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„Verlerne nie, gierig zu sein“

Ferrari, Saint-Tropez, Moët & Chandon,St. Moritz: In den sozialen Netzwerken zelebriert Ingemar Gatterer sein Saus-und Braus-Leben als stolzer Schlossherr und neureicher Partytiger, dem Südtirol jetzt zu klein und zu bieder geworden ist.

von Artur Oberhofer

Die Idee kam ihm nach einer durchzechten Nacht im Martini-Club in Bozen:

Gemeinsam mit seinem Schattenmann Martin Alber düste Ingemar Gatterer in seinem Ferrari in die Laurin-Straße.

Vor dem Palais Widmann, dem Amtssitz von Arno Kompatscher, den er zuvor als den „schlechtesten Landeshauptmann aller Zeiten“ geadelt hatte, posierte Ingemar Gatterer neben seinem Ferrari.

Die Botschaft, die er über die sozialen Netzwerke aussendete:

Der Mächtigste im Lande bin ich!

Ingemar Gatterer mit seinem Ferrari hinter dem Palais Widmann (Alle Fotos: FB/Gatterer)

Seit zwei Jahren zelebriert der Pfalzner Unternehmer seinen Reichtum in den sozialen Netzwerken.

Er lässt seine Facebook-Freunde teilhaben an seinen regelmäßigen Trips nach Saint-Tropez, wo er – ganz stilvoll – im exklusiven Hotel Chateau de la Messardiere absteigt (Gatterer: „It’s amazing“).

Das Hotel in einem Schloss aus dem 19. Jahrhundert liegt auf einem 10 Hektar großen Grundstück, ist jeweils nur zwei Kilometer vom Strand und von der Innenstadt entfernt – und bietet einen Blick auf die Bucht von Saint-Tropez.

Die billigste Suite in diesem Luxushotel kostet 1.400 Euro pro Nacht.

Und wenn er denn in Saint-Tropez so richtig den Rubel rollen lässt – es gibt ja die, die behaupten, Gatterers Millionen stammten von russischen Oligarchen –, ist nur das Beste und Leckerste genug.

Mal speist er im luxuriösen Club Les Palmieres, wo ein kleiner Salatteller 40 Euro und ein mit der Angel an Land gezogener Loup de mer (Wolfsbarsch) 140 Euro kostet.

Oder er lässt im Luxus-Strandbad Nikki Beach, eine Edel Location, die Puppen und das Silikon tanzen.

Eine Liege am Pool kostet dort 600 Euro, die Fischplatte satte 550 Euro.

Wer es sich in einer Cabana, eine Art Himmelbett am Strand, bequem machen will, muss 2.500 Euro berappen, Champagner inklusive.

Manchmal nimmt Ingemar, der Dankbare, auch seine heißgeliebte Mama mit auf Reisen („the best mum ever“).

Auf Ingemar Gatterers FB-Seite ist auch ein VIDEO zu sehen, wie er mit seinem Ferrari bei einem Nobel-Nightlcub vorfährt und sich, volle cool, von einem muskelbepacktem Harry-hol-den Wagen-Typ die Luxuskarosse wegbringen lässt.

Und erst vor wenigen Wochen hat der stolze Schlossherr auf seiner FB-Seite ein VIDEO von seinem Mega-Schloss gepostet.

Wenn nicht Saint-Tropez, dann tut es auch die Villa Feltrinelli.

In dem Luxushotel in der neugotischen Villa mit Blick auf dem Gardasee in Gargnano verbringt Ingemar Gatterer immer wieder ein Wochenende.

Die billigste Suite in der Villa Feltrinelli ist für 1.400 Euro die Nacht zu haben, die Premium Junior Suite kostet 2.700 Florunzen.

Zur kälteren Jahreszeit zieht es Ingemar, nomen est omen, auf die Skipiste, und zwar nach St. Moritz.

Ganz standesgemäß steigt der Ferrari- und Bentley-Fahrer im Hotel Palace ab, wo das billigste Zimmer für 800 Euro pro Nacht zu haben ist.

Im schneeweißen Skianzug, der ein bisschen an Hansi Hinterseer und ein bisschen an die 1960er-Jahre in Cortina erinnert, und auf seinen handgefertigten Brettern, auf denen die Initialen IG leuchten, wedelt der Pfalzner Ingemar die Pisten hinunter.

Vor dem Hintergrund des überraschenden Rückzuges als CEO der SAD bekommen die Facebook-Auftritte Gatterers eine neue Lesart.

Denn es scheint tatsächlich so, als hätte Ingemar Gatterer mit dem „kleinen Südtirol“, wie er sein Heimatland neuerdings nennt, längst abgeschlossen.

Der TAGESZEITUNG gestand er, ihn ziehe es an dieCôte d’Azur.

Dort wolle er sich unternehmerisch weiterentwickeln.

Was genau er in Südfrankreich machen will, darüber schweigt Ingemar Gatterer. So wie er auch auf die Frage, wie er zu dem vielen Geld gekommen ist, nie eine Antwort gegeben hat.

Immer wieder behaupteten böse Zungen, dass Ingemar Gatterer das (Paten-)Kind von Alt-LH Luis Durnwalder sei und über diesen zu den Millionen gekommen sei.

Alles Blödsinn!

Fakt ist: Niemand weiß, woher die rund sechs Millionen Euro kommen, mit denen Ingemar Gatterer im Jahr 2010 Schloss Ehrenburg kaufen und sanieren konnte.

Es ist dies ein Schloss, das 800 Jahre lang im Besitz der Familie Künigl war.

Gatterer ließ die Öffentlichkeit an seinem Schlossherren-Dasein teilhaben:

Das Schloss, so gestand er stolz, habe „65 eindrucksvolle Räumlichkeiten“ und beherberge „weit über 200 einmalige Kunstschätze und 1.400 Bücher“.

Schloss Ehrenburg

Zu den Kunstschätzen gehören Bilder von Strigl, Defregger, Jordaens, van Meytens und Mengs.

Auch Briefe von Andreas Hofer befinden sich in Gatterers Schatzkammer.

Ingemar Gatterer selbst erklärt seinen Reichtum stets damit, er habe „viel Geld“ aus dem Kauf und Verkauf eines Unternehmens in Deutschland lukriert.

Kann stimmen. Muss nicht stimmen.

Tatsache ist, dass sich Ingemar Gatterer ein Luxusleben leisten kann.

Allein für die Instandhaltung und die laufenden Kosten von Schloss Ehrenburg muss Ingemar Gatterer, der Vater eines Jungen ist, von dessen Mutter aber getrennt lebt, nach Schätzungen von Experten rund 200.000 Euro jährlich hinblättern.

Als er einmal nach seinem Erfolgsrezept gefragt wurde, antwortete Ingemar Gatterer: „Verlerne nie, gierig zu sein.“

 

 

 

 

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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