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Der Martellanz

Peter Martell sah nicht nur gut aus, er konnte auch (fast) reiten

„Non molliamo – weiter geht’s“ lädt zu einem Double-Feature. „Starring Peter Martell“ ist in zwei unterschiedlichen Versionen zu sehen. Beide lohnen sich.

von Renate Mumelter

Double Features sind ein Kinobegriff. In den 1930er- und 1940er-Jahren boten Kinos für eine Karte zwei Filme hintereinander an, einen attraktiven A-Film und einen weniger attraktiven B-Film. Kino geht zur Zeit nicht, aber online geht’s weiter. Bis Mittwoch mit der deutschen und der italienischen Version von Fabrizio Favros „Starring Peter Martell“. Es empfiehlt sich beide anzusehen, denn Martellanz zeigt in den zwei Sprachen unterschiedliche Emotionen. 

Pietro Martellanza, Peter Martell 

1938 in Bozen geboren zog es Peter Martellanz aus dem „Spucknapf Bozen“ in die Welt. Bald kam  er nach Rom und machte dort Karriere. Im Genre der Spaghetti-Western brachte er es ziemlich weit sackte aber auch immer wieder ab. Wer sich die italienische Version des Films ansieht, wird darüber staunen, wie deutlich sein römischer Akzent war. 

Weil sich Martellanz zum falschen Zeitpunkt ein Bein gebrochen hatte, bekam er einen Job an der Seite von Bud Spencer nicht. Mario Girotti wurde sein Ersatz und machte Karriere. 

Peter Martell am Plakat (3 Kugeln)

Peter Martell filmte weiter. Er trat in Western auf und in Sexfilmen wie „Lass jucken Kumpel“, die in den 1970er Jahren Hochkonjunktur hatten. Später, als er durch einen Unfall ein Auge verloren hatte, wurde er gerne für Horrorfilme besetzt. Er trat auch in „Momo“ auf. Seinen Lebensabend verbrachte er wieder in Bozen. Diese letzten 13 Jahre wurden vom Dokumentarfilm nicht mehr erfasst. Der Film kam 1997 heraus, Martell starb 2010.

Spaghetti-Western, Sex und Horror

Favros Film macht auf jene Kinojahre neugierig, in denen Spaghetti-Western, Science-Fiction, Sexfilme der harmloseren Sorte und Horrorstreifen die Kinos füllten. Martell spielte in all diesen Genres eine Rolle. Insgesamt drehte er 35 Filme, den letzten 2009. 

Filmplakate aus der Zeit zeigen, dass er gerne an prominenter Stelle besetzt wurde auch mit Partnerinnen, die weltberühmt wurden wie Anita Ekberg oder Barbara Bouchet. Ein Blick ins Netz zeigt, dass einige der Filme mit Martell noch angeboten werden. Das wäre eine Alternative für einen Corona-Filmabend.

Im Talk spreche ich mit Martin Kaufmann, dem Begründer des Filmclubs und ehemaligen Betreiber des Latemar-Kinos in Welschnofen, der Peter Martellanz gut kannte. Wir sprechen über Erinnerungen an ihn, über Spaghetti-Western und über die Bedeutung von Zeitdokumenten wie diesem Film von Fabrizio Favro.  

Ab Donnerstag, 18. März ist dann „Hotel Life“ von Martine De Biasi zu sehen. Am Beispiel des „Hotel Mondschein“, das im Film anonym bleibt, erzählte die heute bekannte Filmemacherin 2004 davon, wie es in einem Hotel hinter den Kulissen aussieht. Mit einem Team übrigens, das inzwischen in der Filmwelt angekommen ist.

„Non molliamo – weiter geht’s“ ist eine Initiative des Filmclubs gemeinsam mit der Filmschule ZeLIG und dem BFFB.

„Starring Peter Martell“, 1997 (43 Min.), Regie: Fabrizio Favro, Kamera: Daniel Mahlknecht, Schnitt: Oliver Dietz. Bis 17. März

„Hotel Life“ 2004, (26 Min.), Regie: Martine De Biasi, Co-Regie: Silvia Chiogna, Kamera: Manfred Bernard, Schnitt: Martine De Biasi, Musik: Giovanni Palumbo. Ab 18. März 

www.filmclub.it

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • prof

    Habe Peter kennengelernt als er noch in der A. Hoherstrasse wohnte,und von dort wegzog um Karriere zu machen,war ein verdammt gut aussehender junger Mann,deßhalb hatte er auch zur genüge Frauen,was ihm aber leider kein Glück brachte. Habe mir auch alle seine Filme angeschaut. Als er nach Bozen zurückkehrte,konnte man ihn meistens am Obstmarkt treffen,zuletzt war sein Wohnheim ein VW Bus.Ruhe in Frieden Piter.

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