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Aus für die Teststation?

Die Apothekerin und Fratelli-d`Italia-Gemeinderätin Anna Scarafoni bringt mit ihrem verbilligten Testangebot die Teststrategie der Gemeinde Bozen durcheinander. Die Station in der Stadthalle könnte wieder geschlossen werden.

von Thomas Vikoler

Es ist ein sonderbares „Duell“, das sich in der Landeshauptstadt Bozen seit der Einführung der allgemeinen Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz abspielt: Auf der einen Seite eine private Apotheke, die von einer Gemeinderätin der oppositionellen Fratelli d`Italia betrieben wird, auf der anderen das Testangebot der Stadtverwaltung in der peripheren Stadthalle.

Zum Vergleich: Am Sonntagnachmittag bildete sich vor der Apotheke in der Freiheitsstraße eine 800 Meter lange Menschenschlange, die beinahe bis zur Talferbrücke zurückreichte. Um 21.30 Uhr, eineinhalb Stunden nach Betriebsschluss, schickte Bürgermeister Renzo Caramaschi die Stadtpolizei, um die Warteschlange aufzulösen.

Im städtischen Testzentrum in der Stadthalle, das seit Donnerstagnachmittag geöffnet ist, wurden am Sonntag ganze 20 Antigen-Schnelltests durchgeführt.

„Gemeinderätin Scarafoni betreibt Wahlkampf“, sagt Bürgermeister Renzo Caramaschi halb im Scherz. Die Fratelli d`Italia und ihre nationale Leaderin Giorgia Meloni fahren einen eindeutigen Kurs gegen die Green-Pass-Pflicht und flirten mit Impfgegnern.

Das private Angebot in der Bozner Apotheke wird jedenfalls wesentlich besser angenommen als das öffentliche, wofür es auch einen finanziellen Grund gibt: In der Ferrari-Apotheke von Gemeinderätin Scarafoni wird ein Test-Abo für zehn Tests zum Preis von 50 Euro angeboten. Ein einzelner Test kostet in der Apotheke wie im Gemeinde-Testzentrum jeweils 15 Euro.

„Für uns Apotheken gilt ein Höchstpreis von 15 Euro, es ist aber erlaubt ihn um einen geringeren Betrag anzubieten. Wir tun, was wir können“, heißt es aus der Ferrari-Apotheke. Vizebürgermeister Luis Walcher spricht jedenfalls offen von „Preisdumping“. In den anderen Apotheken, wo kein verbilligtes Abo angeboten wird, gab es bisher kaum Warteschlangen.

Die Lage am Montag Vormittag: Vor der Apotheke in der Freiheitsstraße ist die Warteschlange um 11.00 Uhr, eine halbe Stunde vor Schließung des Testzelts vor dem Eingang, rund hundert Meter lang. Rund 150 Personen zumeist jüngeren Alters warten auf die Reaktivierung ihres Green-Passes für die kommenden zwei Tage.

In der Stadthalle in der Reschenstraße ist der Zulauf hingegen etwas größer als am Sonntag. „Die Anmeldungen sind angestiegen“, berichtet Vizebürgermeister Walcher. Angeboten werden weiterhin fünf Teststraßen, die aber nicht ständige beschäftigt sind.

„Wir werden am Dienstag im Stadtrat darüber beraten, ob wir die Anzahl der Teststraßen zurückfahren oder nicht. Ich bin aber der Meinung, dass wir das Angebot bis Jahresende weiterhin garantieren müssen“, so Walcher.

Bürgermeister Caramaschi ist sich da nicht so sicher: „Wir werden am Mittwoch mit dem Sanitätsbetrieb zusammentreffen. Wenn das Interesse an unserem Testangebot weiterhin gering bleibt, wäre eine Schließung des Testzentrums naheliegend. Schließlich müssen wir Infrastruktur und Personal für dieses Angebot bereitstellen. Der Sanitätsbetrieb muss sich entscheiden, denn er ist für das Inkasso der 15 Euro pro Test zuständig.“

Wie es aussieht, ist das private Testangebot für die ungeimpften Bürger, die weiterhin an ihren Arbeitsplatz wollen, attraktiver als das öffentliche. Auf die Gemeindepolitik umgelegt: Oppositionsrätin Scarafoni setzt sich zumindest auf diesem Feld gegen die Mehrheit durch. Und sie sendet unwillkürlich die politische Botschaft aus, dass die Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz die öffentliche Ordnung gefährdet, dass der Bürgermeister sogar die Stadtpolizei entsenden muss.

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