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Gerettete Fische

Alperia startet erstmals in Südtirol einen großen Pilotversuch zum alternativen Sedimentmanagement – über den Sommer sollen bis zu 40.000 m3 Feinsedimente aus dem Stausee Franzensfeste entfernt werden, indem sie kontinuierlich dem Triebwasser des Kraftwerks Brixen zugeführt werden – unter kontrollierten Bedingungen und möglichst umweltschonend.

Die katastrophalen ökologischen Auswirkungen der Spülung des Mühlbacher Stausees im vorigen Sommer dürften vielen noch in Erinnerung sein. Talseits des Mühlbacher Stausees wurde der Fischbrütlingbestand (Jungfische des ersten Jahres) praktisch komplett vernichtet – und das auf rund 60 km Flusslänge bis nach Bozen.

Das mediale Echo dieses Ereignisses war enorm, nicht nur unter Fischern. Und offenbar hat es seine Wirkung nicht verfehlt, freut man sich im Landesfischereiverband.

Der Südtiroler Landtag hat im Jänner den Beschlussantrag Nr. 112/19 genehmigt, mit welchem der Einsatz von Saugbaggern gefordert wird. Auch Alperia hat angesichts der negativen Umweltauswirkungen der Spülung im Vorjahr erkannt, dass klassische Stauseespülungen nicht nachhaltig durchzuführen sind. Und hat reagiert!

Die eigentlich für heuer vorgesehene Spülung des Stausees Franzensfeste (dieser speist gemeinsam mit dem Stausee Mühlbach das Kraftwerk Brixen) wurde von Alperia nämlich nicht beantragt.

Stattdessen hat Alperia ein zukunftsweisendes Pilotprojekt mittels Saugbaggern für den Stausee Franzensfeste beantragt – welches die Dienststellenkonferenz für den Umweltbereich am 15. April genehmigt hat, anerkennt man im Fischereiverband.

Fischbrütling (Marmorierte Forelle)

Im Zeitraum vom 15.06 bis 15.10 sollen bis zu 40.000 m3 Sedimente aus dem Stausee Franzensfeste entfernt werden – und zwar mittels Saugbaggern. Diese Menge entspricht ca. der Fläche eines Fussballfeldes mit 4 Metern Höhe. Saugbagger sind eigentlich Boote. Mittels Düsen lösen sie kontinuierlich die abgesetzten Sedimente (meist Feinmaterial) vom Grund des Stausees.

Das so entstandene Sediment-Wasser-Gemischwird mittels Pumpen dem Triebwasserkanal des Kraftwerk Brixen zugeführt, wird also “mitturbiniert”, undvermischt sich danach in Brixen mit dem Wasser der Rienz. Das mit Sedimenten angereicherte Wasser wird ebenso in die Restwasserstrecke des Eisacks talwärts des Franzensfester Stausees abgegeben.

Natürlich wäre es besser, wenn sich Letzteres vermeiden ließe – technisch ist es aber leider nicht anders möglich, so Markus Heiss vom Landesfischereiverband. Die Dosierung der Wassertrübung kann fein justiert und so umweltverträglich als möglich gestaltet werden – sie beträgt lt. genehmigtem Projekt zwischen rund 1 und 8 % der Wassertrübung einer klassischen Stauseespülung, je nach Wasserführung des Gewässerabschnittes, und addiert sich zur natürlichen Wassertrübung.

Markus Heiss

Das Pilotprojekt muss vom Betreiber Alperia eng mit dem Amt für Jagd und Fischerei und dem Amt für Gewässerschutz abgestimmt und durch eine umfangreiche Datensicherung begleitet werden: Ein fischökologisches Monitoring an 6 Probestrecken, die kontinuierliche Aufzeichnung der weitergeleiteten Sedimentmengen sowie der dadurch verursachten Wassertrübung sind vorgeschrieben. Aus Gründen des Fischschutzes und fischereilicher Interessen muss die Saugbaggerung mit wiederholten Pausen erfolgen.

Dieser Pilotversuch ist für sämtliche Akteure Neuland: sowohl für die Behörden als auch für Alperia und die betroffenen Fischereirechtsinhaber. Deshalb gehen wir als Fischereiverband Südtirol davon aus, dass im Zuge der Durchführung Anpassungen notwendig sein könnten – oberste Priorität muss in jedem Fall der Gewässerschutz samt seiner Fischfauna sein.

Die 40.000 m3 an Sedimenten, die aus dem Stausee Franzensfeste entfernt werden sollen, entsprechen rund 60% der Sedimentfracht, die jährlich im Stausee Franzensfeste abgelagert wird. Somit wird das Fassungsvermögen des Stausees im Vergleich zum Vorjahr geringer – trotz des heurigen Pilotversuchs. Dennoch stellt dieser Pilotversuch einen extrem wichtigen Meilenstein für den Gewässerschutz in Südtirol dar. Ein vergleichbares Pilotprojekt wäre noch vor Jahren undenkbar gewesen – der erste wichtige Schritt der lang ersehnten Zeitenwende im Sedimentmanagement ist also getan! Die Auswertung des Pilotversuchs wird dann zeigen, wo nachgebessert werden muss.

Notiz am Rande: Auch im Stausee Kollmann wird Alperia im Sommer Saugbagger einsetzen. In einem Zeitraum von 10 Wochen sollen rund 30.000 m3 Sedimente talwärts verfrachtet werden, ebenfalls über das Triebwasser (des KW Karneid)

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (4)

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  • hansmaulwurf

    Sry, aber was soll den dieser Blödsinn?!!

    Ist zuviel Geld bei der Alperia vorhanden oder wie?
    jaja, das sind die Früchte der grünen Pest und unterm Strich sogar noch schlechter für die Umwelt. Das ist doch purer Populismus, betrieben auf unsere Kosten.

    Wie hoch sind denn nun die Kosten und gibts jemanden der dafür gerade steht falls es nichts bringt.
    Saugbagger bedeutet für mich keine Leistung + ständige Aufwirbelung von Schwebstoffen und somit einhergehenden höheren Verscheiß bei Turbine und co.

    Wie gesagt, totaler Blödsinn, während man die Sanität kaputtspart, bzw eine zweiklassen Sanität errichtet wird hier Geld aus dem Fenster geworfen.

    …UND DA BIN ICH DAGEGEN !

  • george

    @hansmaulwurf
    Wenn du meinst, kannst ja du als „Maulwurf“ den Schlamm auffresssen. Wahrscheinlich wäre das verträglicher als für die Fische.
    Auf eine dumme Aussage gibt es eine dumme Antwort in grotesker Art. 😀

  • kawazx110

    kannatn jo a gold suichn mit den bagga

  • morgenstern

    Man muss immer wieder staunen für was Geld zur Verfügung ist, und für was nicht, in diesem Land.

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