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Max ohne Bleibe

Max Leitner im Polizeiwagen (Foto: TZ/Lisi Lang)

Vier Monate nach seiner Entlassung aus der U-Haft ist Ausbrecherkönig Max Leitner weiterhin wohnungslos. Er pocht auf sein Recht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft. 

von Thomas Vikoler

Wer Max Leitner in diesen Tagen begegnet, erlebt einen Mann voller Tatendrang: Besuch (mit behördlicher Erlaubnis) bei seinem Bozner Anwalt Angelo Polo, Zusammentreffen mit dem Bürgermeister von Algund, Ulrich Gamper, wiederholte Telefonate mit der Gemeinde Meran und dem dortigen Sozialsprengel.

Der 64-jährige Elvaser, der den Zusatz Ausbrecherkönig mit sich herumträgt wie einen Ehrentitel, bemüht sich um einen festen Wohnsitz. Vor ziemlich genau vier Monaten wurde Leitner aus der U-Haft entlassen und in überwachte Freiheit entlassen.

Dies auch deshalb, weil Gerichtsgutachter Ivano Simioni in einer psychiatrischen Expertise zum Schluss kam, dass Leitner an Wahnvorstellungen und Zügen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leide und deshalb nicht haftfähig sei.

Doch was kam danach?

Leitner war nach seiner Haftentlassung mehr oder weniger sich selbst überlassen, er begab sich nach Meran, der einzigen Gemeinde, in der er sich laut richterlicher Verfügung aufhalten darf. Er übernachtete zunächst auf einer Parkbank, fand dann aber Unterkunft bei einem Bekannten, wo er weiterhin lebt. Ein Gefallen eines wohlmeinenden Menschen.

Aber eine feste Wohnung konnte Leitner, der von einer Invalidenrente lebt, bisher nicht finden. Oder anders betrachtet: Die für ihn zuständigen Behörden waren nicht in der Lage, einen festen Wohnsitz für ihn zu beschaffen.

Tatsächlich ist die Gemeinde Meran in dieser Angelegenheit aktiv geworden, wandte sich zunächst aber an die Vinzenzgemeinschaft. Doch irgendwie ging nichts weiter, auch wenn Leitner über 27 Bedürftigkeitspunkte verfügt.

Der Mann, der fünf Mal aus italienischen Gefängnissen ausgebrochen ist, pocht auf sein Recht auf Wiedereingliederung von Ex-Strafgefangenen in die Gesellschaft. Ohne fixe Wohnung, so sagt Leitner berechtigterweise, sei das aber nicht möglich.

Auch der Versuch, in der Nachbargemeinde Algund zu einem festen Wohnsitz zu gelangen, schlug bisher fehl. Aber Leitner gibt nicht auf und hat diese Woche, wie erwähnt, den dortigen Bürgermeister getroffen.

Wie es aussieht, steht Leitner bei seinen Bemühungen der Ruf als Ausbrecherkönig etwas im Wege. Mit kriminellen Machenschaften, so versichert er, wolle er aber nichts mehr zu tun haben. Was sollte einer in seinem Alter noch anrichten, so seine Rechtfertigung.

Und die Geschichte mit den Schüssen mit einer alten Pistole gegen den PKW einer Prostituierten in der Bozner Industriezone, wegen der er und sein (auch aktuell) ständiger Begleiter Johann Schörghofer, ein österreichischer Geheimdienstoffizier i.R., im vergangenen September verhaftet wurden?

Dazu war für einige Zeit von einem gerichtlichen Vergleich die Rede. Doch Leitner und Schörghofer scheinen derzeit wenig davon zu halten, sie erwägen, die Anklage der Staatsanwaltschaft abzuwarten und sich gegebenenfalls einem Hauptverfahren zu stellen.

Um dort die Unschulds-Linie zu fahren.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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