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Der Mobilitäts-Report

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Die Fahrgastzahlen bei den Öffis sind pandemiebedingt seit 2019 zurückgegangen – viele Südtiroler sind unter bestimmten Bedingungen aber bereit, die Öffis und das Fahrrad öfters zu benutzen.

von Lisi Lang

Die Corona-Pandemie hat unser Mobilitätsverhalten verändert – und das nicht nur, weil viele Südtiroler zeitweise ins Homeoffice wechseln mussten. Eine neue Erhebung des Landesstatistikinstitutes Astat – welche in der letzten Phase der dritten Welle der Covid-19-Pandemie vom 26. April bis 16. Juni stattfand – zeigt, dass die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen das Mobilitätsverhalten der Personen verändert haben.

So geben im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie rund 36 Prozent der Südtiroler zwischen 14 und 80 Jahren an, dass sie mehr Wege zu Fuß zurückgelegt haben, 19 Prozent waren öfter mit dem Fahrrad unterwegs. Deutlich weniger genutzt wurden hingegen die öffentlichen Verkehrsmittel – weil viele Südtiroler Angst vor einer Ansteckung hatten oder die Öffis wegen Maskenpflicht, Abständen usw. zu unbequem geworden sind.

Jetzt sei zwar wieder ein Aufschwung der Fahrgastzahlen bei Bus und Bahn zu erkennen, erklärt Joachim Dejaco, der Präsident der Südtiroler Transportstrukturen AG, dennoch sei man erst bei rund 80 Prozent im Vergleich zu vor Corona. „Als Mobilitätsressort werden wir in den nächsten Jahren sehr stark in die Bahn investieren, um die Attraktivität der Öffis zu steigern – moderne Garnituren und neue Bahninfrastrukturen, höhere Taktfrequenzen und Digitalisierung“, erklärt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider.

In Südtirol wird nämlich nach wie vor jeder zweite Weg mit dem Auto zurückgelegt, der Privatwagen ist damit das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel der Südtiroler: 38 Prozent nutzen das Auto als Fahrer oder Beifahrer jeden oder fast jeden Tag, 32 Prozent einen oder mehrere Tage pro Woche. „Das muss sich eindeutig ändern – bevor jemand von A nach B will, soll er nicht zuerst den Autoschlüssel suchen, sondern das geeignetste und umweltfreundlichste Mobilitätsmittel“, unterstreicht Alfreider.

Und gerade weil das Fahrrad das zweitbeliebteste Verkehrsmittel in Südtirol ist (31 Prozent der Bevölkerung benutzen mindestens einmal pro Woche ein Fahrrad) und sich knapp 70 Prozent der an Werktagen zurückgelegten Wege innerhalb der 10-km-Grenze befinden, sieht der Mobilitätslandesrat hier großes Potential. „25 Prozent aller Wege sind kürzer als 2 km und 44 Prozent zwischen 2 und 10 km – dieses Potential für aktive Mobilitätsformen wie das Rad gilt es in Zukunft stärker zu nutzen“, ist Alfreider überzeugt, der deswegen weiter auf den Ausbau der Fahrradmobilität für die alltäglichen Wege setzen will.

Generell sind die Bürger laut Astat-Studie mit den verschiedenen Verkehrsmitteln in Südtirol recht zufrieden – allerdings gäbe es durchaus Verbesserungspotential, finden die Befragten. Während die Autofahrer mit dem Verkehrsaufkommen unzufrieden sind und oft Schwierigkeiten haben, einen Parkplatz zu finden, kritisieren die Fahrradfahrer das oft unzureichende Radwegenetz und den Mangel an sicheren Abstellplätzen. Als Hauptgründe für die Unzufriedenheit mit dem Stadtbus werden hingegen überfüllte Fahrzeuge, die Tatsache, dass der Abstand und die Maskenpflicht nicht immer eingehalten werden und die Unpünktlichkeit genannt. Auch im Falle der Überlandbusse ist die Überfüllung der Hauptgrund für die Unzufriedenheit, zusammen mit der niedrigen Fahrtfrequenz. Sollte es diesbezüglich Verbesserungen geben, sind aber gut 30 bis 40 Prozent bereit, häufiger die Öffis bzw. das Rad zu nutzen. „Das bedeutet, die Öffis müssen für die Fahrgäste noch attraktiver werden“, sagt Alfreider und kündigt an, dass mit der Neuvergabe der außerstädtischen Busdienste die Kilometeranzahl erhöht wird und somit mehr Fahrten angeboten werden können. „Es stimmt aber, dass die Überfüllungen zu den Stoßzeiten die Busdienste unattraktiv machen“, sagt Alfreider, „und es wird in Zukunft sicher ein wichtiges Anliegen sein, die Stoßzeiten besser zu bedienen und Leerfahrten zu vermeiden“.

Die durchschnittliche Entfernung, die pro Kopf an einem Werktag zurückgelegt wird, beträgt 33 km, die durchschnittliche Zeit, die pro Kopf an einem Werktag für die Mobilität aufgewendet wird, beträgt 65 Minuten.

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Kommentare (5)

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  • goggile

    wer bei der heutzutagigen unsanktionierten ausgehenden gewalt von jugendgangs, aufgezwungenen, händlern,illegalen, gewaltbereiten noch öffis fährt..

    ist einem hohen gewaltpotential ausgesetzt.

    KRIMINELLE LAUFEN FREI RUM ANSTATT GEFÄNGNIS.

    SICHERHEIT IST NICHT GARANTIERT, WEDER POLITISCH ODER BEAMTLICH UND SCHON GAR NICHT JUSTIZLICH.

  • zusagen

    Also wenn ich beobachte wie autofreundnlich bei uns Politiker sein müssen um Wahlen zu gewinnen, dann rate ich allen Fahrradfahrern ab, weiterhin das Fahrrad zu nutzen. Das bringt keine Besserung, sondern macht die Straßen lediglich für jene frei, die keine Einsicht zeigen. Sie fahren dadurch nur noch schneller und werden zur Gefahr für alle die sich in keinem geschützten Blechkäfig fortbewegen. Leute, fahrt Auto, nur dann seid ihr sicher unterwegs

    • yannis

      @zusagen,
      so ist es!
      ausserdem sollte sich der, der sich über das WENIGER benutzen der Öffi’s wundert, einfach Mal z.B. an einen Sonntag die Fahrt im Zug vom Düsseldorfer Flughafen zB. Richtung Aachen gönnen, dann lernt er die „Klientel“ kennen die die Menschen vom Zug fahren regelrecht vertreiben.

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