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In der Luft

Ivo Bonamico (Foto: WK)

Soll der Rettungshubschrauber Pelikan 2 tatsächlich nach Terenten verlegt werden? Ivo Bonamico, Direktor des Weißen Kreuzes, über einen Vorschlag, der für Kontroversen sorgt.

von Silke Hinterwaldner

Es klingt so, als hätte sich Ivo Bonamico größere Begeisterung erwartet. Der Direktor des Weißen Kreuzes hatte den Vorschlag lanciert, den Rettungshubschrauber Pelikan 2 vom Krankenhaus Brixen nach Terenten zu verlegen. Der Bürgermeister dort hatte sich grundsätzlich positiv dazu geäußert, man wolle darüber nachdenken und diskutieren. Aber mittlerweile kommt von verschiedenen Seiten Gegenwind. Nicht nur das Team K mit dem ehemaligen Primar Franz Ploner hält den Bau eines neuen Stützpunktes für unsinnig. Auch im Krankenhaus Brixen möchte man den Pelikan 2 und seine Besatzung behalten. Zudem regt sich in Terenten Widerstand, weil Nachbarn eine Lärmbelästigung durch den Hubschrauber fürchten. Die Nachbargemeinde Pfalzen hat bereits dankend abgelehnt. Ganz zu schweigen von den Kosten, die eine neue Basis in Terenten verursachen würde.

Also, warum, Herr Bonamico, wollen Sie trotz allem den Pelikan 2 verlegen?

Der Direktor des Weißen Kreuzes holt etwas aus, um die Entstehung dieses Vorschlages nachzuzeichnen. Dabei wird schnell klar, dass Bonamico selbst nach wie vor überzeugt davon ist, dass es Sinn machen würde, den Rettungshubschrauber von Brixen nach Terenten umzusiedeln.

TAGESZEITUNG: Herr Bonamico, warum ist der Standort Terenten besser?

Ivo Bonamico: Ich möchte unterstreichen, dass es um einen Vorschlag geht: Ziel dieses Vorschlages ist es, die Rettungskette zu verbessern. Wir haben 2017 die Tagesrandflüge eingeführt, seitdem fliegt der Hubschrauber ab 6.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Vor einem Jahr haben wir den Pelikan 3 in Laas aktiviert: Auch das war ein wichtiger Schritt. Wir haben gesehen, dass wir für einen Einsatz rund 16 Minuten brauchen, im Vinschgau aber haben wir bis zu 26 Minuten benötigt. Daraus hat sich der neue Standort in Laas ergeben. Nun sehen wir, dass der Westen des Landes zwar gut abgedeckt ist, der Osten aber nicht. Würden wir den Pelikan 2 nach Terenten verschieben, könnte man die Einsatzzeiten im Ahrntal, am Helm, am Kronplatz deutlich verkürzen, rund sechs, sieben Minuten. Dasselbe gilt auch für das Wipptal oder Meransen. Es ist unsere Aufgabe, auch Optimierungsvorschläge zu machen.

Warum Terenten?

Nach Rücksprache mit den Piloten haben wir das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht, das war am 18. Februar. Dabei muss man wissen: Um von Bruneck nach Terenten zu kommen, braucht man am Boden rund 22 Minuten, das ist viel. Der Bürgermeister sah vor allem darin den Vorteil, den Notarzt vor Ort zu haben, wenn der Rettungshubschrauber in Terenten stationiert wäre. Am 22. April gab es einen Lokalaugenschein mit dem Luftfahrtexperten, bei welchem wir einige Probeflüge durchgeführt haben. Daraufhin ging die Diskussion los.

Es gibt einige Kritikpunkte an diesem Vorschlag, etwa dass es zu Lärmbelästigung in Terenten kommen kann. Was sagen Sie dazu?

Die Leute fordern immer, dass die Einsätze gut und schnell abgewickelt werden. Aber selbstverständlich ist es legitim, dass man sich Sorgen wegen der Lärmbelästigung macht, das ist überall so. Dabei darf man aber nicht vergessen: Wir machen keine Touristenflüge und auch kein Heliskiing, sondern wickeln Rettungsflüge ab. Der Notarzt ist dazu da, Menschen zu helfen.

