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Die Widerspenstigen

Eine Bar in Bruneck könnte nun schon zum zweiten Mal vorübergehend geschlossen werden – wegen Missachtung der Corona-Regeln. Wie die Ordnungskräfte mit den Verweigerern umgehen. Und wie viele es davon gibt.

von Silke Hinterwaldner

„Ich habe zu tun“, sagt die Wirtin kurz angebunden. Und überhaupt gehe das alles niemanden etwas an, sie wolle keine Auskunft geben. Mit einem freundlichen „Dankeschön“ beendet sie das kurze Telefonat.

Bereits vor einem Monat war ihre Bar im Zentrum von Bruneck für fünf Tage zugesperrt worden. Der Grund: Missachtung der Corona-Regeln. Was war vorgefallen? Die Carabinieri hatten im Lokal bei einer Kontrolle den Grünen Pass verlangt. Aber die Wirtin weigerte sich, sie ignorierte die Ordnungshüter und bediente die Gäste weiter. Nach diesem Vorfall haben die Carabinieri die Bar sofort für fünf Tage schließen lassen. Auf einem Schild an der Tür erklärte die Wirtin daraufhin schriftlich: „Ich bin überrumpelt worden. Am Donnerstag kamen die Kontrollorgane zur Green-Pass-Kontrolle. Ich habe mich geweigert dieses Dokument vorzuzeigen, nachdem nur mein Vertrauensarzt und die Grenzpolizei Einsicht in dieses haben darf.“

Nach der Wiedereröffnung trudelten auch bei der Ortspolizei in Bruneck immer wieder neue Meldungen dazu ein, dass die Corona-Sicherheitsbestimmungen in der betreffenden Bar nicht eingehalten würden. Ende Dezember nahm die Ortspolizei einen Lokaugenschein vor und traf zwei Gäste ohne Grünen Pass an. Auch dieses Mal wurden nicht nur die Gäste, sondern auch die Wirtin bestraft, weil sie nicht kontrolliert hatte. Die Barbetreiberin hatte an diesem Tag auch darauf bestanden, dass die Polizisten ihre Grünen Pässe vorweisen sollen – was diese auch taten. Sie reagierten möglichst gelassen und erklärten, dass für Ordnungskräfte seit Mitte Dezember ohnehin eine Impfpflicht bestünde. Dieser Vorfall wurde dem Landeshauptmann gemeldet. Dieser könnte noch einmal die vorübergehende Schließung der Bar verfügen.

Aber: Wie oft müssen die Ortspolizisten solche Kontrollen vornehmen? Gibt es viele Geschäfte, Betriebe oder Lokale, die von Impfverweigerern oder Coronakritikern geführt und besucht werden? Wie reagiert man in diesen oft schwierigen Momenten?

Stefan Haidacher, Kommandant der Ortspolizei in Bruneck, erklärt: „Grundsätzlich machen wir Stichprobenkontrollen. Etwa in einer Bar kontrollieren wir zunächst die Gäste. Sobald ein Grüner Pass fehlt, müssen wir auch den Wirt strafen.“ Er sagt aber auch, dass es immer mehr Denunzianten gibt. Oft rufen konkurrierende Unternehmer an, um zu beklagen, dass irgendwo die Coronamaßnahmen nicht eingehalten würden. „Für uns hat sich diesbezüglich sehr viel verändert“, sagt Haidacher. Und er fügt hinzu: Viele Besucher, etwa in den Bars, würden die Kontrollen begrüßen, weil sie sich dann im Inneren sicherer fühlen.

Carabineri, Finanzbehörde, Arbeitsinspektorat und die Ortspolizei kontrollieren nach Absprache die Betriebe in ihrem Einzugsgebiet. Um nicht andauernd Mal in derselben Bar vorstellig zu werden, teilt man sich die Kontrollen auf.

„Die allermeisten Lokale halten sich an die Regeln“, sagt Stefan Haidacher, der darauf verweist, dass es in Bruneck und Umgebung zwar einige, aber nur sehr wenige Treffpunkte für Verweigerer gebe. Dort aber müssen die Beamten immer wieder zur Kontrolle ausrücken, schließlich gilt es nicht nur Bruneck zu betreuen, sondern zudem sechs weitere Gemeinden in der Umgebung. Dann gibt es neben Corona-Kontrollen auch die alltägliche Arbeit der Polizeiorgane: Unfälle oder Geschwindigkeitskontrollen, eben alles, das es parallel zur Pandemie noch zu tun gibt.

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