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Wohin mit den Kindern?

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Was passiert, sobald Grundschulen, Kitas und Kindergärten schließen? Viele Kinder kommen zu den Großeltern, sobald Mutter und Vater arbeiten müssen. Das ist nur eine Erkenntnis aus der Umfrage mehrerer Elterninitiativen.

von Silke Hinterwaldner

Als Grundschulen, Kitas und Kindergärten in der Woche nach den Faschingsferien zu blieben, fühlten sich viele Eltern wieder alleingelassen: Wohin mit den Kindern, wenn Mutter und Vater arbeiten sollen?

Mehrere Elterninitiativen haben diese Frage aufgegriffen und eine Umfrage gestartet, an der sich schlussendlich vor allem Mütter beteiligt haben: 3.449 Frauen und 350 Männer haben die Fragen beantwortet. „Das ist viel mehr als wir erwartet hatten“, sagt Sigrid Mairhofer, eine der Initiatorinnen. Die Auswertung der Umfrage wurde entsprechend aufwändig. Trotzdem liegen mittlerweile einige Ergebnisse vor: Sie können zumindest eine Ahnung davon vermitteln, was passiert, sobald Bildungs- und Betreuungseinrichtungen schließen. Eine Erkenntnis ist: „Es bräuchte ein regelmäßiges Monitoring der Familien, Kinder und Jugendlichen, das ist eigentlich längst überfällig. Hier wird zu wenig getan, zumindest kommt es bei den Familien nicht an.“ Die Umfrage sei ein Aufruf an die Politik, um die Bedürfnisse der Familien zu erkennen, gezielt darauf zu reagieren und dies so zu einem zentralen Teil der Krisenbewältigung zu machen.

Sigrid Mairhofer

Was machen Familien also, sobald Schulen, Kitas und Kindergärten schließen? 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen Platz in der Notbetreuung in Anspruch nehmen konnten. 35 Prozent der Mütter konnten sich bei der Betreuung der Kinder mit den Vätern abwechseln. So weit, so klar. Gleichzeitig aber mussten 41 Prozent der Befragten Homeoffice und Kinder unter einen Hut bekommen. Das bedeutete für 23 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage, dass sie nachts oder frühmorgens arbeiten mussten. Traurig auch: 25 Prozent haben ihre Kinder in der Arbeitszeit alleine gelassen.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass (naheliegenderweise) etwas passiert, das man eigentlich in einem Lockdown vermeiden möchte. Mehr als die Hälfte der Befragten haben bei Unterricht und Betreuung der Kinder die Hilfe von Verwandten und Bekannten in Anspruch genommen. In den allermeisten Fällen (79 Prozent) waren dies die Großeltern, also jene Bevölkerungsgruppe, die besonders vor dem Virus beschützt werden sollte. Eine Teilnehmerin an der Umfrage erklärt: „Ältere Menschen müssen vor der Infektion geschützt werden. Das sollte eine Priorität sein. Wenn wir Schule und Kindergärten schließen, wird genau das Umgekehrte passieren.“

In der Umfrage wurden auch Fragen zur Zunahme der Belastung für die Familien gestellt. Das Ergebnis: Die psychische Belastung in der Pandemie stieg von fünf auf 63 Prozent. Wenn auch deutlich geringer, wird auch ein Anstieg an finanzieller und körperlicher Belastung festgestellt. Gleichzeitig steigt auch die Belastung für die Kinder und Jugendlichen: Die Eltern geben an, dass vor allem bei Jugendlichen im Alter ab zwölf Jahren eine beunruhigende Entwicklung zu erkennen ist.

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Kommentare (14)

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  • mure

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Zuständigen die Botschaft der Zahlen hören und verstehen wollen. Den Familien wird durch die Schließung der Schulen viel zugemutet, auch den Jugendlichen. Präsenzunterricht in den Oberschulen ist längst überfällig!

    • olyfan

      Es ist ein Verbrechen an die Menschheit und ganz speziell an Kindern.
      Wie stumpf muss die Denkweise so vieler Bürger sein, um sich überhaupt
      so lange an der Nase rumführen zu lassen?