Gleichzeitig möchten die Ärzte im Krankenhaus Brixen den Pelikan 2 nicht ziehen lassen…

Früher war es so, dass der Notarzt im Krankenhausdienst eingebunden war. Sobald der Piepser anging, musste er sofort starten. Das ist heute nicht mehr so: Heute sind die Leute entweder für den Krankenhausdienst oder für den Hubschrauberdienst eingeteilt. Auch nach einer möglichen Verlegung benötigt man deshalb nicht mehr Personal. Beim Rettungshubschrauber ist ein Team in Terenten zwölf Stunden im Dienst. Grundsätzlich sollte man auch erwähnen: Der Hubschrauber muss für eine bestimmte Zeit ohnehin vom Standort in Brixen weichen, weil dort Umbauarbeiten anstehen.

Wäre es möglich, den Pelikan 2 an das Krankenhaus nach Bruneck oder an einen anderen Standort, etwa in Pfalzen, zu verlegen?

Die Hubschrauber müssen nicht mehr unbedingt an ein Krankenhaus gekoppelt sein. Auch andernorts werden die Rettungshubschrauber nicht in Ballungszentren angesiedelt, auch um die Leute weniger zu stören. Dasselbe war in Laas der Fall. Dort wurde er in der Industriezone platziert und deckt den Dienst ab. Ich bin Techniker, mir geht es allein darum, den Dienst zu verbessern.

Hat sich der Pelikan 3 in Laas bewährt?

Auf jeden Fall. Man hat deutlich die Einsatzzeiten verkürzen können. Von dort hört man keine Beschwerden wegen Lärmbelästigung. Im Gegenteil. Die Hubschrauberbasis des Pelikan 3 hat sich eher zu einem beliebten Ausflugsziel für Kinder entwickelt, die gern kommen, um den Hubschrauber von der Ferne zu beobachten.

Wie geht es jetzt mit dem Vorschlag für Terenten weiter?

Jetzt warten wir auf eine Analyse der Flugschneisen. Der Bürgermeister kann die Ergebnisse dann im Gemeinderat vorstellen. Damit schafft

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (12)

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  • criticus

    Herr Bonamico, um Kinder ein Ausflugsziel zu bieten könnte man in jedem Südtiroler Dorf Hubschrauber hinstellen. Ihr Einsatz in Ehren, doch hätte ich einige Fragen an Sie:
    -Stimmt es, dass die Flugrettung in Südtirol die teuerste im gesamten Alpenraum ist?
    -Stimmt es, dass ein Einsatz der Tiroler Flugrettung im Grenzgebiet (z.B.: Ahrntal) billiger ist als die Südtiroler Flugrettung?
    -Warum werden die Spesen der Flugrettung nicht veröffentlicht, damit man mit anderen Ländern Vergleiche ziehen kann?
    -Stimmt es, dass man in Laas und Terenten wegen Konkurrenz Hubschrauberbasen errichtet hat, bzw. errichten möchte?
    -Man hört immer nur Sie als Geschäftsführer über das Thema Hubschrauberverlegung, was sagen Notärzte und andere Fachleute dazu?
    Bei einer Rettung geht es sicherlich in erster Linie um Minuten, mir ist immer noch das Theater um einen akuten Patienten der wegen Coronaverdacht im oberen Pustertal nicht an Bord genommen wurde in Erinnerung.

  • rota

    Man ist zahlendes oder freiwilliges Mitglied in einem Verein und will über die Geschäftssituation transparent aufgeklärt werden.
    Tua la nit eiern, funktioniert jo alles besser als onderswo. Man konn net alles ausbreitn, es braucht Geschäftsgeheimnisse……..
    Unser Erfolg ist die Diskretion und nicht die Angeberei.
    Totschlagargument sobald es brenzlig wird.
    Ein Grund um Geschäftsführer zeitlich zu begrenzen.

