Du befindest dich hier: Home » Südtirol » Reduzierte Tätigkeit

Reduzierte Tätigkeit

Foto: Andrea Pizzini/Wellenbrecher/FB

Zahlreiche Dienste in den Südtiroler Krankenhäuser sind aufgrund der Covid-Belastung reduziert worden. Welche Abteilungen besonders betroffen sind.

von Markus Rufin

Die Krankenhausdienste sind aufgrund der Covid-Pandemie stark reduziert. Das ist deshalb notwendig, weil sowohl medizinisches Personal als auch Betten für die Covid-Stationen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Tätigkeit gewisser Dienste wurde daher auf ein Minimum reduziert.

In den vergangenen Tagen erhielt die TAGESZEITUNG gleich mehrere Berichte von Personen, die sich einen Bruch zugezogen haben und daraufhin operieren mussten. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen war es allerdings nicht möglich, diese Operation sofort durchzuführen. Die Personen mussten mit ihrem Bruch zu Hause bleiben und teilweise über eine Woche mit starken Schmerzen warten, bis sie endlich operiert werden konnten.

Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli  überrascht das nicht, denn er bestätigt, dass unter anderem die chirurgischen Tätigkeiten stark reduziert wurden: „Besonders die Anästhesisten werden auf den Covid-Stationen benötigt, weshalb die chirurgische Tätigkeit im Durchschnitt stark reduziert wurde.“

Auch die ambulante Tätigkeit sei aufgrund der Personal-Situation reduziert worden, jedoch sei dies von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich. „Einige Krankenhäuser arbeiten in einem recht hohen Rhythmus, jedoch können sie nicht so wie vor einem Jahr arbeiten“, berichtet Bertoli.

Wie viele Betten in den diversen Abteilungen konkret abgebaut wurden, kann der Sanitätsdirektor nicht sagen. Aber in einigen Krankenhäusern sei die Bettenanzahl in gewissen Abteilungen sogar um mehr als die Hälfte reduziert worden. So stehen in der Orthopädie nur mehr rund ein Drittel der Betten zur Verfügung. Prinzipiell sei die Reduktion von Krankenhaus zu Krankenhaus und von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich.

Ebenso stark betroffen sind die Operationssäle, da auch hier viel medizinisches Personal und Pfleger abgestellt wurde, das jetzt in den Covid-Abteilungen tätig ist.

Bertoli versichert aber, dass jeder, der sich beispielsweise einem operativen Eingriff unterziehen muss, der nicht aufschiebbar ist, in einer „angemessenen Anzahl von Tagen“ behandelt wird.

Schließlich könne man eine Operation nach einem Bruch oder einem Trauma nicht für mehrere Monate aufschieben. Eine Verzögerung um einige Tage könne dagegen sehr wohl vorkommen, allerdings werden die Patienten natürlich erstbehandelt und bekommen Medikamente gegen die Schmerzen. Bei planbaren oder aufschiebbaren Eingriffen könne er hingegen nicht sagen, wie lange diese sich gedulden müssen.

Dass man auch bei einem Bruch mehrere Tage auf seine Operation warten muss, hört sich im ersten Moment zwar unverständlich an, wenn man aber die Belastung auf den Covid-Stationen in Betracht zieht, ist es verständlich, dass sowohl Betten als auch Personal auf anderen Abteilungen reduziert werden musste.

So stellte der Dokumentar-Filmer Andrea Pizzini vor wenigen Tagen ein Foto ins Netz, das das letzte freie Bett auf der Bozner Covid-Station zeigt. Das bedeutet aber nicht, dass das Krankenhaus keine Betten für Covid-Patienten mehr zur Verfügung hat, wie Bertoli erklärt: „Da jeden Tag neue Covid-Betten dazukommen oder wieder frei werden – je nachdem wie viele Covid-Patienten aufgenommen werden müssen – kann es also sehr wohl vorkommen, dass eine Station voll belegt ist. Das heißt aber nicht, dass keine weiteren Patienten aufgenommen werden können.“

Einige Intensivstationen seien seit langem voll besetzt, berichtet der Sanitätsdirektor. Allerdings seien die Südtiroler Spitäler in einem Netzwerk verbunden. Sobald in einem Krankenhaus die Intensivstation voll sind, kommen die Patienten also in andere Intensivstationen unter

Im Krankenhaus Bozen verfüge man über zwei Intensivstationen. Eine davon wird derzeit nur für Covid-Patienten verwendet, die zweite Station könne aber noch benutzt werden.

