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Die Leichtigkeit des Seins

Portoferraio 2018 : Sitzen in der Pandemie wirklich alle im gleichen Boot?

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute der Brixner Fotograf Leonhard Angerer .

Wie geht´s?

Gut, danke der Nachfrage. Nur die Leichtigkeit des Seins ist weg !

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Hoffnungsvoll blickend auf das, was wieder kommen wird.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Arno Geiger „Unter der Drachenwand“.

Was ist Ihre erste Erinnerung?

Schlittenfahren auf der Landstraße.

Was wollten Sie als Kind werden?

Polizist.

Warum sind Sie Künstler geworden?

Weil der Beruf des Lehrers nicht so erfüllend war.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?

Nein, es war die klügste und die Kunst war meine Rettung

Wenn Sie nicht Künstler wären, wer oder was möchten Sie sein?

Politiker.

 

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?

Lewis Baltz  und Manfred Willmann.

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?

99 Cent II, Diptychon von Andreas Gurksky.

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?

Gerhard Richter.

Was würden Sie ihn/sie fragen?

Womit  er seine Foto-Serie über den Wald gemacht hat, also eine technische Frage.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

An meiner ja, an der der Anderen auch.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?

Glanz und Glamour und die Machtkonzentration in der Kunstwelt

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?

Nora&Julian, sie leben in Wien und dürfen nicht über die Grenze

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?

Da Landschaft mein bevorzugtes Subjekt ist, kann ich sofern es keine weiteren Ausgangsbeschränkungen gibt, weiter machen wie bisher. In den letzten zwei Monaten habe ich meine Lieblingslandschaften nur von weiten gesehen

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Kunst ist eine gute Möglichkeit diese Krise zu verarbeiten. Da ich gerne dokumentarisch arbeite, habe ich während des Lockdowns ein Bilder von einem menschenleeren Brixen gemacht und zwar als Beitrag des Artigathome Projekt das der Südtiroler Künstlerbund initiiert hat.

Wovor fürchten Sie sich?

Vor einem autoritären Staat. Zugleich vor einer neuerlichen Pandemie

Was fehlt Ihnen zum Glück?

All das was vor dem Lockdown möglich war: ein Leben  das ich jetzt nur in Bildern sehe.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Krankheit und der Verlust an Freiheit

Möchten Sie gerne reich sein?

Zweifellos, sehr reich sogar.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben?

Dass  nach der Pandemie alles anders wird so in Punkto Klima und  bedingungsloses Grundeinkommen. Das hätte es nämlich jetzt gebraucht.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil?

Dass Liberalismus und Globalisierung der Grund alles Übels wären.

Lieben Sie jemand?

 Meine Frau, meine beiden  Kinder und die Alpen

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Eigentlich schon.

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Zur Zeit den Haarschnitt.

Was ist Ihr größter Fehler?

Ungeduld und Skepsis.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Ausbeutung.

Wie alt möchten Sie werden?

Hängt vom Gesundheitszustand ab.

Wie möchten Sie sterben?

Schnell  schmerzlos und nicht im Bett.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Ich kann mir nicht vorstellen in früheren Jahrhunderten gelebt zu haben, ich habe auch keine Hinweise auf einen ewigen Kreislauf  in meinen Träumen gefunden, die ich jahrelang aufgeschrieben habe. Übrigens: Ein Glaube beweist nur das Phänomen des Glaubens, aber keineswegs den geglaubten Inhalt. Dieser muss sich empirisch offenbaren.

 

Zur Person

Leonhard Angerer 1953 in Terlan geboren lebt und arbeitet  in Brixen. Nach dem Studium der Politischen Wissenschaften in Padua  und  Praktika bei Durst Phototechnik die sein Vater damals leitet  beschäftigt er sich zunehmend mit Fotografie als Kunstform . Architektur, Landschaft und soziales Leben sind seine  drei Grundthemen. Hierbei nimmt er innerhalb des Südtiroler Kunstbetriebes eine kritisch – dokumentarische Beobachterhaltung ein. In jahrelangen aufwändigen Projekten hält er so zum Beispiel fest, wie sich die hochalpine Gletscherlandschaft verändert oder fotografiert seit 2007 alles, was sich im und um den Brennerbasistunnel ereignet. Er ist Mitglied des Südtiroler Künstlerbundes. Einzel und Gruppen-  Ausstellungen im In und Ausland, zuletzt  2019 im Künstlerforum Bonn/ Deutschland.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • george

    Die Leichtigkeit des Seins? Und doch etwas Unwohles dabei.
    Kenne dich einigermaßen recht gut, entdecke aber immer wieder neue Nuancen, die aus dir hervordrängen. So ist es gut. Beste Grüße von George (mein Maskenname). Vielleicht auch eine Kunst zu diesen Zeiten……..

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