    • meintag

      Verein? Altersheiminsassen werden gezwungen sich einzuschreiben. Wenn Sie selbst nicht mehr dazu fähig sind müssen es die Angehörigen machen. Es wird auch privat kommuniziert dass es ein Muss ist Mitglied zu sein, fast so wie der Sonntagsobulus in der Kirche.

  • wichtigmacher

    Es zwoa, criticus und rota, tiats lei nitt heilige Kühe schlochtn!!!
    .-))

  • george

    Herr Bonamico, Ssie sagen nur die haalbe Wahrheit. Was sonst noch alles dahintersteckt, sagen nicht. Zudem sind Sie auch dazu da mit dem Vorhandenen das Beste zu machen und nicht wieder Geld für zwielichte Projekte umzuteilen.
    Andere Rettungsdienste im Umfeld sind in diesem Fall nicht eure Konkurrenz, sondern eure Ergänzung und können euch dienen günstiger effizientere Dienste zu leisten. Sucht die Mitarbeit und nicht die Abschottung.

    • asterix

      Bonamico sagt überhaupt nix Wahres. Es geht rein darum um ein privates Unternehmen zu verhindern. Weil wegen 4-5 Flugminuten ist das Oberpustertal kein bisschen schneller abgedeckt. Da müsste der Pelikan nach, zB. Olang, verlegt werden. Übrigens hockt der Notarzt in Brixen nicht in der Basis, er arbeitet im KH und wird ausgepiepst. In Brixen muss der Landeplatz neu abgedichtet werden, das stimmt, ist aber alles schon organisiert. Der vorgeschriebene Brandschutz für HEMS Plätze muss auch weiter aufrecht bleiben, es wird ja weiterhin gelandet und gestartet. Auch nachts, bei den Tagesrandflügen. Wo sollen die Patiebten auch hin, wenn nicht ins KH?

  • mitdenker

    Bei der Ablehnung des Standortes für den Rettungshubschrauber geht es den betroffenen Bürgern von Terenten nicht nur um den potentiell verursachten Lärm, sondern hauptsächlich um den Standort an sich, der sich in unmittelbarer Nähe des Dorfzentrums befindet und als sehr beliebte Naherholungszone genutzt wird. Was noch erschwerend hinzukommt, dass dieser Wald auch noch gerodet werden muß! Wo ist eigentlich der Aufschrei der Touristiker und Naturschützer in Terenten? Wenn es unbedingt Terenten sein soll, würde es im weitläufigen Gemeindegebiet auch noch andere Standplätze außerhalb des Dorfzentrums geben, wie z.B. die Fraktionen Margen oder Pein.

  • franz1

    Vielleicht sogar ein Sanatorium bauen damit do Terna Hubschrauba nit ollm muaß die Rettungsärzte ba jedm Fug in Brixn ouholn, dou voliert er kostbore Zeit……
    Hot Tearatn nit a Heilquelln damit man des gonze Projekt obrundn kannat?

  • novo

    Es gibt beim weißen Kreuz eine AG und einen Verein.
    Die Ag hat ca. 500 feste Mitarbeiter (!), während der Verein tausende Freiwillige hat und als Feigenblatt für die AG dient.

  • novo

    Hätte Südtirol investigative Journalisten und wäre das Weiße Kreuz nicht eine Heilige Kuh, wir kämen nicht mehr vom Staunen!

  • gloeckchen

    Die Hubschrauberbasis des Pelikan 3 hat sich eher zu einem beliebten Ausflugsziel für Kinder entwickelt, die gern kommen…lieber Herr Bonamico,es wäre do sehr viel klüger, die Kinder in den wundeschönen Wald zu bringen,der diesem Hubschrauberplatz in Terenten weichen müßte! Das wäre für Mensch und Tier gesünder und erholsamer und für die Terner Bevölkerung auch nicht mit einer so enormen Lärmbelästigung verbunden!Lasst die Wälder endlich in Ruhe und schickt die Menschen dorthin,um gesund zu bleiben, dann brauchen wir auch den Hubschrauber viel weniger oft!!!

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