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Hilfreiche Selbsttests?

Foto: LPA/Ivo Corrà

In verschiedenen europäischen Staaten werden bereits Corona-Selbsttests im Handel verkauft. Was diese Tests können

von Markus Rufin

Bereits im November waren im Veneto Corona-Selbsttests für zu Hause erhältlich. Bisher hielt sich die Nachfrage nach diesen Tests im restlichen Europa in Grenzen, doch ab März erlauben erste Länder die Wohnzimmer-Tests.

In Österreich werden die Tests in Apotheken angeboten und sollen primär zur Selbstkontrolle dienen. In Deutschland dagegen werden nicht nur Selbsttests, sondern auch die in Südtirol bereits seit langem verwendeten Antigentests im Handel angeboten. Auch Großbritannien will künftig auf Selbsttests setzen.

Bisher wurden Selbsttests kaum angeboten, da entweder ihre Sensitivität in Frage gestellt wurde oder diese für Laien eigentlich nicht geeignet seien, da es leicht zu Fehlern kommen könnte. Doch wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nun bekannt gab, werden in Deutschland drei Selbsttests auf dem Markt kommen, bei dem die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen werden.

Im Gegensatz zum PCR-Test oder zu den Antigentests, die in Südtirol verwendet werden, ist ein solcher Selbsttest also leichter anwendbar. Daneben wird derzeit auch viel über Speicheltests gesprochen, die noch einfacher anzuwenden sind und dementsprechend vor allem für Kinder geeignet wären.

In Südtirol gab es bisher keine Corona-Selbsttest. Einzige Ausnahme ist ein serologischer Antikörpertest, der seit einigen Monaten in den Apotheken angeboten wird. „Dieser weist aber nur nach, ob man mit dem Virus bereits infiziert wurde oder nicht“, erklärt Matteo Bonvicini, Präsident des Verbandes der Südtiroler Apothekeninhaber. „Er sagt also nichts darüber aus, ob man aktuell positiv ist.“

In der Emilia Romagna dagegen gibt es bereits den Selbsttest. Allerdings kann man diesen nicht einfach kaufen, man muss sich genau wie in Südtirol bei einer Apotheke anmelden, wie Bonvicini ausführt: „Der Test muss unter Aufsicht eines Apothekers durchgeführt werden, der sicherstellt, dass dieser richtig angewandt wird.“

Es handelt sich dabei um genau jenen Test, der nun in Deutschland zugelassen wurde. Das hat vor allem preisliche Vorteile, weil der Test so deutlich billiger wird. Jene Tests, die bereits seit November im Veneto erhältlich sind, gibt es in Südtirol bisher nicht.

Südtirol halte sich nämlich an eine Liste, die vor wenigen Tagen herausgegeben wurde, in der alle Schnelltests aufgelistet werden, die laut den Kriterien der EU zum Nachweis von Covid-19 geeignet sind. Insgesamt 14 Tests stehen auf dieser Liste. Kein einziger davon, ist für den Eigengebrauch geeignet.

„Nur die Ergebnisse dieses Test dürfen in den Plattformen der jeweiligen Sanitätsbetriebe eingetragen werden“, sagt Apothekerpräsident Bonvicini. Sollten wie in der Emilia Romagna oder im Veneto dennoch auch andere Tests angeboten werden, so dienen diese nur dem Kunden als Information. Das heißt, eine Rückverfolgbarkeit ist dadurch nicht gewährleistet.

Gestern folgte dann ein Rundschreiben des nationalen Apothekerverbandes ferfarma, in dem geklärt wurde, dass nur die Antikörpertests Bürgern verkauft werden dürfen. Sowohl Speicheltests als auch die gewöhnlichen Selbsttests dürfen nur an medizinisches Personal verkauft werden.

Dennoch hält es Bonvicini für nicht unwahrscheinlich, dass es auch bald Selbsttests in Südtirol geben wird: „Es gab in Europa in den letzten Tagen viel Bewegung in dieser Sache. Auch in Italien wird noch weitergeprüft, ob der Einsatz dieser Tests sinnvoll ist.“

Sollten die Selbsttests aber auch in Italien zur Verfügung stehen, glaubt Bonvicini, dass diese nur dem Bürger zur Information dienen: „Ich glaube nicht, dass ein Selbsttest ausreicht, um die Gemeindegrenzen zu verlassen oder andere Personen zu besuchen, weil es keine Sicherheit gibt, dass der Test auch richtig durchgeführt wurde. Es bräuchte immer einen zweiten Test, um auf Nummer sicher zu gehen.“

Ein weiteres Problem bei den Selbsttest: Gemäß dem Landesgesetz, mit dem Antigentests in Südtirol erlaubt wurden, darf die Sensitivität nicht unter 90 Prozent liegen. Das ist bei Selbsttests aber selten der Fall. Unter anderem hat auch jener Test, der in der Emilia Romagna verwendet wird, eine Sensitivität von knapp unter 90 Prozent.

Damit einher geht auch, dass diese Tests womöglich die Mutationen nicht erkennen können. „Das ist ein generelles Problem, das auch uns beschäftigen wird“, meint Bonvicini. Bei den PCR-Tests sei klar, dass diese auch bei Mutationen anschlagen, ob das auch bei allen Antigentests so ist, ist bislang nicht geklärt. Es besteht also das Risiko, dass sich Mutationen unerkannt verbreiten.

Zudem sieht Bonvicini die Gefahr, dass Bürger, die den Selbsttest durchführen, sich in falscher Sicherheit wiegen: „Das erzeugt dann eher Konfusion.“

Dennoch erkennt auch Bonvicini einige Vorteile bei den Antigentests: „Vor allem die Speicheltests wären für Klein- und Grundschulkinder geeignet. Sie sind aber noch weniger sensitiv. Richtig angewandt können auch Selbsttests nützlich sein.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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