Du befindest dich hier: Home » News » Verschnupfte Patrioten

Verschnupfte Patrioten

Foto: SSB

Das Forum Heimat in der SVP bescheinigt der Landesregierung volkstumspolitischen Aufholbedarf. LH Arno Kompatscher kontert: „Ich habe kein Patriotismuszeugnis notwendig.“

von Matthias Kofler

Das Forum Heimat bezeichnet sich selbst als das „gute Gewissen in der SVP“. Seine Vertreter wollen insbesondere die volkstumspolitische und konservative Flanke in der Volkspartei abdecken und sich auf Werte wie Heimat und Tradition konzentrieren. Bei den letzten Landtagswahlen schaffte es kein ausgewiesener Volkstums- und Heimatpolitiker à la Franz Pahl, Bruno Hosp oder Martha Stocker ins Hohe Haus. Ein Manko, findet Michael Epp, der Sprecher des Forums Heimat.

In einem Schreiben an den Parteiausschuss zeigt sich das Forum „irritiert von der Landesregierung und insbesondere von Landeshauptmann Arno Kompatscher, aber auch von den Mitgliedern der SVP-Landtagsfraktion“.

Grund ist das kollektive Fernbleiben der SVP-Abgeordneten bei der Veranstaltung „100 Jahre Marsch auf Bozen“ am 1. Oktober, die vom Südtiroler Schützenbund und dem Heimatbund organisiert worden war. „Während sich 2.000 Südtiroler*innen aller politsicher Couleur daran beteiligten, vermisste die Plattform Heimat in der SVP sowohl die Mitglieder der Landesregierung als auch jene der SVP-Fraktion im Landtag. Einzig der Vizebürgermeister der Stadt Bozen Luis Walcher war bei der Veranstaltung präsent“, heißt es in dem Brief, der von Michael Epp, Fabian Gufler, Franzjosef Roner, Sonja Anna Plank, Lukas Wegscheider, Lorenz Ebner, Martin Federspieler, Robert Tschöll, Christoph Mitterhofer und Urban Unterweger unterzeichnet wurde.

Besonders sauer stößt der Bewegung das Fehlen des LH beim Gedenkmarsch der Schützen auf – nicht zuletzt, da er am darauffolgenden Sonntag an einer Veranstaltung der Alpini-Truppen am Gerichtsplatz in Bozen teilgenommen habe. „Es wirkt auf die Mitglieder der Plattform Heimat äußerst befremdlich, dass ein Südtiroler Landeshauptmann kein Problem damit zu haben scheint, mit dem italienischen Militär zu feiern, dagegen einer Veranstaltung gegen den Faschismus aber fernbleibt“, schütteln die Volkstumspolitiker den Kopf. Sie machen die Parteiführung darauf aufmerksam, dass jüngsten Vorfälle im Hinblick auf den Auftrag und das Erbe der SVP zu einer „äußerst schiefen Optik von außen“ geführt hätten. Darunter habe die Glaubwürdigkeit der SVP, die sich den Minderheitenschutz und die Autonomie auf die Fahnen schreibe, sehr zu leiden. „Die SVP-Vertreter auf Landesebene haben nicht nur am 1. Oktober mit Abwesenheit geglänzt, sondern zum wiederholten Mal Veranstaltungen des Südtiroler Schützenbundes nicht beigewohnt, ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt. Es ist für uns als Mitglieder der Plattform Heimat in der SVP, die wir uns immer wieder um Ausgleich bemühen, unverständlich, warum die Dinge so laufen wie sie momentan laufen“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Das Forum Heimat wünsche sich eine „ernsthafte Auseinandersetzung“ zu den aufgeworfenen Problemen und stehe für eine Aussprache zur Verfügung. Man habe sich bewusst dafür entschieden, die Kritik intern anzubringen und lehne einen „Rundumschlag zum Schaden der Partei“ ab, schließen Epp und Co. ihr Schreiben.
Arno Kompatscher fühlte sich bemüßigt, auf den Brief zu antworten. Der Wortlaut:

Sehr geehrter Vorsitzender der Plattform Heimat, lieber Michael, lieber Obmann, werte Mitglieder des Parteiausschusses,
ich nehme hiermit Bezug auf das beiliegende Schreiben der Plattform Heimat und bedanke mich für die Eröffnung dieser internen Debatte, die es durchaus wert ist zu führen und an der ich mich gerne beteiligen werde. Bei dieser Gelegenheit können wir uns nicht nur über richtig- und falschverstanden oder richtigen und mangelhaften Patriotismus, sondern auch über ein angemessenes und würdiges Gedenken von Ereignissen wie beispielsweise „100 Jahre Marsch auf Bozen“ austauschen. Ohne dieser anstehenden Diskussion vorgreifen zu wollen, erlaube ich mir jedoch schon jetzt festzuhalten, dass der Unterfertigte kein Patriotismuszeugnis von wem auch immer notwendig hat.
Mit lieben Grüßen
Arno Kompatscher

Noch gibt es keinen Termin für die von den Volkstumspolitikern geforderte Aussprache. Aus der SVP-Zentrale in der Brennerstraße ist zu vernehmen, dass das Forum „total verschnupft“ über das Antwortschreiben des LH sei. Kompatscher habe dabei kein diplomatisches Feingefühl bewiesen, lautet der Tenor.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (16)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2024 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen