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„Alles viel zu langsam“

Philipp Moser

Für den hds ist es eine internationale Bankrotterklärung: Die geplante Einführung einer Webtax für die Giganten im Onlinehandel innerhalb 2020 wird auf 2021 verschoben.

„Vor einigen Tagen erklärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Scheitern einer Vereinbarung über eine internationale Steuerreform, an der 137 Länder gegen die Steuerumgehung durch multinationale Unternehmen, beteiligt waren“, sagt hds-Präsident Philipp Moser.

Durch eine faire Besteuerung der Onlineriesen soll eine neue Steuergerechtigkeit geschaffen werden. Das Ziel der in Paris ansässigen internationalen Organisation ist eine Politik für ein besseres Leben und die Sicherung von Wohlstand, Gerechtigkeit, Chancen und Lebensqualität für alle.

„Jetzt ist endlich Schluss mit diesem Wilden Westen! Die Zeiten sind reif für die Digitalsteuer im Onlinehandel“, betont Philipp Moser. Digitale Großkonzerne zahlen bis dato hierzulande dank Steueroptimierungen und -verschiebungen in Steueroasen keine Steuern für ihre erwirtschafteten Umsätze. Das muss sich ändern“, so Moser.

Mit einer Digitalsteuer sollen eklatante Steuerlücken und Schlupflöcher geschlossen und damit Onlinekonzerne, Vermittlungs- und Händlerplattformen in die Pflicht genommen werden. Derzeit hätten gerade stationäre Betriebe im Handel einen enormen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Onlinegiganten.

Bisher gibt es auf globaler Ebene keine Einigung über die Einführung von Digitalsteuern.

Die Europäische Union wartet derzeit darauf, dass eine internationale Lösung zwischen den G20- und OECD-Staaten gefunden wird, die die EU dann umsetzen könnte. „In der EU selbst gab es bisher keine Einigung zur Einführung von Digitalsteuern, da die Maßnahme bisher von den skandinavischen Ländern und Irland blockiert wurde. Alles viel zu langsam!“, so Moser.

Inzwischen warnen die Verantwortlichen der OECD davor, dass die Alternative zu einem Abkommen ein Handelskrieg wäre, mit der Vervielfachung einseitiger Zölle und Websteuern, die die Weltwirtschaft bis zu einem Prozent des BIP, mehr als eine Billion Dollar, belasten könnten.

Die von der OECD diskutierte die Reform eines neuen internationalen Steuersystems besteht aus zwei Säulen: Die erste zielt darauf ab, die Giganten des Internets dort zu besteuern, wo sie ihre Einkünfte erzielen. Die zweite will stattdessen einen weltweiten Mindeststeuersatz (nach den neuesten Berechnungen 12,5 Prozent) schaffen, um der Praxis des Transfers von Gewinnen multinationaler Unternehmen in Steueroasen entgegenzuwirken. Zusammen könnten diese beiden Maßnahmen bis zu 100 Milliarden Dollar pro Jahr an zusätzlichen Einnahmen von multinationalen Unternehmen einbringen, was vier Prozent der weltweiten Einnahmen aus der Körperschaftssteuer entspricht.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • wichtigmacher

    Ewiger Plärrer, soll mal richtig auf´n Putz hauen, damit die in Paris wissn wer er ist….

  • summer

    Nur fade Ansagen und sonst nichts.
    Kriegt der Herr einen Leistungslohn, oder immer gleich viel ohne Bezug auf Leistung?

  • tirolersepp

    Ja Herr hds-Präsident Philipp Moser, Amazon, Google und Co. beherschen das Geschehen !!!

  • drago

    Ich verstehe nicht, was eine solche Aussendung soll, weder allgemein noch in diesen Zeiten.
    Jemand meldet sich zu Wort, zu einem Argument zu dem er bei Gasthausdiskussionen seinen Senf abgeben kann (da kann man zu alles und nichts etwas sagen), aber ansonsten zählt seine Meinung zu diesem Thema absolut nichts. Er hat keine Kompetenz diesbezüglich. Ob er etwas dazu sagt oder nicht, ändert gar nichts. Wie heißt es so schön: wieder eine Gelegheit verpasst, zu schweigen.

  • reinhard_bauer

    Ein Problem des Neoliberalismus ist der Umstand, dass einige wenige Großunternehmen, wie es Google, Amazon, AliExpress, u.w. sind, nicht bloß die Märkte praktisch beherrschen, sondern sogar die Macht haben, Staaten an der Nase herumführen können. Der Trick bei digitalen Dienstleistungen liegt darin, die Gewinne dort anfallen zu lassen, wo keine oder kaum Steuern zu zahlen sind. Das ermöglichen die Schlupflöcher. Die Digitalsteuer ist am Ort des Konsums zu entrichten. Alles andere zerstört die hiesigen Wirtschaftszweige.

    Ein weiteres Problem besteht in der lapidaren Haltung einzelner europäischer Staaten, wie Irland, die es sich mit den Betrieben und den USA oder China nicht verscherzen wollen. Die EU sollte Haltung und Einigkeit zeigen um dieses Thema anzugehen.

    • summer

      Das stimmt alles, was Sie hier schreiben. Es wäre aber sehr einfach, bei der Zustellung die Steuer vor Ort zu kassieren, dann können diese internationalen Abzocker grad in Steueroasen sitzen.
      Und dann könnte Irland und Schweden ja nix kassieren, wenn sie Geld zu verschenken haben.
      Es ist traurig, dass insgesamt alle Staaten nicht aktiv werden.

    • andreas

      Da gibt es 2 Baustellen, einerseits die Steuer der Unternehmen und dann die MwSt.
      Die entgangene MwSt. mach ein Vielfaches der Unternehmenssteuer aus.

      Es würde reichen, wenn die europäischen Staaten z.B. Amazon dazu zwingen würden, die Steuer ihrer Händler einzufordern und diese an die Staaten weiterzuleiten, machen sie aber nicht.
      So verkaufen Chinese über die Plattform und wissen teilweise gar nicht, dass eine Mwst. Steuer abzuführen wäre bzw. sie ignorieren es, da es keine Konsequenzen hat.

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