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„Vom Fluch befreien“

Foto: 123RF

Der Fall der fünf verhafteten Frauen aus dem Tauferer Ahrntal: Im Zuge einer dreiwöchigen Überwachungstätigkeit mit versteckten Kameras haben die Ermittler zahlreiche Fälle von psychischer Gewalt gegen Kinder dokumentieren können.

von Artur Oberhofer

„Ich weiß von nichts.“ „Die Leute haben Angst zu reden.“ „Dass bei uns Mitglieder einer Sekte wohnen, hat uns schon überrascht.“

Im Tauferer Ahrntal hat die Haftung der fünf Frauen, die laut den Ermittlungsbehörden einer Sekte angehören und ihre Kinder misshandelt haben sollen, für großes Aufsehen gesorgt. Doch wer immer sich im Tauferer Ahrntal und Umgebung auf Spurensuche begibt, stößt auf eine Mauer des Schweigens.

Auch die Behörden selbst geben sich zugeknöpft, was auch damit zu tun hat, dass die mutmaßlichen Opfer minderjährig sind.

Somit können (und sollen) nur die Eckdaten dieses Falles dargelegt werden.

Nach Informationen der TAGESZEITUNG wurden die fünf Frauen – die Mutter von zwei Kindern, die Oma und eine Tante sowie eine weitere Mutter mit Tochter – bereits vor den Weihnachtsfeiertagen, am 21. Dezember, verhaftet.

Seitdem sitzen die fünf Frauen im Frauengefängnis in Trient.

Die mutmaßliche Haupttäterin, die Mutter, war vor einiger Zeit – nach der Trennung von ihrem, Mann – aus einem anderen Teil Südtirols ins Tauferer Ahrntal gezogen. Personen, die die Frau kennen, sprechen von einer „ganz normal wirkenden Frau“.

Es war auch bekannt, dass die Frau eine Impfgegnerin ist. So erschien es auch niemandem verdächtig, dass die Frau ihre beiden Kinder – beide unter 14 – von der öffentlichen Schule abgezogen und den Elternunterricht beantragt hat.

Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass es bereits in der Trennungsphase Vorfälle gegeben haben muss, die bei den Sozialdiensten die Alarmglocken haben klingeln lassen.

Auf Details kann nicht eingegangen werden.

In jedem Fall waren es dann die Sozialdienste, die ihre Informationen an die Gerichtsbehörden weitergegeben haben. Und die Gerichtsbehörde hat die Carabinieri mit weiterführenden Ermittlungen betraut.

Die Carabinieri installierten in der Wohnung der Frau heimlich Videokameras. Im Zuge der rund dreiwöchigen Überwachungstätigkeit konnten die Carabinieri krasses Beweismaterial sammeln, das dem Richter ausreichte, die fünf Haftbefehle auszustellen.

So konnten die Carabinieri mehrere Episoden von psychischer Gewalt dokumentieren.

In einem Fall befahl die Mutter einem ihrer beiden Kinder, so viele Süßigkeiten zu essen, bis es sich übergeben müsste.

In einem zweiten Fall weckte die Mutter die Kinder um 02.00 Uhr nachts und zwang sie zu beten. Der Hintergrund: Die Mutter behauptet, ihre Ex-Mann betreibe Okkultismus. Mit dem nächtlichen Gebet sollten sich die Kinder vom Fluch (des Vaters) befreien, der auf ihnen laste.

Die Staatsanwaltschaft begründete die Verhaftung der fünf Frau mit der Tatwiederholungsgefahr. Diese leiteten die Ermittler davon ab, dass die Mutter in einem abgehörten Telefongespräch sagte, die Kinder ihrer Schwester „spiele nicht mit“.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau auch die Kinder ihrer Schwester in ihre Gewalt-„Spiele“ habe verwickeln wollen.

Der Anwalt der Mutter, der Vinschger Strafverteidiger Mark Antonio De Giuseppe, hatte im Verlauf der ersten Anhörung durch den Richter am 23. Dezember die Freilassung seiner Mandantin beantragt, notfalls mit amtlich ausgesprochenen Annährungsverbot.

Die Kinder befinden sich seit 21. Dezember in der Obhut einer sozialen Einrichtung, sind also in Sicherheit.

Das Gericht lehnte den Antrag ab.

Nun wird am 12. Jänner über hafterleichternde Maßnahmen entschieden. „Bis dahin“, sagte Anwalt Mark Antonio De Giuseppe, „habe er auch Akteneinsicht.“ Mehr wollte der Vinschger Anwalt nicht sagen.

Zurück zu den Ermittlungen: Im Zug ihrer Überwachungstätigkeit haben die Ermittler außerdem gravierende Mängel beim Elternunterricht festgestellt.

Nach Informationen der TAGESZEITUNG war die Mutter der beiden Kinder, die jetzt in einer Schutzstruktur betreut werden, die einzige der fünf Verhafteten, die bei der richterlichen Anhörung am 23. Dezember eine Aussage getätigt hat. Die Frau bestritt energisch, ihre Kinder eingesperrt zu haben. Sie gab an, die Kinder seien in Sportvereinen aktiv gewesen. Die Frau nannte auch die Art der Aktivitäten und die Vereine.

Die fünf vor Weihnachten verhafteten Frau bleiben also noch mindestens bis 12. Jänner im Gefängnis von Spini di Gardolo in Trient.

 

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (11)

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  • susim

    @goggile
    … und du solltest dich gleich mitschämen, bist einer von der schlimmsten Sorte mit deinen rassistischen Äußerungen.

  • sorgenfrei

    Gewissen leuten müsste man einfach verbieten, kinder zu bekommen!

  • nochasupergscheiter

    Die Frau ist eben ein vernachlässigter Teil unserer ach so heilen Gesellschaft , hat einiges erleben gemusst in ihrer Kindheit…
    Eigentlich müsste man sich hier die Frage stellen welche Schuld die Gesellschaft dieser Frau gegenüber hat…
    In Ängsten lebend alleingelassen, leichtes Opfer für nicht vorteilhafte Lehren, eingesperrt aufgrund ihrer anderen Meinung…
    Völlig abgedriftet und von der Gesellschaft losgelöst, vielleicht in einen religiösen wahn getrieben..
    Sicher nicht vom Teil der Bevölkerung die Zweifel hat, sondern von dem Teil die um massregelung jedes 3 Mitglieds derselben, mit Strafen und sozialer Ausgrenzung, schreit…
    Nochmals muss ich zitieren: henryk m broder: Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid

  • logo

    Es ist schon etwas seltsam… wenn ein „neuer Südtiroler“ jemanden niedersticht, ausraubt, zusammenschlägt oder bedroht kommt er nicht ins Gefängnis sondern wird nur angezeigt.
    Hier sperrt man die Frauen einfach raz faz in Trient ein ?
    Vieleicht weil es Einheimische sind?
    Man wundert sich halt wirklich, über die Verhältnismäßigkeit unserer Justiz und der unserer Jugendämter obwohl ich das, was die Frauen hier betreiben, natürlich klar verurteile.

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