  • paul1

    Kinder ja, aber die Erziehung und die Aufsicht sollen andere übernehmen.. etwas stimmt hier nicht

    • n.g.

      @paul1 Man sieht, dass du keine Kinder hast und wahrscheinlich finanziell gut gepolstert bist. Ansonsten würde man nicht solchen Müll posten.

      • yannis

        @n.g.
        Bravo, wie Recht Du hast ! so ne Äusserungen kommen nur von jenen die glauben, sie selbst seien von einen Esel an den Zaun gefurzt und anschließend von der Sonne ausgebrütet worden.

    • mure

      Auch Kinder und Jugendliche sind Menschen. Sie brauchen nicht nur Erziehung und Aufsicht durch ihre Eltern, sondern auch soziale Kontakte und den Austausch mit Menschen außerhalb der Kernfamilie, damit sie sich entwickeln können. Es damit abzutun, dass Eltern nicht selbst auf ihren Nachwuchs schauen wollen, ist billig und engstirnig, ein Hohn auf die vielen Mütter und Väter, die viel Energie und Geld für ihre Kinder aufwenden.

  • gorgo

    Denke schon, dass die Situation für einige sehr belastend war, aber leider gibt diese Umfrage kein Bild der Realität wieder.
    Bereits der leicht hysterische Ton mit dem sie auf fb lanciert würde, motivierte wohl eher eine gewisse Gruppe zum mitmachen.
    In einigen roten Gemeinden übertraf die zeitliche Schließung der KiGa und Grundschulen sicher die zu Verfügung stehende Sonderelternzeit. Allerdings waren im Lockdown auch viele Eltern/Mütter Zuhause.
    Dazu kommt, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten, solange die Kinder in der Grundschule sind, wenn nicht greifen sie auch ausserhalb von Lockdown Zeiten auf Grosseltern zu.
    Schade. Eine statistisch relevante Umfrage wäre interessanter gewesen.

    • n.g.

      Und was ist mit all jenen bei denen beide Elternteile in Vollzeit arbeiten müssen damit sie die laufenden Kosten decken können, MÜSSEN?
      Davon kenne ich viele!
      Erstens bekommen sie genau deshalb keine Hilfen weil sie damit mehr verdienen und zweitens können die sich Elternzeit oft gar nicht leisten.
      Die wurden alle aus ihrem funktionierendem System rausgerissen und sollten jetzt irgendwie über die Runden kommen?

      • gorgo

        @ng Danke. Dein Kommentar bringt das Problem dieser Umfrage auf den Punkt. Sie ist nämlich genauso relevant und zur konkreten Problemerfassung und Lösung geeignet wie deine oder meine im persönlichen Bekanntenkreis.
        Wobei in meinem die meisten das beste aus der Zeit gemacht haben, sie sogar genossen haben.
        Was nicht heißt, dass andere keine Probleme hatten. Aber dafür muss man eben genau schauen wie viele es auf welche Art betrifft und welche Art Hilfestellung möglich ist.

      • hallihallo

        arbeiten müssen?? sie können sich ja abwechselnd mal urlaub nehmen für ihre kinder. wir sind in einer sondersituation und da braucht es halt auch sondermaßnahmen. wir können seit monaten nicht arbeiten , da wird es diesen eltern wohl auch möglich sein, ein paar wochen nicht zu arbeiten.

  • yannis

    @n.g & gorgo,
    unterschreibe eure Komments vollumfänglich mit. Danke!

  • schnabel

    Last nur die Kinder nicht Testen dann werden alle zu Hause bleiben ihr super Gscheide

  • sougeatsnet

    Möchte hier kurz Prof. Noelle-Neumann zitieren: 80% allen Meinungsumfragen sind falsch. Ich denke diese im Artikel zitierte zählt auch dazu, da keine Kontrollen gemacht wurden. Letztlich sind solche Umfragen reine Meinungsmache und ihr Papier nicht wert, scheinen aber in Südtirol wissenschaftlichen Charakter zu beanspruchen. Traurig, dass unsere Sozialwissenschaftler nichts besseres hervorbringen.

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