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„Wollen endlich Taten sehen“

Die Wolfsrisse: Die Ortsbauernräte und die Alminteressentschaften des Pustertales stellen der Politik die Rute ins Fenster.

Nachdem Wölfe auf der Rossalm in Prags mehrere Schafe und danach zwei Rinder gerissen haben, reicht es den Ortsbauernräten und den Alminteressentschaften.

Auf einer Dringlichkeitssitzung am Samstag in Niederdorf haben sie sofortige Maßnahmen gefordert.

Andernfalls werde die Bewirtschaftung aufgegeben – mit gravierenden Folgen für das Landschaftsbild und den Tourismus, so hieß es auf der Versammlung.

Die Stimmung auf dem dringend einberufenen Treffen der Ortsbauernräte von Niederdorf, Prags, Welsberg-Taisten und Rasen-Antholz sowie den Alminteressentschaften Plätzwies, Taistner Hinteralm und Taistner Vorderalm war äußerst angespannt.

„Seit 1548 werden auf der Rossalm nachweislich Tiere gealpt. Wenn sich nichts ändert, wird die Alpung eingestellt“, warnte Johann Jaeger, der Präsident der Alminteressentschaft Plätzwies die Politik.

In Niederdorf waren der Landesrat für Landwirtschaft Arnold Schuler, der (skandalgebeutelte) Landtagsabgeordnete Manfred Vallazza, der Sarner Bauernvertreter Franz Locher, Senator Meinhard Durnwalder und der Amtsdirektor des Forstinspektorats Günther Pörnbacher anwesend.

Die Situation vor Ort sei inakzeptabel:

„Heuer wurden bereits 18 Schafe vom Wolf gerissen, die restlichen knapp 90 Tiere wurden daraufhin wieder ins Tal gebracht. Nur zwei Wochen später hat der Wolf innerhalb von drei Tagen zwei Rinder gerissen“, fasste Jaeger zusammen.

Ein weiteres Rind auf einer anderen Alm sei erst diese Woche  von einem Wolf gerissen worden.

Nach den Wolfsrissen werden nun die noch verbliebenen rund 110 Rinder jeden (!) Abend zur Almhütte getrieben, um sie über Nacht mit einem Herdenschutzzaun zu schützen. Am Morgen werden die Tiere dann wieder auf die Weide getrieben.

„Das ist alles sehr zeitaufwändig. Es braucht mindestens sieben Helfer, um die Tiere zur Almhütte zu bringen. Dieser Aufwand ist nur für eine sehr kurze Zeit vertretbar und finanzierbar“, sagte Jaeger.

Ein Herdenschutz direkt auf der Alm sei bei Rindern nicht umsetzbar, da das Gebiet zu groß und das Gelände zudem sehr unwegsam sei.

Daher waren sich die Ortsbauernräte und die Vertreter der Alminteressentschaften einig: „Wenn sich nicht rasch etwas ändert, werden die Almen in Zukunft nicht mehr bewirtschaftet werden. Jeder weiß, was das für das Landschaftsbild und damit für den Tourismus und die Freizeitgestaltung der einheimischen Bevölkerung bedeutet. Wir brauchen keine Vorträge oder leeren Worte, wir wollen endlich Taten sehen.“

Auch komme es bei nicht mehr bewirtschafteten Almen vermehrt zu Erdrutschen und zu einem Rückgang der Biodiversität, warnte Jaeger. Zudem werde von den Bauern immer mehr Tierwohl gefordert: „Die Alpung ist die natürlichste und gesündeste Form der Aufzucht“, so Jaeger.

Daher forderten die Anwesenden eine Neuregelung des Wolfschutzes in der EU, da ein so umfangreicher Schutz nicht mehr nötig sei.

„Anscheinend denkt in Brüssel niemand an die Tierhalter“, ärgerte sich Martin Bachmann, SBB-Ortsobmann von Niederdorf.

Zudem müsse in Rom um eine Sonderregelung gerungen werden, die Entnahmen zulässt. Nur so könne dem Problem Einhalt geboten werden. Ausgebaut werden müsse auch die alpenübergreifende Zusammenarbeit.

Verärgert waren die Ortsbauernräte und die Alminteressentschaften auf dem Treffen in Niederdorf, dass die Auswertungen der Fotofallen, die aufgestellt wurden, geheim gehalten werden.

So ein Verhalten sei untragbar.

Auch wurde kritisiert, dass die Auswertung der DNA-Proben, die nach Wolfsrissen entnommen werden, zwei Monate im Anspruch nimmt. „Das ist ein unakzeptabel langer Zeitraum. Bei solchen Zeiten ist eine schnelle Reaktion nicht möglich, da die Alpungszeit nur rund 100 Tage beträgt“, so Jaeger. Enttäuscht zeigten sich die Teilnehmer, weil noch keine Lösung absehbar sei.

„Wir fühlen uns alleingelassen. Allen muss aber klar sein, dass, wenn die Alm stirbt, auch das Land stirbt“, fasste Jaeger zusammen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • criticus

    Die Rute ins Fenster wird nicht viel nützen, eure Vertreter kämpfen anscheinend selbst durch selbstgebastelte Skandale ums Überleben.

  • leser

    Es ist aber auch tatsache dass due bewirtschaftung von almen vielfach gemacht wird weil entsorechende subventionen bereitgestellt werden
    Aber wenn exoerten wie valazza am tisch sitzen wird das schon ein richtiges ende nehmen

  • tirolersepp

    Mandr es isch Zeit – schiasst des hurenviach nieder und a ruah isch !!!

  • schwarzesschaf

    Das war früher normal das die Tiere am abend zur alm getrieben wurde und am morgen wieder rauf.nur jetzt schauen die Hirten auf die geldtaschen der Gäste das diese schön auf der alm geleert werden denn das ist lukratiever als die Rindviehcher und aus den Stallungen wo früher die Rindviehcher schliefen schlafen nun die internationalen zweibeinigen Rindviecher

  • andreas1234567

    Hallo aus D,

    in Bayern zetern die Almler fast spiegelbildlich..
    Unterschied zu Südtirol: Da sitzen die Tierschützer mit im Boot.Die Tierschützer singen sogar ebenfalls das Lied das alle Versuche mit Herdenschutzhunden und Einzäunen eine unpraktikable Spinnerei sind, in der Schweiz krachend gescheitert. Es heisst die Beutegreifer haben sich die Herdenschutzhunde schmecken lassen..
    Schwacher Trost: Der DNA-Nachweis für Raubtierschäden dauert in D ähnlich lang, steht auch im verlinkten Artikel.

    https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/garmisch-partenkirchen-ort28711/schafriss-wolf-garmisch-partenkirchen-abschuss-politik-tierschuetzer-91734479.html

    Warum aber die Almler jetzt alle das Lied von der Biodiversität durch die Bewirtschaftung singen weiss ich auch nicht, das Liedchen haben schon die Viehzeugherbeiklatscher gesungen..

    Aber insgesamt eine gute Entwicklung für die Almler, wenn D oder A einen Durchbruch in dieser Frage erzielen steht diese Regelung auch Südtirol zu, von wegen einiges Europa..

    Gruss nach Südtirol

  • dn

    Der Wolf wird vom Staat und der EU geschützt, leider. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich hier schnell etwas ändert. Ein Beispiel, wie Schreibtischtäter ungeniert Unfug treiben.

    • vogelweider

      Sie reden schlichtweg Unsinn! Lesen Sie sich wenigstens etwas Bildung an; polemisieren ist einfach, das Thema selbst ist weitaus komplexer. EU und Staat wissen hier genau, warum sie so handeln.

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