltungsräte der Sparkasse) hätten in den vergangenen Jahren entweder nicht genug hingeschaut oder weggeschaut.

    Nun macht Karl Pichler einen Schritt zurück.

    Er hat einen offenen Brief verfasst, in dem er seinen Vorgänger Gerhard Brandstätter nicht nur in Schutz nimmt, sondern auch sagt: Brandstätter sei als Präsident der Sparkasse der richtige Mann. Das Ziel Pichlers ist klar: Er will jetzt Ruhe in die Bank bringen.

    Der Brief von Karl Pichler im Wortlaut:

    „In meiner Eigenschaft als Stiftungspräsident möchte ich zum besseren Verständnis unserer Zuständigkeiten einige grundsätzliche Rahmenbedingen erörtern.

    Das Stiftungsreferenzgesetz d.lgs. Nr. 153/1999, welches das Bankenstiftungswesen regelt, hält die Bereiche, in denen die Stiftungen tätig sein können, präzise fest.

    Im genannten Gesetzestext werden die Bankenstiftungen als nicht gewinnorientierte Einrichtungen definiert, die sich ausschließlich gemeinnützigen Aufgaben zu widmen haben. Dies haben wir in den vergangenen 20 Jahren mit der Zuweisung von Fördergeldern im Ausmaß von über 170 Mio. Euro nachhaltig auf Landesebene getan.

    Da ich erst seit knapp einem Jahr das Amt des Stiftungspräsidenten bekleide, muss fairerweise festgehalten werden, dass diese Erfolgsgeschichte zu einem Großteil dem Einsatz meines Vorgängers RA Gerhard Brandstätter zu verdanken ist. Dr. Brandstätter hat in den vergangenen zehn Jahren das Stiftungsvermögen gesteigert, gut in Ertrag gestellt und gleichzeitig noch hohe Reserven für die Stiftungstätigkeit gebildet.

    Gleichzeitig hat er mit seinem Kampf um die Aktienmehrheit, die wir am gleichnamigen Bankhaus halten, dafür Sorge getragen, dass der Bankenplatz Südtirol nachhaltig gesichert und gefestigt wird. Davon profitiert haben die Bankkunden, die Wirtschaft sowie die über 1300 Angestellten der Sparkasse und deren Familien. Dies auch weiterhin sicherzustellen, ist der heutige Stiftungsauftrag an Dr. Brandstätter.

    Bedauerlicherweise muss er diese Verantwortung in einer äußerst schwierigen Wirtschaftslage übernehmen. Für diese Aufgabe hat sich Dr. Brandstätter nicht beworben, sondern er konnte sich dem einhelligen Wunsch des Verwaltungsrates der Stiftung nicht entziehen. Alle Ratsmitglieder vertraten geschlossen die Meinung, dass nur der damalige Stiftungspräsident die erforderliche Durchsetzungskraft mitbringe, um das Bankhaus in diesem schwierigen Wirtschaftskontext zu steuern.

    Darüber hinaus bin ich persönlich davon überzeugt, dass Dr. Brandstätter der richtige Mann, zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist; dies auch im Interesse der Stiftung. Er genießt das uneingeschränkte Vertrauen der Stiftung.

    Kurz noch einige Präzisierungen zu den Rechten und Pflichten der Stiftung in ihrer Eigenschaft als Hauptaktionär des Bankhauses. Es sei vorweggenommen, dass das Zivilgesetzbuch die diesbezüglichen Zuständigkeiten sehr genau regelt. Im Unterschied zum Aktionär, der nur eine Aktie am Unternehmen hält, hat der Mehrheitsaktionär die Möglichkeit, im Alleingang den Verwaltungs- und Aufsichtsrat zu bestellen und auch die Jahresabschlussbilanz zu genehmigen.

    Eine direkte Einflussnahme in die Geschäftsaktivitäten des Unternehmens ist hierbei ganz klar ausgeschlossen. Wir können und dürfen den Verwaltern – einmal im Amt – nicht bei der Steuerung des Tagesgeschäftes ins Lenkrad greifen. Einzig die Mitglieder des Verwaltungsrates haben die diesbezügliche Verantwortung zu tragen: sowohl gegenüber dem Aktionär als auch gegenüber dem Gesetzgeber. Gegebenenfalls auch über eine Haftungsklage.

    Der Vorwurf, die Stiftung habe sich zu wenig oder auch zu viel – je nach Sichtweise – um das Bankhaus gekümmert, kann sich nur auf die Bestellung der Ratsmitglieder sowie auf die jeweilige Bewertung der Bilanzzahlen beschränken. Solange die Korrektheit der Bilanzzahlen bestätigt (was in den letzten Jahren stets der Fall war) und sämtliche hierfür zuständigen Aufsichtsorgane die Richtigkeit der Geschäftsgebarung bestätigen, ist es für einen Aktionär nicht möglich, abschätzen zu können, ob das Führungsteam den Anforderungen gewachsen ist.

    Auch haben sich im europäischen Kontext, in dem sich heute die italienische Bankenwelt eingebettet sieht, die Bewertungskriterien geändert. Dies wurde dem Bankhaus bei der kürzlich abgeschlossenen Prüfung seitens der Bankenaufsicht deutlich vor Augen geführt. Nichtsdestotrotz ist man im Nachhinein immer klüger.

    Jetzt gilt es im Bankhaus, die geforderten Hausaufgaben mit großer Sorgfalt zu erledigen sowie die Ertragszahlen erneut in ein gesundes Verhältnis zum Aktienwert zu bringen. Diesen Aufruf an die derzeitige Bankführung machen wir stellvertretend auch für jeden Aktionär des Bankhauses!

    Wir in der Stiftung glauben weiterhin an den Wirtschaftsstandort Südtirol mit seiner heute gut strukturierten Bankenwelt und werden – wie schon seinerzeit Brandstätter – den diesbezüglichen Kampf im Interesse von Land und Leute aufnehmen. Unsere unumstößliche Absicht, bei der erforderlichen Kapitalerhöhung zur Stärkung des Bankhauses eine führende Rolle spielen zu wollen, möchte ich abschließend nochmals bestätigen.“

     

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    Kommentare (28)

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    • Bernd

      Ja wer ist denn dann für das Schlamassel verantwortlich? Der Direktor war´s nicht, der Präsident & Vize auch nicht, der Vorstand & Aufsichtsrat schon gar nicht, dann werden wahrscheinlich die Beamten am Schalter die Schuld für das Millionen Verzocke bekommen??

      • Karin B.

        Die Verantwortlichen haben sich ein System geschaffen in dem sie hohe Beträge kassieren können und die Verantwortung übernimmt „der liebe Gott“.
        Ihre Erklärung, Herr Pichler ist ungenügend und führt zu weiteren Vertrauensverlusten in der gesamten Führung.

    • Fred

      Na sowas, jetzt muss sich schon ein über 80jähriger Stiftungspräsident schützend vor „the great Brandy“ stellen – so weit ist es jetzt also schon gekommen. Tja, ein Bankunternehmen führen ist halt doch was anderes, als Stiftungsgelder zu verteilen und Systemfreunde zu verteidigen.
      Was mich nur wundert: warum hat Big Brandy denn im Jahr 2013 den damaligen Verwaltungsrat noch um ein Jahr verlängert, obwohl eigentlich 3 Jahre der normale Mandatszeitraum sind ? Entweder hat man da die Lage schon gesehen und nicht konsequent gehandelt. Oder man hat’s eben nicht gesehen, und das wäre dann ziemlich peinlich, denn das würde bedeuten, dass Herr B nicht mal da die Probleme der Bank gesehen hat. Wie peinlich und unfähig wäre das denn bitte !!!
      Und dann nach der ersten Halbjahresbilanz letztes Jahr erst von 100 mio für die Kapitalerhöhung erzählen, dann kurz danach schon 150 mio, und jetzt sind’s schon 250 mio. Sind wir sicher, dass der Bankpräsident die Lage echt im Griff hat – nach immerhin schon 12 Monaten darf man das doch eigentlich erwarten, oder ?
      Wie man es also dreht und wendet, echte Kompetenz sieht anders aus, Herr Brandstätter. So werden Sie, der selbsternannte Retter Südtirols, unsere ehemals stolze Bank noch zu Grabe tragen … ja genau, Sie !!!

    • Andreas

      Das Problem ist natürlich nicht der Standort Südtirol, sondern die Köpfe, welche unsinnigen Entscheidungen getroffen haben.
      Aber wie so oft, eine Krähe hackt der anderen halt kein Auge aus.

    • PROF:

      Ja wer ist für das Schlamassl verantwortlich?Natürlich die Aktionäre,sie könnten ja alle, mich inbegriffen die eigenen Aktien der Sparkasse schenken und somit wäre das Problem gelöst. Wenn es so weiter geht sinkt der Wert sowieso auf Null!!!!

    • Franz

      Was hier nicht erwähnt wird, dass nach Angaben gestriger Meldungen zu folge 50% der Stiftungsanteile abgegeben werden müssten.
      Ein Staatsgesetz der Regierung Renzi , damit möchte man verhindern , dass mit den Stiftungen zu viel Schindluder getrieben wird, wie bei der MPS-Bank. Bei der sich mehrere Milliarden € in Luft aufgelöst haben . die dann wir – der Steuerzahler mit unseren IMU – Steuergeld durch die Regierung Monti bzw.Letta mit 4 Milliarden € abgedeckt wurden.

    • kyrie eleison

      das Problem der Sparkasse ist der fehlende Flughafen. 😉

      • Karin B.

        Für die vielen !00 Millionen Euro Verluste ist niemand verantwortlich? Wo gibt es solche Zustände? Pichler, Sie sollten in einer „Marktwirtschaft“ dafür eine Erklärung haben oder befinden wir uns im dunklen Kommunismus?
        Dann läuft weiterhin in diesem Svp Pd geführten „Bankladen“ gewaltig etwas schief.

