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Mit Bildern, ohne Worte

„KURZ HALTEN“(Fineliner auf Papier, Passepartout mit rundem Ausschnitt): 200m weit, aber nur mit Hund an der Leine. Daran erinnert mich diese Arbeit.

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute die Völser Künstlerin Anuschka Prossliner.

Wie geht´s?

Gut.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Wechselhaft.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich höre gerade ein Buch: Thomas Bernhard, Wittgensteins Neffe.

Was ist Ihre erste Erinnerung?

Morgensonne im Kinderzimmer, draußen das regelmäßige Rauschen der Beregnungsanlagen.

Was wollten Sie als Kind werden?

Künstlerin oder Tänzerin.

Warum sind Sie Künstlerin geworden?

Ich wollte mit anderen in Kontakt treten, ohne dabei sprechen zu müssen.  Nur mit Bildern, ohne Worte.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?

Nein.

Wenn Sie nicht Künstlerin wären, wer oder was möchten Sie sein?

Tänzerin.

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?

Viele, aber niemand in Besonderem.

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?

“The Collector” von Francis Alÿs. Eine kleine unscheinbare Arbeit, mit großem Gedankenpotential.

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?

Francis Alÿs.

Was würden Sie ihn/sie fragen?

Ob ich ihn noch öfters treffen dürfte.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

Ständig.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?

Dass man sich doch immer mit Worten erklären muss.

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?

Wenig. Ich denke zu meiner Überraschung öfters an ein frisch gezapftes Bier.

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?

Jede neue Erfahrung beeinflusst unser Denken und unser Tun und wirkt sich auch  auf das Kunstschaffen aus. Ohne dass man dies irgendwo genau festmachen kann.

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Nicht direkt, aber viele Arbeiten, auch frühere, bekommen eine neue Lesensart.

Wovor fürchten Sie sich?

Nicht mehr zu wachsen. Als Mensch.

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Wenig. Aber es sind immer die Kleinigkeiten, die den großen Unterschied ausmachen.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Jemanden zu enttäuschen.

Möchten Sie gerne reich sein?

Reich ja, aber mit wenig Besitz.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben? 

Dass ich zu einer „Partylöwin“ avanciere.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil?

Dass die Kastelruther die schöneren Kühe, die Völser die schöneren Frauen hätten

Lieben Sie jemand?

Ja.

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Nicht immer.

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Meine Fußfesseln.

Was ist Ihr größter Fehler?

Inkonsequenz.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Menschen, die nach oben buckeln und nach unten treten.

Wie alt möchten Sie werden?

Ich will nicht alt werden. Ich möchte jung bleiben.

Wie möchten Sie sterben?

Schmerzlos, aber mit vollem Bewusstsein.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Das ist für mich keine willkommene Vorstellung.

 

Zur Person

Anuschka Prossliner, *1972, aus Völs am Schlern.  Studium an der Accademia di Belle Arti di Bologna und postgraduales Studium an der Facultad de Bellas Artes in Sevilla und Madrid.

Mehrere Preise und Ausstellungen im In-und Ausland, darunter Kefalé (Galleria Paolo Nanni, Bologna, 1996), In-segnAti da Bologna-Premiati Zucchelli 1963-2016 (Fondazione Zucchelli, Bologna, 2016), I was quiet but not blind (Museum Palais Mamming, Meran, 2018), No face (Kunsthalle West, Lana, 2018),  Premio Internationale dell’Università di Verona per l’Arte (Verona 2018), Wohin geht die Reise? (Künstlerforum Bonn/Galerie Prisma Bozen, 2019/2020), Life is not only Black and White (Stadtgalerie Salzburg).

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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