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„Hohes Maß an Belastung“

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33 Prozent der Kinder und Jugendlichen geben an, dass die Lebensqualität in der Pandemie niedrig sei. Verhaltensprobleme und Angststörungen haben um mindestens ein Drittel zugenommen.

von Artur Oberhofer

Kinder und Jugendliche sind seit Beginn der Coronapandemie mit massiven Veränderungen in ihrem Alltag konfrontiert. Fernunterricht und Smartworking haben die Belastung in jeder zweiten Familie in Südtirol zunehmen lassen.

Bei 33 Prozent der Schüler:innen war die Lebensqualität in der Pandemie niedrig, während der Konsum von digitalen Medien stark angestiegen ist. Knapp 60 Prozent der Eltern wünschen sich mehr Unterstützung.

Das sind die Ergebnisse der Online-Umfrage COPSY-Südtirol, die im Mai und Juni 2021 vom Institut für Allgemeinmedizin und Public Health an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana durchgeführt wurde.

Insgesamt haben sich 6.958 Eltern an der Umfrage beteiligt.

Die 5.159 von Eltern ausgefüllten und auswertbaren Fragebögen wurden durch 2.331 Schüler:innen-Fragebögen ergänzt.

Die Lebensqualität der Schüler:innen

Laut den Studienergebnissen ist der allgemeine Gesundheitszustand der Schülerinnen und Schüler in Südtirol sehr gut. Ein bedenkliches Bild ergibt sich jedoch bei der Betrachtung der psychischen Situation der Kinder und Jugendlichen. 33 Prozent der direkt befragten Schüler:innen gaben an, dass ihre Lebensqualität im Befragungszeitraum niedrig war.

Ein Vergleich mit internationalen Daten aus der Zeit vor der Pandemie ergibt eine Verdoppelung der Anzahl von Jugendlichen, welche unter niedriger Lebensqualität leiden. Bei der Onlinebefragung für COPSY-Südtirol 2021 bewerteten die Schüler:innen selbst, sowie deren Eltern, ihre Lebensqualität niedriger.

Starke negative Einflussfaktoren dafür waren die Art des Wohnraums und die berufliche Belastung der Eltern. 48 Prozent der Jugendlichen, deren Eltern angaben, die Belastung durch eine pandemiebedingte berufliche Veränderung äußerst stark zu spüren, empfanden ihre Lebensqualität als beeinträchtigt. Kinder von Alleinerziehenden gaben ebenfalls häufiger eine niedrige Lebensqualität an (36%) sowie Kinder, welche ohne Balkon, Terrasse und Garten wohnen (43%).

Zudem bestätigt die Studie weitere negative Auswirkungen der Pandemie, darunter ein vermehrtes Auftreten von psychosozialen Verhaltensauffälligkeiten und Angststörungen der Schüler:innen in wichtigen Lebensbereichen.

31 Prozent der Schü ler:innen wurden von ihren Eltern als „auffällig im Verhalten“ eingestuft.

In diesem Zusammenhang konnte bei Verhaltensproblemen allgemein (32%), wie auch bei Verhaltensproblemen im Umgang mit Gleichaltrigen (28%), ein klarer pandemiebedingter Anstieg festgestellt werden. Es ist also anzunehmen, dass Verhaltensprobleme und Angststörungen während des bisherigen Pandemieverlaufes um mindestens ein Drittel zugenommen haben. Im Verhalten waren Mädchen weniger auffällig als Buben, bei den Angststörungen ist die umgekehrte Beobachtung gemacht worden.

Der Medienkonsum

Seit Beginn der Pandemie ist der Konsum von digitalen Medien unter Kindern und Jugendlichen – sowohl im schulischen als auch im Freizeitbereich – stark gestiegen. „Vor allem Oberschüler:innen und Kinder von Alleinerziehenden wiesen einen sehr großen Anstieg im Medienkonsum auf“, beobachtet die Statistikerin Verena Barbieri. 70 Prozent aller Eltern (80% der Eltern von Jugendlichen) gaben an, dass ihre Kinder mehr Zeit im Netz verbrachten als vor der Pandemie. 33 Prozent der Eltern (44% der Eltern von Jugendlichen) gaben sogar an, dass es viel mehr Zeit war.

Die befragten Jugendlichen selbst schätzen ihren Medienkonsum, in beiden Fällen, niedriger ein als ihre Eltern.

Laut eigenen Aussagen verbrachten 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen mehr als drei Stunden täglich vor dem Smartphone oder dem Tablet – und das häufiger für private Angelegenheiten als für schulische Aktivitäten. Am höchsten war der Medienkonsum bei Oberschü ler:innen sowie bei Mädchen und Kindern von Alleinerziehenden.

Die Stimmung in der Familie

Weiters weist die Studie deutlich auf die gesellschaftlich zentrale Funktion der Familie hin. Gerade in Krisenzeiten ist die Familie für Kinder und Jugendliche der wichtigste Bezugspunkt und sie gibt ihnen den größten Halt. Die Schulschließungen wurden von mehr als 50 Prozent der Eltern und Schüler:innen als belastend empfunden, als besonders schwerwiegend wurde die Kombination aus Fernunterricht der Kinder und Smartworking der Eltern eingestuft. Die Studien-Macher sprechen insgesamt von einem „hohen Maß an Belastung“.

„Internationale Untersuchungen befassten sich auch mit den Eltern selbst und haben gezeigt, dass es durch die Pandemiemaßnahmen auch zur Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit gekommen ist, woraus sich – wie in einem Teufelskreis – zusätzliche Risiken für die psychosoziale Gesundheit der Schüler:innen ergeben,“ hält Christian Wiedermann fest, Mitarbeiter des Studienteams. In der Onlineumfrage haben knapp 60 Prozent der Eltern in allen Schulstufen den Wunsch nach Unterstützung geäußert. Eltern von Grundschüler:innen äußerten diesen Wunsch häufiger als Eltern von Oberschüler:innen. Insgesamt gaben die befragten Eltern an, vor allem im Umgang mit schulischen Anforderungen (55%) und im Umgang mit Gefühlen und Stimmungen des Kindes (48%), ein Unterstützungsangebot zu begrüßen. Dieses Angebot soll, laut Umfrage, in erster Linie von der Schule bzw. von Lehrkräften und Expert:innen bereitgestellt werden.

Die Handlungsvorschläge

„Familienfreundliche Lösungen und die größtmögliche Schulöffnung sind unerlässlich, da sich Smartworking, Berufstätigkeit und Fernunterricht schwer vereinbaren lassen“, folgert Verena Barbieri. Entscheidend für die Bewältigung der psychosozialen Herausforderung für Kinder und Jugendliche sowie für ihre Familie ist weiters ein niederschwelliger Zugang zu Expertenwissen, Beratung und Behandlung. Wegen des steigenden Medienkonsums müssten Lehrerinnen und Lehrer für die Vermittlung eines sinnvollen Umgangs mit digitalen Medien sensibilisiert und weitergebildet werden. Alle Lösungsvorschläge fordern eine unmittelbare Umsetzung, nur so könne dem Anstieg von langfristigen psychischen Schwierigkeiten entgegengewirkt werden, so die Macher der Studie.

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