Du befindest dich hier: Home » Südtirol » Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!

Die TAGESZEITUNG wünscht allen LeserInnen und Lesern ein frohes Fest und besinnliche Tage – mit einigen Gedanken von Herausgeber Arnold Tribus. 

Es ist doch noch gut gegangen. Da hatten uns die klugen Analysten und Klugscheißer, die pessimistischen Journalistinnen einen heißen Herbst und einen kalten Winter prophezeit, die Heizungen werden kalt sein, wir werden frieren und in kalten Stuben sitzen, Gas und Strom nicht mehr bezahlbar, die Gemeinden sollten auf die Weihnachtslichter verzichten, kann man sich das nicht mehr leisten, bereitet euch also auf eine dunkle Weihnacht vor. Allen Kassandrarufen zum Trotz haben wir einen normalen Advent erlebt, die Stadt im Lichterglanz, der Christkindlmarkt wieder voller Gäste aus Milano, die sich freuen und die saubere Stadt mit ihrer „atmosfera tedesca“ loben, die Kaufleute sind zufrieden, die Gasthäuser voll. Wir können also Weihnachten feiern, zufrieden und froh, und nie vergessen, dass es Arme gibt, denen wir geben sollen, und dass es Krieg gibt!

Man ruft sich in diesen Tagen „Frohe Weihnachten“ zu. Es geht zu Herzen, das „Frohe Weihnachten“, vor allem jenen Menschen, die partout mit Weihnachten nichts zu tun haben wollen, weil sie darüber stehen und sich der Weihnacht versperren, weil sie gottlos sind. Es trifft vor allem die Hartgesottenen im Herzen, die Gefühlsmachos und die Einsamen, die an Weihnachten dann bitterlich traurig sind, sich verkriechen und besaufen oder in ihrer Einsamkeit die Telefonseelsorge anrufen.

Es ist eine andere Zeit, die Weihnachtszeit, da liegt etwas in der Luft. Wäre alles normal, würden nicht plötzlich Leute in die Kirchen eilen, um sich vom Lichterglanz und dem festlichen Gesang der Chöre betören zu lassen, von der Magie eines Domes. Weihnachten finden auch die Gottlosen Unterschlupf und Zuflucht im Hause Gottes, dann am nächsten Tag wird er weiterhin nicht an den lieben Gott glauben, aber Weihnachten machen wir eine Ausnahme, denn Weihnachten ist Tradition und Event, schließlich gehören das Kirchenfest und das weltliche Kulturfest ja zusammen: Tannenbaum, Krippe, Lichter, Kerzen, Kekse, Zelten, Geschenke und das Weihnachtsevangelium, das in seiner dramatischen Einfachheit immer noch rührt: Weil in der Herberge kein Platz für sie war. Auch wer nicht an Gott glaubt, feiert Jahr für Jahr die Geburt seines Sohnes. In den Kirchen stehen sie dann, die Weihnachtschristen und Gottlosen, und brummeln heilige Nacht vor sich hin, oh du Selige, sie bewegen die Lippen in Erinnerung an eine schöne Zeit, die Texte hat man ja nicht ganz vergessen, sie sind im Hirn gespeichert, sie können jederzeit zurückgerufen werden. Weihnachten ist wohl die Sehnsucht nach etwas, das jenseits der Ratio liegt, jenseits der Welt, etwas, das über die Bescherung und den Glühwein hinausgeht, den Weihnachtsempfang und das Firmenessen.

Zu Weihnachten haben die Familien wieder Hochkonjunktur, wo es kriselt, tritt ein weihnachtlicher Scheinfriede ein, ach wie wäre es schön, wäre alles wieder wie früher, könnte man sich vertragen und lieben. Warum wohl die Weihnacht dieses Bedürfnis nach Liebe und Harmonie wachruft, nicht nur in den Familien? Das familiäre Weihnachtsritual mag noch so spießig und unerträglich sein, fehlte es, dann wäre nicht Weihnachten. Wenn Mutter keinen Stress hätte und wenn der Vater pünktlich nach Hause käme, anstatt mit seinen Kollegen noch den x-ten Glühwein zu trinken, dann wäre ja nicht Weihnachten. Weihnachten ist eine Huldigung der Liebe, Suche nach Heil, denn Weihnachten ist kein Fest der klugen Worte, sondern ein Fest der Seele und des Gefühls. In einer kalten und herzlosen Zeit, in einer Zeit der Egoisten und Ellbogen, der Herzlosen und Neider, des Leistungsdruckes und der Zukunftsangst, wird die Sehnsucht nach Gefühl immer größer. Das Christkind spricht das Kindliche in uns an, egal ob man in die Kirche geht oder nicht, glaubt oder nicht, das Christkind ist die andere Dimension, das Unfassbare.

Ihnen Frohe Weihnachten!

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (15)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

  • andreas

    Frohe Weihnachten Tribus, wobei ich sagen muss, dass ich zwar recht viele Texte lese, die vom Kronpichler und Tribus aber nie komplett. 😉

  • gorgo

    Frohe Weihnachten Tribus, deine Texte lesen wir immer, im Gegensatz zum schlecht geschriebenen Geschwafel und Gegifte einiger deiner Mitarbeiter.
    Im übrigen in der bezahlten Printausgabe, deshalb ein besinnungsvoller Rat.. Pass auf, dass das wenige Niveau nicht den online Kommentarschreibern weiter entgegen rutscht, schreibt wenigsten Namen und Überschriften richtig und stell mit der Medienförderung jemanden ein, der ähnlich gut schreiben kann wie Du und einen Praktikanten der rudimentär die online Ausgabe betreut.
    Und Bitte, Bitte, Bitte.. auch wenn du nicht das Christkind bist.. Sperr endlich den Andreas 12345.. den komischen Deutschen mit dem Berghof Geunke.

  • klum

    SCHÖN, Tribus, sehr schön!
    Da braucht es keine Kommentare zu.

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2024 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen