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Der Skeptiker-Impfstoff

Foto: LPA/ 123RF.com

Die EMA hat den Impfstoff von Novavax zugelassen. Weil er anders wirkt, als andere Corona-Vakzine, gilt er als Alternative für Impfskeptiker.

von Markus Rufin

Seit rund einem Jahr gibt es mittlerweile einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Kurz vor Neujahr wurde zuerst der Impfstoff von Pfizer und Biontech zugelassen, im Laufe der folgenden Monate kamen die Impfstoffe von Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson dazu.

Diese bisher zugelassen Impfstoffe funktionieren anders, als viele eingesetzte Impfstoffe für andere Krankheiten.

Während Moderna sowie Biontech und Pfizer sogenannte mRNA-Impfstoffe sind, handelt es sich bei AstraZeneca und Johnson&Johnson um Vektorimpfstoffe. Bei beiden Arten handelt es sich um Verfahren, die es seit relativ kurzer Zeit gibt. Dennoch gelten sie als sicher.

Von Personen, die sich bisher nicht gegen das Coronavirus impfen haben lassen, wird immer wieder ins Feld geführt, dass es sich dabei um unerforschte Impfstoffe handelt und Langzeitfolgen unklar sind – auch wenn diese Aussage völlig aus der Luft gegriffen ist.

Schon bald dürfte aber auch dieses Argument endgültig entkräftet werden. Denn die europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat nun den Impfstoff von Novavax zugelassen. Dabei handelt es sich um einen Protein-basierten Impfstoff.

„Es handelt sich weder um einen mRNA- noch um einen Totimpfstoff“, erklärt die Primaria der Abteilung Infektionskrankheiten, Elke Maria Erne. „Der Impfstoff erhält kleine Eiweißstückchen des Spike-Proteins. Diese Eiweißstückchen stimulieren die Produktion von Antikörpern.“

In den Medien wurde der Impfstoff häufig als Totimpfstoff bezeichnet. Auch wenn die Wirkung ähnlich ist, gibt es einen Unterschied, unterstreicht Erne: „Beim Totimpfstoff tötet man den Virus ab und gibt ihn in den Impfstoff. Bei Novavax wird aber nur ein Teil des Virus in den Impfstoff getan. So bilden sich dann die Antikörper. Zudem ist eine Adjuvante enthalten, damit der Impfstoff besser funktioniert.“Bei einem mRNA-Impfstoff wird dagegen das genetische Material des Spike-Proteins in den Impfstoff gegeben.

Die Impfung wurde für alle Personen ab 18 Jahren zugelassen. Wie bei anderen Impfstoffen sind zwei Dosen im Abstand von drei Wochen nötig, um den vollen Impfschutz zu erhalten. Eine Woche nach der Zweitimpfung habe man dann den vollen Schutz, erklärt Erne.

Der Impfstoff von Novavax wird von manchen sogar als Game-Changer bezeichnet. Denn Protein-basierte Impfstoffe sind bereits seit langem erforscht. So werden diese beispielsweise seit mehreren Jahrzehnten bei der Grippe-Impfung eingesetzt. Das Argument, dass es sich um eine unerforschte Technologie handelt, zählt also keinesfalls mehr.

Tatsächlich gibt es einige Ungeimpfte, die behaupten, nicht prinzipiell Impfgegner zu sein, sondern nur Bedenken gegen die bisher zugelassenen Impfstoffe zu haben, wie groß diese Gruppe aber ist, weiß niemand.

Auch Erne glaubt: „Es ist eine neue Art von Impfstoff, es kann also durchaus sein, dass es sich einige jetzt anders überlegen. Leute, die Angst vor der mRNA-Impfung haben gibt es nämlich tatsächlich. Diese könnte man nun erreichen. Radikale Impfgegner wird man aber nicht erreichen. Diese wehren sich nämlich auch gegen andere Impfungen.“

Der Impfstoff wirke den Studien in der dritten Phase zufolge sehr gut. Dementsprechend bietet Novavax nach einem abgeschlossenen Impfzyklus einen Schutz von 90 Prozent, allerdings wurden diese Studien mit der Alpha-Variante durchgeführt. „Wie gut der Impfstoff vor Delta oder Omikron schützt, ist derzeit nicht bekannt, das werden wir erst sehen“, meint die Primaria. Auch ist es unklar, ob der Impfstoff von Novavax als Booster verwendet werden kann. Klinische Studien dazu seien aber wahrscheinlich bereits am Laufen.

Wann der Novavax-Impfstoff auch in Südtirol zur Verfügung steht, ist nicht bekannt. Zunächst muss die Europäische Kommission die Zustimmung erteilen, das gilt aber nur als Formsache, anschließend muss der Impfstoff von der italienischen Arzneimittelbehörde AIFA genehmigt werden. Erst dann können Dosen nach Südtirol geliefert werden. Erne geht aber davon aus, dass das recht schnell passieren wird.

Auch wenn der Impfstoff als Alternative für Skeptiker gilt, rät die Primaria dazu, nicht auf Novavax zu warten, sondern sich bereits jetzt mit einem mRNA-Impfstoff zu schützen, da auch diese nachweislich sicher sind: „Es werden noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, aber man sollte sich jetzt impfen lassen. Denn wir haben jetzt im Augenblick hohe Inzidenzen. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken und womöglich im Krankenhaus zu landen, ist groß.“

Auf ihrer Abteilung seien fast alle der Patienten ungeimpft. Das Risiko eines schweren Verlaufes gebe es für alle Ungeimpften.

Dennoch freut sich Erne über die Zulassung: „Alles was dabei hilft, die Impfquote zu erhöhen, hilft.“

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