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Der Shootingstar

Thomas Prenn: Ich denke, ich könnte schon auch einen witzigen Typen spielen. (Foto: Pascal Bünning)

Der Toblacher Schauspieler Thomas Prenn gehört nach Rollen beim „Tatort“ und Evi Romens Film „Hochwald“  zu den aufstrebenden neuen Gesichtern des deutschsprachigen Films. Beim Österreichischen Filmpreis ist er als bester Hauptdarsteller nominiert. Ein Gespräch über seinen Weg zum Film, Außenseiter-Rollen, warum er auf fragile junge Männer abonniert zu sein scheint, Ausflüge in die Modewelt und was er von John Travolta lernen wollte.

Tageszeitung: Herr Prenn, werden Sie momentan mit Filmangeboten überschüttet? 

Thomas Prenn: Nein nein, aber ich bin dankbar und glücklich darüber, gut arbeiten zu können.

Beim Österreichischen Filmpreis sind Sie für Ihre Rolle in „Hochwald“ als bester Hauptdarsteller nominiert. Ein Sieg könnte den endgültigen Durchbruch bedeuten. Aufgeregt? 

Ich glaube, in meinem Beruf ist wenig endgültig, aber ja, ich bin immer wieder aufgeregt, wenn ich daran denke.

Grandios nannte die Jury beim Film Festival Bozen Ihre schauspielerische Leistung. Wie gehen Sie mit solchen Lobeshymnen um? 

So was freut mich natürlich. Jedoch werde ich für die Arbeit gelobt, die ich vor zwei Jahren gemacht habe und man fängt mehr oder weniger immer wieder von Neuem an, wenn man eine andere Rolle spielt.

Die Regisseurin Evi Romen hat Sie persönlich für die Rolle in ihrem Debüt-Spielfilm ausgesucht. Wie war die Zusammenarbeit mit ihr?

Ja genau, wir hatten das Glück, uns längere Zeit vor dem Dreh kennenzulernen, zu besprechen und probieren. Und ich glaube, das war dann für die Zusammenarbeit am Dreh sehr hilfreich, weil wir ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut haben.

Hochwald erzählt die Geschichte des tanzenden Außenseiters Mario, der seinen Platz im Leben sucht. Was hat Sie an dieser Figur am meisten interessiert?

Die Widersprüche und das Extreme der Figur.

Empfinden Sie sich selbst auch als Mensch mit Widersprüchen? Suchen Sie das Extreme und was wäre das? 

Ich mag Gegensätze ganz gerne und auch den Raum dazwischen. Ich mag das Laute und Schnelle der Stadt aber auch die Natur, die weit und still ist.

Mario ist einer, der raus will aus seinem Dorf. Kennen Sie das aus Ihrer eigenen Jugend? 

Ja, das Gefühl ist mir durchaus bekannt. Das hat viel mit Neugierde und Sehnsucht zu tun.

Ich habe gelesen, dass Sie für die Vorbereitung John Travolta Filme angeschaut haben. Um die Coolness seines Hüftschwungs zu imitieren? 

Ja genau, aber auch weil die Figur die ich spiele, inspiriert wird von u.a. John Travolta. Aber ich bin natürlich kläglich gescheitert.

Der ORF bezeichnete den Film als einen „modernen Antiheimatfilm über Sex, Religion, Tod und Befreiung.“ Einverstanden? 

Das sind alles große Worte. Aber ja, die haben schon mit dem Film zu tun.

Es scheint, dass Sie auf Außenseiter-Rollen und fragile junge Männer abonniert sind. Wissen Sie warum? 

Thomas Prenn im Film „Hochwald“ von Evi Romen: Die Widersprüche und das Extreme der Figur haben mich interessiert. (Foto (c) AMOUR FOU / Flo Rainer)

Vielleicht weil ich mit solchen Rollen angefangen habe und mich dann Leute so gesehen haben und dann kommen Anfragen auch häufiger aus der Richtung.

Wie steht es mit Komödien? Könnten Sie auch einen witzigen Typen spielen? 

Ich denke schon, ja.

In der Schule haben Sie Theater gespielt, aber von dort bis zu einer Hauptrolle in einem großen Film ist es ein langer Weg. Wann und warum haben Sie entschieden, es ernsthaft zu probieren? 

Als die Möglichkeit, an Schauspielschulen vorzusprechen, immer näher rückte, wurde auch mein Wunsch danach größer. Aber ich bin schon seit der Grundschule an Verwandlungen und Theater interessiert. Und ich war auch schon immer gerne Zuschauer von Film oder Theater. Und ich denke, so kam der Wunsch, selber oben bzw. vor der Kamera zu stehen.

Erinnern Sie sich noch an die Aufnahmeprüfung auf der „Ernst Busch“ Schule? Was mussten Sie da vorsprechen? 

Ich weiß alles noch ganz genau. Die Aufnahmeprüfung und das Aufgenommenwerden war eines der aufregendsten und einprägsamsten Erlebnisse. Ich habe den Leonce von Georg Büchner, den Selbstmörder von Nikolaj Erdmann und als Aufgabe den Nil aus Kleinbürger von Maxim Gorki vorgesprochen.

Sie hatten bereits als Schauspielschüler zahlreiche Engagements an großen Theater Teatro alla Scala, am Deutschen Theater Berlin und an der Volksbühne Berlin. Hat man Sie da direkt von der Schule heraus engagiert? 