      • Wicki

        Damit bestimmte Leute mit vielen Millionen Beträgen schnell einen „Abflug“ machen können? Die letzten aktuellen Erfahrungen zeigen, dass dies auch ohne größeren Flughafen und ohne Flugzeug ganz gut funktioniert.

      • walter

        @kyrie eleison
        stimmt nicht ganz!!!
        Für einen funktionierenden Flughafen brauchen wir noch einen fertigen BBT!!!! 🙂

    • Steff

      WARUM HAT DIESE BANK ÜBERHAUPT NOCH KUNDEN???

      „…der Wirtschaftsstandort Südtirol mit seiner heute gut strukturierten Bankenwelt…“

      KANN AUCH OHNE SÜDTIROLER SPARKASSE LEBEN – der Kunde hat die Macht!

      Die anderen Banken würden sich freuen … und vielleicht auch die Bankkunden!!!

      • walter

        einfach die Bank wechseln, das ist der BESTE Protest!!!
        inzwischen müssen sie innhalb 13 Tagen wechseln sonst kann man klagen!!!
        http://www.tageszeitung.it/2015/03/09/der-konto-wechsel/

      • Andreas

        @Steff
        Bin Kunde und Aktionär und habe nicht vor zu wechseln. War bis jetzt recht zufrieden, hab zwar etwas Geld verloren, aber wenn man Aktiengeschäft macht, muss man damit rechnen.

        Die Bank wird weiter bestehen, eine Bank wickelt man nicht so einfach ab und das Leben geht weiter.
        Manchen würde etwas mehr Gelassenheit vielleicht nicht schaden.

        • Wicki

          Woher dieser Sinneswandel? Oben möchte Herr „Onorevole“ für jede Aktie einen Verantwortlichen – den es nicht zu geben scheint – in den „Arsch“ treten.
          Die Gefühle hat Andy nicht unter Kontrolle.

        • ART DÉCO

          Hoffentlich haben Sie mit Ihrer Aussage recht, denn ich bin auf dem gleichen Boot. Bin ganz Ihrer Meinung, was
          das Risiko Aktien betrifft, aber dies hätte die Bank beim Ankauf ausdrücklich angeben müssen, was leider nicht gemacht wurde! Übrigens jahrelang bekam man keine Aktien zu kaufen, da die Nachfrage den Bestand der Aktien übertraf und gute Dividenden wurden auch ausbezahlt, über die spricht heute auch niemand mehr.
          Bin aber trotzdem sauer, denn bei mir ist es mehr als etwas Geld und dies ist schwer zu verdauen. La speranza é l’ultima a morire!!

    • Dana

      Solange sich die Mitglieder der Landesregierung nicht an die angekündigten Kürzungen (nach Monti) halten werden sich Beamte mehr oder weniger auch nicht daran halten.

    • PROF:

      Da ich den gestrigegen Artikel über die Sparkasse in der FF gelesen habe,so ist mir jetzt auch klar warum mir 2005 vom Filialleiter die Dolomit- Fonds regelrecht aufgedrängt wurden. Die Angestellten wurden von oben herunter stark unter Druck gesetzt,unbedingt diese Fonds zu verkaufen,warum wohl??

    • Karin B.

      Also hatte Durnwalder doch recht als er mit Zellers „Vorgehen“ in Rom öfters unzufrieden war.

    • hans9

      Wenn wir gerade über Kompetenz in Verwaltungsräten sprechen, sollte man sich diese Pressemeldung aus dem Jahre 2011 nochmals auf der Zunge zergehen lassen:

      http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=379533

      Herrlich, wie Medien doch alles schön schreiben können.

      Ach ja, verfallen 2015 eigentlich keine Verwaltungs- und Aufsichtsräte mehr?
      http://www.provinz.bz.it/de/aktuelles/gesellschaften-koerperschaften-organe.asp

      Soviel zum Thema Transparenz und neue Politik.

    • Hubert

      Banken, Banken, Banken – heute ist es die Spaka, morgen werden es andere sein.
      Wer gewohnt ist, nur den Kunden in jeder Form abzuzocken und für sich Gelder in enormer Höhe jahrelang zu garantieren, wird früher oder später – sofern nicht wieder von der Politik abgefedert – ähnlich wie bei jeder Monopolstellung Schiffbruch erleiden, weil das System einfach nicht stimmt.
      Aber davon spricht man wohl lieber nicht, oder?

    • Alrun

      Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Herr Brandstätter mag viele Fähigkeiten haben, aber jene Unternehmen die mit ihm als „Retter“ vor dem Untergang bewahrt werden sollten gibt es alle nicht mehr. Und diese Liste ist gar nicht so kurz und in Südtirols Unternehmerschaft geht schon seit Jahren der Spruch um, wenn der „Brandstätter“ kommt ist die Firma verloren. Mal sehen wie viel Schaden er der Sparkasse noch zufügen kann.

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