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Helden?

Die Hauptfigur von „A Hero“ Rahim mit seinem Sohn

„A Hero“ von Asghar Farhadi ist ein spannender Film, auch zum mehrmals Ansehen.

von Renate Mumelter

Bei einem Regisseur aus dem Iran stellen sich Fragen, die sich sonst nie in der Vordergrund drängen. Das hat mit dem Land zu tun, in dem er lebt und arbeitet. Aber Iran geht auch normal (für einen Mann), und es geht vor allem kulturell hochstehend. Farhadi bewegt sich, wie viele Menschen aus der Filmbranche international, lebt aber in Teheran. Geboren ist er 1972 in Chomeinischahr. Als Jugendlicher drehte er schon auf 8-mm- und 16-mm. 1998 schloss er sein Studium an der Universität Teheran ab. Er arbeitete als Autor und Regisseur beim Studententheater und verfasste Stücke für den Hörfunk und inszenierte Fernsehsendungen. Dann kamen die größeren Filme und die internationalen Erfolge. Silberne und Goldene Bären 2009 und 2011 für „Alles über Elly“ und „Nader und Simin – eine Trennung“, 2017 der Oscar für „The Salesman“. Für „A Hero“ gab es den Großen Preis der Jury in Cannes.

Farhadis Filme sind spannend aber auch komplex. Damit können Zensurbehörden offensichtlich schlecht umgehen, so weit denken sie nicht. Ein großer Vorteil für Farhadi.

Farhadi und Brecht

Wer sich von Farhadi-Filmen erwartet, den Iran als fremde Welt kennenzulernen, wird enttäuscht. Die Themen, von denen er erzählt sind so international wie unsere globale Welt. Im aktuellen Film geht es ums Heldentum und um die Frage, ob es Helden braucht und wenn ja warum. Farhadi, der auch das Drehbuch geschrieben hat, lehnt sich gern an Bertolt Brecht an, diesmal mit dessen Zitat „Unglücklich das Land, das keine Helden hat!“ – „Nein. Unglücklich ist das Land, das Helden nötig hat.“  Nach Helden rufen jene die nicht bereit sind, selbst Verantwortung zu übernehmen, sagt Farhadi in einem Interview. Ein heute sehr aktuelles Thema.

Held Rahim 

An Rahim zeigt der Film wie Menschen heute zu Helden werden können. Rahim ist im Gefängnis gelandet, weil er Schulden nicht an seinen Schwager zurückzahlen kann. Bei einem Freigang ergibt sich die Möglichkeit, mit ein paar gefundenen Goldstücken einen Teil des Geldes zurückzugeben. Die Erzählung nimmt Fahrt auf, viel Fahrt. Rahims Verlobte spielt eine wichtige Rolle, sein Sohn auch. Er hat Schwierigkeiten sich auszudrücken, er stottert. Auch das kann „Helden“ helfen.

Für Rahim selbst bewegen sich diese Tage des Freigangs zwischen Hoffen und Bangen. Das Heldentum dieses Heros wird in den sozialen Medien auf- und abgebaut, und wo die Realität aufhört und der Fake beginnt, ist nie ganz klar. Es geht also auch um globale soziale Netze und um Kapitalismus. 

Amir Jadidi spielt seine Rolle hervorragend, verstörend changiert er während  der Verkettung von Umständen. Bei der schauspielrischennVorbereitung achteten Farhadi und Jadidi besonders auf das Lächeln.

Schiras

Absichtlich drehte Farhadi nicht in Teheran sondern in Shiras, einer Stadt im Süden nahe Persepolis. Er wollte an einen Ort gehen, der ruhiger ist als die Millionenmetropole, sagt er, an einen Ort, an dem es noch üblich ist, bei offenen Türen zu leben. Das wirke sich auch auf die Menschen aus. Ältere unter uns kennen diese offenen Türen auch noch.

Tipps

„A Hero“ (FR 2021), 127 Min. Regie: Asghar Farhadi, mit Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh (MO auch OmU)

SA und SO „Herr Bachmann und seine Klasse“ von Maria Speth (empfehlenswert auch dieser Film)

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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