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Metaphysik

Sissa Micheli aus der Serie ON THE PROCESS OF SHAPING AN IDEA INTO FORM THROUGH MENTAL MODELLING, 2020, Archivfester Pigmentdruck auf Fine Art Baryta, variable Größe: Eine Metapher für den momentanen Schwebezustand. Alles ist arretiert und undefiniert.

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute die Brunecker Künstlerin Sissa Micheli .

Wie geht´s?

In Anbetracht der gegenwärtigen weltweiten Situation ganz gut.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Den Umständen entsprechend abwechselnd entspannt und angespannt. Ich bewege mich zwischen Zweifel und Zuversicht. Wir leben in einer besonderen Zeit des Ausnahmezustands.

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Unterwerfung“ von Michel Houellebecq.

Was ist Ihre erste Erinnerung?

Meine Mutter hat uns als Kinder Rosinen versteckt und suchen lassen. Da hab ich gelernt, dass man sich manchmal Rosinen im Leben rauspicken darf.

Was wollten Sie als Kind werden?

Tänzerin, Eiskunstläuferin oder alles, was mit der Bühne zu tun hat.

Warum sind Sie Künstlerin geworden?

Es war wie ein Fluss. Mein Onkel Ivo, mein Großonkel Albin sowie meine Mutter waren kreative Quellen. Nach 6 inskribierten Studien floss alles in Richtung Kunst.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?

Auch wenn man sich als Künstlerin meist außerhalb der Komfortzone befindet, habe ich die Entscheidung noch nie bereut.

Wenn Sie nicht Künstler wären, wer oder was möchten Sie sein?

Ich wäre wohl aus dem Kreativen nicht rausgekommen: Musikerin.

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?

Friedl Kubelka mit ihrer Intensität und Authentizität.

Sissa Micheli (Foto: Mirko Da Col)

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?

Die Filme Mulholland Drive oder Inland Empire.

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?

David Lynch.

Was würden Sie ihn/sie fragen?

Ich würde mich mit ihm über Metaphysik unterhalten.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

Natürlich! Das ist auch gut so.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?

Die hierarchischen Strukturen und die geringe Wertschätzung dem/r Künstler/in gegenüber.

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?

Die Bewegungsfreiheit und das Reisen. Besonders vermisse ich meine Familie und Freunde, da ich in Wien lebend nicht nach Italien reisen kann.

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?

Natürlich verändert die Quarantäne den Betrieb. Es wurden ja alle Ausstellungen verschoben oder abgesagt. Ich mache dennoch weiter, aber nicht wie bisher. Ich arbeite langsamer und reflektierter. Ich schaue mehr nach innen.

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Sie berührt mich natürlich, denn nichts ist wie es war. Da ich aber momentan die am 18. Juli beginnende Ausstellung im LUMEN Museum vorbereite, bin ich auf andere Themenbereiche fokussiert.

Wovor fürchten Sie sich?

Stück für Stück die Demokratie zu verlieren.

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Zum Glück nichts.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Keine Liebe zu spüren.

Möchten Sie gerne reich sein?

Geld macht nicht glücklich, keines aber auch nicht.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben? 

Zum Club 27 zu gehören.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil?

Keines zu haben.

Lieben Sie jemand?

Ja. Ohne Liebe ist das Leben nicht lebenswert.

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Ja ich kann mich gut leiden.

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Eigentlich nichts, ich kann mich auch körperlich gut leiden.

Was ist Ihr größter Fehler?

Die Liebe zum Detail oftmals zu übertreiben.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Krieg und Gewalt.

Wie alt möchten Sie werden?

Dieser Frage habe ich mir nie gestellt, weil ich sie nicht beeinflussen kann.

Wie möchten Sie sterben?

Alt und zufrieden.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Wenn ich mein Herz sprechen lasse, ja.

 

Zur Person

Sissa Micheli, 1975 in Bruneck geboren, lebt und arbeitet in Wien. Von 1994-2001 studierte sie Anglistik und Amerikanistik, Französisch und Italienisch an der Universität Wien ; 2000-2002 Schule für künstlerische Photographie Wien; 2002-2007 Diplomstudium an der Akademie der bildende Künste Wien bei Prof. Franz Graf, Gunther Damisch und Matthias Herrmann Zahlreiche Preise, Stipendien und Ankäufe sowie Einzel -und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. 2015 war sie Trägerin des Staatsstipendiums für künstlerische Fotografie, 2016 Südtiroler Künstler/in des Jahres

www.sissamicheli.net

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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