In der momentanen Situation mangle es nicht an Betten: „Wir haben im ganzen Land derzeit noch Betten zur Verfügung. Da derzeit unter 250 Patienten behandelt werden, haben wir noch 100 Betten zur Verfügung.“ Ähnlich ist es bei den Intensivstationen, wo derzeit 28 von 77 Betten belegt sind.

Die Personen, die sich bei der TAGESZEITUNG gemeldet haben, berichteten auch, dass sie in anderen Krankenhäusern außerhalb der Provinz deutlich schneller operiert wurden. Zwar habe es dieses Phänomen immer gegeben, dass es aber jetzt während der Corona-Krise auch vorkommt, kann sich Pierpaolo Bertoli nicht vorstellen: „Ich glaube nicht, dass Krankenhäuser in anderen Regionen besser aufgestellt sind als wir. Sofern es sich nicht um eine private Einrichtung handelt, kann ich mir das nur schwer vorstellen, denn die öffentlichen Krankenhäuser haben derzeit alle zu kämpfen.“

Ab wann sich die Situation in den Krankenhäusern wieder normalisiert, kann Bertoli nicht sagen: „Das hängt natürlich mit den täglichen Fallzahlenzusammen, derzeit gibt es einen langsamen Anstieg. Wenn wir die Bevölkerung so schnell wie möglich impfen, könnten wir die Fälle aber deutlich reduzieren, das wird aber mit Sicherheit einige Monate dauern.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (7)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • andreas

    Den Unsinn dieses Pizzini hat sich die Sanität doch selbst eingebrockt, wenn dieser nun annimmt, die Öffentlichkeit mit seinen subjektiven Annahmen erschrecken zu müssen.
    Es besteht wirklich keine Notwendigkeit, wenn da einer auf den Intensivstationen rumlatscht und Bilder von Händen alter Leute oder Videos eine Arztes der „volle impfen“ will oder eines Patienten, welcher eine schweren Verlauf hinter sich hat, publiziert.

    Die Sanität soll klar kommunizieren, wieviele Intensivbetten insgesamt zur Verfügung stehen und welche für Covid und welche für andere Krankheiten bereitgestellt werden und nicht diesen Salurner irgendwelche Horrorgeschichten verbreiten lassen.

    Auch wäre es aufschlußreich das Alter der Toten und ob sie in Seniorenheimen waren oder nicht zu veröffentlichen.
    Dieses Spielchen, welches sich Landesregierung und Sanität momentan leisten, das Volk im Unklaren zu lassen, um nicht die Akzeptanz für Maßnahmen und Impfung zu verlieren, nervt so langsam.
    Einen Teil der Bevölkerung kann man zwar durchaus als unmündig ansehen, der Großteil ist aber recht vernünftig und trägt die Maßnahmen auch mit.
    Auf Dauer wird es aber nicht funktionieren, die Leute für dumm zu verkaufen und anscheinend im Sinn der Sanität dämliche Kommentare mit Bildern zu verbreiten.

  • waldhexe

    Das passiert,wenn man alsolute Zahlen zerlegt. Wann das in Italien wie in Österreich veröffentlicht wird weiss ich nicht.
    https://www.youtube.com/watch?v=ng2XWxOGGIk

  • hastalavictoriasiempre

    I kenn a 2 de im Spitol orbeitn, und sogn beade sofl wionig zi tion wi iz wor no nio…

  • rasputin

    Die Coronakrise hätte auch genutzt werden können um die Pensionssysteme zu sanieren.

  • andimaxi

    Dafür gehören Widmann, Zerzer und die KH-Primare vor Gericht..

  • robby

    Meine Frau wurde gestern ins KH Bozen eingeliefert und liegt auf einer Abteilung. Besuche sind verboten daher schrieb sie mir: die Abteilung ist praktisch leer!!!

  • apfel

    Warscheinlich wird wieder eine Tanzchoreo einstudiert…

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen