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„Schenkt keine Tiere“

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Der Meraner Amtstierarzt Franz Hintner über Vierbeiner unterm Weihnachtsbaum, illegalen Welpenhandel und überfüllte Tierheime.

Tageszeitung: Herr Hintner, viele Menschen nehmen Weihnachten zum Anlass, um Hund und Katz zu verschenken. Ist das eine gute Idee?

Franz Hintner: Nein. Ein Tier ist kein Geschenk und kein Spielzeug, sondern ein Lebewesen. Speziell Hunde brauchen ausreichend Platz und den richtigen Halter. Häufig werden jedoch große Hunde verschenkt, für die in einer Wohnung überhaupt kein Platz ist und wo der Besitzer keine Zeit für die richtige Haltung hat. 

Diese Hunde landen dann über kurz oder lang im Tierheim?

Da sind wir schon beim nächsten Problem. Viele Besitzer bemerken nach einiger Zeit, dass sie das Tier nicht halten können und kommen dann zu uns. Der Veterinärdienst soll den Hund im Tierheim unterbringen. Aber das können wir nur in ganz speziellen Fällen tun, z.B. wenn der Besitzer verstorben ist oder ins Altersheim muss. 

Die Tierheime sind überfüllt?

Ja, und zwar mit Hunden, die niemand mehr haben will, weil sie zu alt sind. Die meisten Menschen interessieren sich leider nur für Welpen.

Franz Hintner

Woher stammen diese Welpen?

Häufig werden sie illegal importiert, meist aus Osteuropa. Der illegale Hundehandel ist ein großes Geschäft, das über die sozialen Medien abläuft. Kleintransporter bringen die Tiere nach Italien, meist ohne Papiere. Die Käufer meinen dann auch noch, dass sie etwas Gutes tun. Dazu kommt, dass es in Südtirol mehrere Personen gibt, die Straßenhunde aus Süditalien vermitteln. Diese Tiere werden dann meist in Verona übergeben. Auch hier ist nicht immer alles rechtens.

Warum? 

Ein Hund muss in seiner Herkunftsprovinz in das Hunderegister eingetragen und gechipt werden. Auch muss ein Tierarzt feststellen, dass er gesund ist. All diese Dinge fehlen häufig und wenn wir die Leute darauf hinweisen, dann sagen sie, sie wussten es nicht. Aber wenn ich mir ein Auto kaufe muss ich mich auch vorher informieren, was ich dafür brauche. Dasselbe gilt bei der Anschaffung von sogenannten Kampfhunden. Immer mehr Menschen, vor allem junge Erwachsene, legen sich Pitbulls oder ähnliche Rassen als Statussymbol zu. Solche Hunde brauchen die richtige Erziehung, sonst können sie gefährlich sein. Sie können zur Waffe werden. Diese Erfahrung machen unsere Veterinäre immer wieder.

Zum Beispiel?

Erst jüngst hat einer unserer Amtsveterinäre einen jungen Mann auf der Straße aufgefordert, seinen Pitbull an die Leine zu nehmen. Der solcherart Angesprochene hat geantwortet, dass er den Hund auf ihn hetzt, wenn er nicht still ist. Die Situation hat sich erst entspannt, als der Hundehalter bemerkte, dass er eine Amtsperson und keinen gewöhnlichen Passanten vor sich hat.

Gibt es in Meran viele Kampfhunde?

Interessanterweise und auffälligerweise ja. Laut Statistik weist Meran im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Kampfhunde in ganz Südtirol auf.

Was schlagen Sie vor?

Wichtig wäre ein Hundeführerschein. Aber das scheint nicht möglich. Südtirol wollte vor etwa zehn Jahren eine Liste mit gefährlichen Hunderassen in das Tierschutzgesetz aufnehmen, musste diese Liste aber wieder zurückziehen. Rom hatte sie angefochten. Die Frage war nämlich, welche Rassen als gefährlich gelten. Denn kein Hund ist a priori gefährlich, böse wird er durch falsche Erziehung. Allerdings ist es ein Unterschied, ob ich zuhause einen Pudel halte oder einen Rottweiler.

Interview: Karin Gamper

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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