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Ärger über Bauern-Ausnahme

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Der HGV geht auf die Barrikaden, weil es für Urlaub auf dem Bauernhof keinen Bettenstopp geben soll. Der Bauernbund kontert – und will UaB nur noch INPS-versicherten Bauern erlauben.

von Heinrich Schwarz

In der Diskussion um das neue Tourismusentwicklungskonzept ist ein heftiger Streit zwischen den Bauern und dem Gastgewerbe entfacht. Bis zur Genehmigung des Konzeptes in diesen Tagen wird von den beiden Lobbys noch jede Menge Druck auf die Landesregierung gemacht.

Zur Erinnerung: Mit dem neuen Entwicklungskonzept will die Landesregierung einen Deckel auf den Tourismus legen, um den steigenden Belastungen durch wachsende Gästezahlen entgegenzuwirken. Die maximale Nächtigungsanzahl eines jeden Beherbergungsbetriebes im Rekordjahr 2019 soll künftig die Betten- und Nächtigungsobergrenze für den Betrieb sein. Neue Betten dürfen nur errichtet werden, wenn es bereits erworbene Rechte dafür gibt oder andere Betriebe schließen.

Allerdings plant die Landesregierung eine Ausnahme für Urlaub auf dem Bauernhof. UaB-Betriebe dürfen demnach weiterhin neu errichtet oder ausgebaut werden. Tourismuslandesrat Arnold Schuler begründet das damit, dass UaB eine wichtige Nebenerwerbs-Möglichkeit sei und zum Erhalt der Höfe und der bäuerlichen Strukturen beitrage.

Der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) geht aufgrund dieser Ausnahme auf die Barrikaden. Präsident Manfred Pinzger sagt: „Durch diese komplette Öffnung für die Landwirtschaft wird die an und für sich sinnvolle Strategie wieder in Frage gestellt. Hier hat man sich sehr ungeschickt angestellt. Aufgrund der politischen Stärke der Landwirtschaft im Landtag weicht man vom ursprünglichen Prinzip, alle gleichzuschalten, ab.“

UaB, so Pinzger, sei eine tolle und sinnvolle Ergänzung des Urlaubsangebotes. Es sei auch absolut begrüßenswert, wenn im Berggebiet mit bestimmten Erschwernispunkten Erweiterungen stattfinden können. „Aber im Obst- und Weinbaugebiet ist es nicht nachvollziehbar und notwendig, Ausnahmen zu machen. Sonst müsste es erst recht für die typischen Klein- und Kleinstbetriebe im gewerblichen Bereich, wo es um den Haupterwerb geht, Ausnahmen geben“, meint der HGV-Chef. Zudem müsse man Jungunternehmern den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Betriebes ermöglichen.

Pinzger spricht von einer enormen Nachfrage nach UaB-Betrieben etwa im Überetsch, „wo alle im unlauteren Wettbewerb mit Klein- und Kleinstbetrieben, mit Pensionen und Privatzimmervermietern stehen.“ Der HGV stehe hinter einer Neuausrichtung des Südtiroler Tourismus im Sinne der Qualität, aber wenn das Prinzip die Deckelung der Gesamtgästezahl sein soll, müsse auch UaB miteinbezogen werden.

Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler kontert auf die Kritik: „UaB hat im Gegensatz zu anderen Bereichen bereits eine Obergrenze von acht Zimmern bzw. fünf Wohnungen. Das ist auch richtig so. Zudem muss UaB als Teil des landwirtschaftlichen Betriebes anders betrachtet werden.“

Der Bauernbund ist aber sehr wohl für eine Verschärfung: „Wir möchten, dass UaB auf INPS-Versicherte, also Bauern-Versicherte beschränkt wird. Wir kämpfen nämlich mit dem Problem, dass Unternehmer und Hoteliers Höfe kaufen und UaB betreiben.“

Die Voraussetzungen für UaB seien zwar bereits streng, allerdings sind laut Tiefenthaler die Kontrollen durch die Gemeinden zu lasch. Der Bauernbund fordert deshalb auch ein Kontrollorgan auf Landesebene.

Die Bettenstopp-Ausnahme solle jedenfalls für alle UaB-Betriebe gelten. „Denn das Kriterium der INPS-Eintragung ist besser als die Definition von Berg-, Tal-, Obst- oder Grünland-Bauern. Dadurch wäre UaB auf jene beschränkt, die wirklich Landwirtschaft betreiben und es auch notwendig haben“, erklärt Leo Tiefenthaler.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (62)

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  • criticus

    Ja liebe Landesregierung, braucht es für die Nimmersatten womöglich einen Augsburger Kreidekreis?

  • schwarzesschaf

    5 ferienenwohnungen zu 50 euro und das ist billig gerechnet mal 30 tage mal 100 tage das ist die schwächstebauslastung hier in Südtirol und das sind die zimmervermieter und nicht UaB macht 25.000€ ja so eine Nebenverdienst möchte ich auch und da steuerfrei, wobei man sagen muss mit 50 euro kriegt man keine wohnung mehr. Aber die ARMEN BAUERN muss man schon helfen

  • schwarzesschaf

    Sorry die 3o tage gehören nicht in den text

  • franz19

    Es ist eine Unverschämtheit wie die SVP sich die Stimmen der Bauern ergattert und diese Lobby immer nur am jammern ist.
    Niemand erhält soviele Beiträge wie die Bauern und konnten in den letzten Jahren expandieren wie kein anderer..Chalet wurden gebaut auf den Bauernhöfe und viel mehr und das soll als Nebeneinkommen zählen,knappe 200 Euro pro Person und fast keine Steuern zahlen..5 Wohnungen können Sie haben unabhängig von der Grösse und bringen über 100000 Euro pro Jahr und das soll ein Nebeneinkommen sein??
    Natürlich gibt’s noch zig Beiträge und so mancher BERGBAUER in der Nähe von Liften verdient über 200000 Euro pro Jahr,natürlich darf der SUV nicht fehlen und vieles andere..

    • rumer

      @franz
      Neid ist etwas ganz Schlimmes, du tust mir leid.
      Wieviele Bauern haben UAB neben einer Liftstation?
      Bist du der Franz aus Reischach?

      • franz19

        Nein,das ist kein Neid.Alle sollen die Möglichkeit haben etwas zu bauen, nur ist es nicht richtig dass die Bauern viel weniger Steuern zahlen und man muss nicht am Kronplatz wohnen um vom Tourismus zu profitieren.
        Ganze Täler haben diese Möglichkeit und die Obstbäumen verkaufen sich ja auch als Urlaub auf den Bauernhof..
        Ab einer bestimmten Grenze sollten alle die gleichen Steuern zahlen!!!

        • rumer

          @franz
          Welche Grenze meinst du? UaB zahlt MEHR Steuern als ein Hotel.
          UaB hat maximal 5 Ferienwohnungen (oder 8 Zimmer). Ihnen wird 25% Gewinn vom Umsatz unterstellt und darauf zahlen sie Steuern.
          Kennst du auch nur ein Hotel, das 25% Gewinn ausweist? Die weisen 5, maximal 10% aus und zahlen dementsprechend weniger Steuern.

          • rumer

            @yannis
            Schwarz kassieren ist nicht mehr leicht möglich, alle Gäste müssen der Polizei gemeldet werden. Wenn du aber einen Schwarzkassierer kennst, bitte zeig ihn wegen Steuerhinterziehung an!

  • stanislaus

    …und ein Arbeitnehmer kann sich keine Eigentumswohnung leisten. Alle Bauern sollten eine Steuererklärung machen dann sieht man wer einen Nebenerwerb braucht… Arbeitnehmervertreterin Deeg wohl kaum?!

  • andreas

    @rumer
    Weder zahlt ein Bauer mehr Steuern als ein Hotelier, da dieser schon durch die Lohnkosten Steuer zahlt, noch ist es schwierig am Fiskus vorbei zu kassieren, eher schwierig ist es größere Summen los zu werden.
    Nebenbei sind Investitionen, auch wenn sie der Steuervermeidung dienen, volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll.
    Fast keiner hat hier Ahnung von Betriebswirtschaft, doch dein Gejammere ist auch nicht ganz begründet.

    • rumer

      @andreas
      Sorry Andreas, die Bäuerin zahlt ab dem ersten verdienten Euro Steuern, der Angestellte erst ab 7000€ pro Jahr,. Und die Lohnsteuer ist doch wohl dem Angestellten zuzurechnen und nicht dem Hotellier. Denn dieser hat auch genauso eine Person frei, nämlich sich selbst.
      Große Summen loswerden ist schwierig? Warum kaufen Südtiroler Hotelliere Hotels in Nordtirol? Klingelingeling.
      Auch die Bäuerin investiert….. und ihr werden trotzdem 25% Gewinn unterstellt.
      Im Gegensatz zu dir habe ich Wirtschaft studiert.

      • andreas

        Wie viele UAB kaufen Hotels in Österreich und die Steuern auf den Lohn sind nun mal Teil der Lohnkosten, welche der Arbeitgeber aufbringt.
        Auch generiert er hohe MwSt. Einnahmen.

        Stelle dich nicht blöder als du bist.

        • rumer

          @andreas
          z. B. der Herr Pinzger-……liest du keine Zeitung?
          Auch die Bäuerin hat meist ein Zimmermädchen, noch dazu ein einheimisches. Die Steuern auf den Lohn rechnen wir mal brav dem Angestellten zu lieber Andreas. Und auch die Bäuerin generiert MwSt. Einnahmen, zugegebenermaßen weniger, da sie ja nur 5 Ferienwohnungen haben darf.
          Was seit ihr denn für Neidhammel! Wir müssen doch hier nicht herumdiskutieren, ob der Hotellier mit 100 Appartments mehr zahlen soll als die Bäuerin mit 5. Das wäre doch selbstverständlich. Leider ist im Lande Südtirol das Gegenteil der Fall.
          Welchen Job hast du? Wahrscheinlich einen, bei dem 100% vom Steuerzahler kommen, oder?

          • andreas

            Auf jeden Fall oder.
            Ich kritisiere hier UAB ja gar nicht, du solltest aber sachlich korrekt bleiben und Bauern tragen 4% zum Steueraufkommen bei und erhalten in absoluten Zahlen sicher mehr an Subventionen zurück.
            Obstbauer gewiss ungerechtfertigt.

          • rumer

            @andreas
            Warum wohl wird in ganz Europa die Landwirtschaft subventioniert? Hast du dir diese Frage schon mal gestellt? Damit die EU Bürger günstige Lebensmittel bekommen.
            Meinst du ein Tiroler Bergbauer kann auch nur ansatzweise mit der Landwirtschaft in Flachländern konkurrieren? Trotzdem bekommen die Grundbesitzer in Sizilien ein vielfaches an Förderungen.
            Steueraufkommen: es ist der Wirtschaftsleistung angemessen, Die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde liegt bei der Hälfte des produzierenden Gewerbes. Das landwirtschaftliche BIP macht ja auch weniger als 4% der Wirtschaftsleistung von Südtirol aus. Im Vergleich zu manchen anderen Bereichen ist die Steuer sogar deutlich höher. Lies mal die Bilanz der Alperia und fällst vom Glauben ab.

  • kirchhoff

    SBB = Roter Hahn = Preiskartell Noch Fragen ?

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