Ja, die Schule hat mehrere Kooperationen und so wird man zum Vorsprechen an verschiedenen Theatern eingeladen, die immer wieder junge SchauspielerInnen suchen.

Tatort ist in Deutschland Kult. Erkennt man Sie auf der Straße, seit Sie 2018 im „Schwarzwald-Tatort“ den psychisch kranken Jura-Studenten Damian Rombach gespielt haben? 

Das passiert eher selten.

In Paris sind Sie schon mal für das Label Vetements über den Laufsteg gelaufen. Wäre die Fashionbranche eine Alternative zur Schauspielerei? 

So als Ausflug finde ich es schön und lustig, aber eine ernsthafte Alternative ist es nicht.

Film scheint Ihnen mehr zu liegen als Theater. Warum?

Das hat sich mehr oder weniger so ergeben. Ich bin einfach den für mich interessanteren Angeboten gefolgt.

Mit welchem/r Regisseur/in möchten Sie gerne drehen? 

Ich hoffe, es bringt nicht Unglück, seine Wünsche so zu äußern. Eine Zusammenarbeit mit Alice Rohrwacher oder Michael Haneke würde mich sehr interessieren und freuen.

Welche Musik hört Thomas Prenn? 

Unterschiedlich. Aber mir fällt auf, dass es vor allem Instrumentalmusik ist.

Welche Bücher liest Thomas Prenn?

Ich mag vor allem Romane, die einen Ich-Erzähler haben. So wie 1979 von Christian Kracht.

Wie gehen Sie mit den sozialen Medien um. Sind Instagram und Facebook eine Droge für Sie? 

Ich versuche sie als Spiel zu begreifen.

Haben Sie schon mal einen Shitstorm abbekommen? 

Nein, nicht wissentlich.

Sie klettern auch. Welchen Schwierigkeitsgrad schaffen Sie? 

Das hängt davon ab, wie viel ich trainiere. Letzten Sommer habe ich meine bisher anspruchsvollste Route geschafft: sie heißt Menhir, befindet sich am Meisules und wird mit 8b bewertet.

Welche Filmprojekte stehen als nächste an?

Zur Zeit drehe ich den Kinofilm Unter der Haut der Stadt von Chris Raiber, mit Verena Altenberger, Margarethe Tiesel, Harald Windisch und vielen anderen.

Was sagen Ihre Eltern dazu, dass Sie diesen Weg eingeschlagen haben? 

Ich glaube, die freuen sich, dass ich einen Beruf mache, der mich freut.

Interview: Heinrich Schwazer

Thomas Prenn

Thomas Prenn, 1994 in Innichen geboren, in Toblach aufgewachsen, spielte bereits vor seiner Schauspielausbildung  die männliche Hauptrolle in dem Kriegsdrama „Tränen der Sextner Dolomiten“ (2014). Er verkörperte darin den aus einer italienisch-deutschen Ehe stammenden Franz Anderlacher, der 1915 als Standschütze zum Militärdienst an die Dolomitenfront eingezogen wird. Von 2014 bis 2018 studierte er an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Während seines Studiums spielte er in Peter Steins Zauberflöte an der Mailänder Scala mit und gewann mit dem Projekt Odyssee den Ensemble Preis beim Schauspielschultreffen 2017 in Stuttgart. Thomas Prenn drehte auch während seines Schauspiel-Studiums. Terrence Malick besetzte ihn an der Seite von Sophie Rois, August Diehl, Bruno Ganz, Ulrich Matthes und Jürgen Prochnow in „A Hidden Life – Ein verborgenes Leben“. Volker Schlöndorff arbeitete mit ihm im Krimi „Der Namenlose Tag“.

In der von Sky Deutschland produzierten Mini-Serie 8 Tage verkörperte er in einer durchgehenden Rolle den schwerkranken Ben, den Freund der jugendlichen weiblichen Hauptfigur Nora (Luisa-Céline Gaffron), der nur noch wenige Monate zu leben hat.

2018 stand er für den Schwarzwald Tatort in der Titelrolle des Damian vor den Kameras der ARD, Regie führte Stefan Schaller. Für seine darstellerische Leistung wurde er mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis 2019 ausgezeichnet und war nominiert für den deutschen Schauspielpreis und den New Faces Award 2019.

In der Spielzeit 2018/19 war er Ensemblemitglied am Badischen Staatstheater Karlsruhe und war u.a. in „Europa flieht nach Europa“ (Regie: Alia Luque) und als Claudio in Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“zu sehen (Regie: Lily Sykes).

Im Sommer 2019 drehte er in der Hauptrolle den österreichischen Kinofilm „Hochwald“ unter der Regie von Evi Romen. In dem Film stellt er den Außenseiter Mario dar, der in einem Dorf oberhalb von Bozen lebt. Mario ist ein Außenseiter im Dorfgefüge, ein Verlorener, der im Gemeindesaal von einer Karriere als Tänzer träumt und sich in seinen Jugendfreund Lenz verliebt. Für seine schauspielerische Leistung in „Hochwald“ ist er beim Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller nominiert. Die Verleihung findet am 8. Juli im Globe Wien statt. Auch im Hauptcast der Netflix Serie „Biohackers“ stand er vor der Kamera.  2020 drehte Thomas Prenn an der Seite von Franz Rogowski und Georg Friedrich den Kinofilm „Große Freiheit“, unter der Regie von Sebastian Meise.

Thomas Prenn lebt in Berlin.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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