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Die vorsichtigen Sparer

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Die Corona-Krise hat das Sparverhalten der Südtiroler verändert: Die meisten sparen für „unvorhersehbare Ereignisse“, aber nicht alle Familien werden in den nächsten Monaten etwas auf die hohe Kante legen können.  

von Lisi Lang

Das Coronavirus prägt auch fast ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie nach wie vor unseren Alltag – und damit auch unsere Verhaltensweisen. Das zeigt sich ganz eindeutig beim Konsum und auch beim Sparen. „Die Sparquote ist extrem angestiegen“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini. „Die Sparneigung der italienischen Haushalte ist in den letzten 12 Monaten von 9 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens auf 18 Prozent angestiegen“, erklärt Perini. Die Sparquote hat sich also verdoppelt. 

Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits hängt dieses stark veränderte Sparverhalten mit den Corona-Einschränkungen und dem deswegen veränderten Konsum zusammen. „Viele haben im letzten Jahr keine oder kaum Reisen gemacht, ihren Konsum eingeschränkt oder wegen der fehlenden Möglichkeiten die Freizeitausgaben reduziert“, erläutert der AFI-Direktor. 

Im letzten Jahr haben aber auch viele Arbeitnehmer wegen der Corona-Krise Einkommensausfälle verzeichnet, weshalb viele Haushalte gezwungen waren, mehr zu sparen. „Die Arbeitnehmer navigieren zudem immer mehr auf Sicht“, beobachtet Perini. 

Genau das sieht man auch bei den Spargründen: Seit 2014 untersucht das AFI das Sparverhalten von Südtiroler ArbeitnehmeInnen. Im Vergleich zu früheren Befragungen ist das Sparen für „unvorhersehbare Ereignisse“ im letzten Jahr aber sprunghaft angestiegen: Gaben im Jahr 2019 noch 49 Prozent der Arbeitnehmer dies als einen von zwei Spargründen an, kletterte der Wert im Jahr 2020 auf 58 Prozent. Damit überholt das „Sparen für Notfälle“ sogar den historischen Spitzenreiter, nämlich das „Sparen für die Kinder“. Gleichzeitig hat das „Sparen fürs Alter“ abgenommen – nur 40 Prozent geben diesen als einen von zwei Spargründen an. „Hier kommt ganz klar die Unsicherheit der Arbeitnehmer zum Ausdruck“, erklärt Stefan Perini. „Man weiß momentan nicht, wie sich diese Situation in den nächsten Monaten entwickelt, viele fürchten um ihren Job, andere verdienen bereits jetzt weniger und wollen deswegen lieber etwas mehr zurücklegen“, erklärt der AFI-Direktor. Sicherheit ist und bleibt dabei das große Thema – auch bei den Sparzielen. 

Gründe fürs Sparen

Die schwierige finanzielle Situation einiger Familien zeigt sich in der Winterausgabe des AFI-Barometers aber nicht nur in den Spargründen sondern auch in der Einschätzung der Sparmöglichkeiten. Denn: Nicht alle Arbeitnehmer-Familien sehen sich in der Lage, in den nächsten 12 Monaten etwas auf die hohe Kante zu legen. 31 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sie es in den nächsten zwölf Monaten ganz „sicher nicht“ schaffen werden Geld zu sparen, weitere 15 Prozent gehen davon aus, dass sie dies „eher nicht“ schaffen werden. Auf der anderen Seite sind nur 17 Prozent wirklich überzeugt davon, dass sie etwas zurücklegen können, aber immerhin 37 Prozent gehen „wahrscheinlich“ davon aus, dass sie es schaffen werden, etwas Geld zu sparen. 

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