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Im Auto eingesperrt

Foto: FF Brixen

Die Autotüren sind zu, die Schlüssel sind im Fahrzeug und das Kind ist eingesperrt: Schreckensminuten für die Eltern. In Brixen haben sich zwei identische Fälle innerhalb von zwei Tagen zugetragen. Wie groß die Gefahr für Kinder ist und zu welchen Maßnahmen die Retter raten.

Von Erna Egger

Kein Einzelfall, der sich am Sonntag in Brixen zugetragen hat: Denn gleich am Montag wurde die Feuerwehr Brixen zu einem identischen Einsatz gerufen – nur in eine andere Straße mit anderen Beteiligten. „Normalerweise werden wir jährlich zu ein bis zwei solcher Vorfälle gerufen, jetzt haben sich zwei innerhalb von nur zwei Tagen zugetragen“, kommentiert Hannes Egger, Vizekommandant der Feuerwehr Brixen.

Am Sonntag hat eine Mutter in der Straße „Am Hohen Feld“ in Brixen ihr Kleinkind im Kindersitz ihres Pkws gesichert, beim Schließen der Fahrzeugtür haben sich alle Türenverschlossen. Unglücklicherweise befanden sich die Fahrzeugschlüssel im Auto.

Der Schreck in diesen Fällen ist bei den Eltern oder den jeweiligen Begleitpersonen groß.

Auch in diesem Fall hat die Mutter umgehend die Landesnotrufzentrale verständigt, da kein weiterer Schlüssel zum Öffnen des Fahrzeugs zur Verfügung stand.

Um 13.15 Uhr wurde die Feuerwehr Brixen zum Einsatz gerufen. Ohne das Fahrzeug zu beschädigen, gelang es den Wehrmännern in kurzer Zeit,über den im Pkwvorhandenen Schlüssel das Autozu öffnen. Während der Arbeiten wurde das Kleinkind von seiner Mutter von außen betreut. Das Missgeschick konnte so ohne Schrecken für Kind und Mutter bewältigt werden.

Zu einem fast identischen Einsatz wurden die Brixner Wehrmänner gestern Vormittag in die Dantestraße gerufen: Eine Mutter hatte ihr weniges Monate alte Baby im Auto gesichert und dann ihre Einkäufe in den Kofferraum geladen. Sie schlug dann die Kofferraumtür zu, zu ihrem Schreck befand sich der Schlüssel im Fahrzeug, sie konnte die Türen nicht mehr öffnen. Auch sie verständigte umgehend die Notrufzentrale, die um 9.20 Uhrdie Brixner Wehrmänner alarmierte. „Oftpassieren diese Fälle beim Aufladen des Fahrzeuges“, schildert Egger.

In den meisten Fällen erscheint den Eltern die Wartezeit – auch wenn die Rettungskräfte schnell vor Ort sind – endlos. „Wir sind – sofern sich das Fahrzeug im Stadtgebiet befindet – nach der Alarmierung in fünf Minuten vor Ort“, so der Vizekommandant.

Wie Egger erklärt, schaffen es die Wehrmänner zumeist binnen weniger Minuten das Auto ohne Beschädigung zu öffnen. „Insgesamt dauert ein solcher Einsatz weniger als eine halbe Stunde.“

Egger rät: „Sofern es nicht möglichist, sich innerhalb von kurzer Zeit einen Ersatzschlüssel von zu Hause bringen zu lassen, sollte die Notrufzentrale verständigt werden. Im Winter kann man nicht lange warten, weil es kalt wird, im Sommer überhitzt das Auto.“

Die Frage, die sich aufdrängt: Wie lange kann in Kleinkind im stillstehenden Auto ohne Beeinträchtigung ausharren? Kann man sich erlauben – sofern man nicht zu weit vom Eigenheim entfernt ist – sich von einem Familienmitglied den Ersatzschlüssel von zu Hause bringen zu lassen oder ist schnelles Eingreifen und der Einsatz der Rettungskräfte binnen weniger Minuten notwendig?

„Ich kann die Panik mancher Eltern in diesen Fällen verstehen. Diese Frage kann man jedoch nicht pauschal beantworten. Es hängt von sehr vielen Faktoren ab, vor allem, welchen Temperaturen das Kind ausgesetzt ist, ob sich der Zwischenfall im Winter zuträgt, oder im Sommer, wo das Fahrzeug starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist“, so der Primar der Pädiatrie im Krankenhaus Brixen, Markus Markart.

Er betont: Kleinkinder sind natürlich weit mehr gefährdet als größere Kinder.

Im Winter, sofern das Kind angemessen bekleidet ist, kühlen die Schützlinge sicher nicht binnen einer Viertelstunde aus. „Das Kind müsste schon über Stunden im Auto ausharren, um eine Auskühlung zu erleiden. Eltern gehen ja auch im Winter mit ihren Babys im Kinderwagen spazieren, entsprechend gekleidet und geschützt droht keine Auskühlung. Es ist zu beachten, wie alt das Kind ist, welche Kleidung es trägt, hat es eine Mütze auf, ist es in einen Überanzug eingepackt, mit dem es lange auch bei tiefen Temperaturen geschützt ist, usw. Es geht also nicht um Minuten“, so Markart.

Im Sommer droht größere Gefahr: In den heißen Jahresmonaten stehen die Autos oft in der prallen Sonne. „Dann herrscht im Auto plötzlich eine ähnliche Hitze, wie in einer Sauna, der Körper kann die Temperaturen nicht mehr regulieren. Aber auch dann geht es nicht um eine Viertelstunde“, so Markart. „Wichtig ist, dass das Kind nicht allein gelassen und beruhigt wird.“

Egger rät, bei diesen Missgeschicken die Ruhe zu bewahren: „Die Kinder reagieren panisch, wenn die Eltern panisch reagieren. Wenn die Bezugspersonen verzweifelt an den Türen reißen und diese nicht öffnen können, merken die Kinder natürlich, dass die Eltern nicht mehr reinkommen. Entsprechend reagieren die Kinder. Je ruhiger die Eltern bleiben, desto ruhiger bleiben die Kinder“, schildert Egger seine Erfahrungen.

 

 

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