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„Wir hängen total in der Luft“

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Fällt die Bade-Saison wegen Corona ins Wasser? Die Südtiroler Schwimmbad-Betreiber sind auf Nadeln.

von Eva Maria Gapp

Karl Michaeler (Acquarena Brixen)

Die Acquarena verfügt nicht nur über ein Hallenbad, sondern auch über ein Freibad, eine Sauna und eine Fitness-Abteilung. Wenn man alles zusammen rechnet, dann fehlen uns pro Monat 290.000 Euro an Einnahmen. Natürlich fallen bei geschlossener Anlage auch geringere Betriebskosten an. Das zusätzliche Minus beträgt aber monatlich rund 120.000 Euro. Das Problem ist: Niemand weiß genau, wie lange die Krise anhalten wird. Was wir aber sehr wohl wissen ist, dass das Minus mit jedem Monat größer wird. Die Frage ist also, wie hoch wird der Verlust am Ende sein.

Wir können derzeit auch nicht sagen, ob oder wann das Schwimmbad wieder öffnen wird. Die Meinungen gehen diesbezüglich auseinander: Die lokale Politik wünscht sich, dass die Schwimmbäder wieder bald öffnen können. Andererseits werden Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus erlassen, wo es schwierig werden wird, diese in einem Schwimmbad umzusetzen. Einige unserer Verwaltungsräte gehen davon aus, dass die Frei-Bade-Saison dieses Jahr buchstäblich ins Wasser fällt. Man vermutet, dass die Saison erst wieder im September beginnt – und zwar mit den Hallenbädern.

Wie die Sicherheitsvorkehrungen für Freischwimmbäder ausschauen werden, weiß man noch nicht und vor allem wie diese in der Praxis umsetzbar sind. Fraglich ist etwa, wie man das mit den Mindestabständen im Freibad gewährleisten will. Es ist meines Erachtens fast nicht möglich, Menschenansammlungen in einem Schwimmbad zu vermeiden. Wir können nicht dafür sorgen, dass jeder zwei Meter Abstand zu seinen Mitmenschen hält. Da braucht es dann schon sehr viel Selbstdisziplin seitens der Besucher. Und wenn nur eine gewisse Anzahl an Badegästen ins Schwimmbad kommen darf, heißt das auch, dass es einen Einlassstopp geben wird. Ich denke mir, dass das bei der Bevölkerung nicht gut ankommen wird.

Arnold Thum (Cron4, Schwimmbad Bruneck)

Die finanzielle Belastung ist enorm. Dadurch, dass wir nicht nur ein Freibad, sondern auch ein Hallenbad haben, das eigentlich ganzjährig geöffnet ist, fallen die Verluste entsprechend höher aus. Wir haben auch einen großen Sauna-Bereich. Diese Einnahmen fallen jetzt komplett weg.

Bis Ende Mai werden wir einen Verlust von 600.000 Euro haben. Wenn die Saison aber wirklich ins Wasser fällt und wir erst wieder im Herbst öffnen können, haben wir sicherlich ein sehr großes Minus. Wir haben rund 50 Mitarbeiter, die weiterhin ihren Lohn bekommen und auch sonst haben wir Fixkosten, die zu bezahlen sind. Zwischen 85.000 und 95.000 Euro Fixkosten sind es im Moment.

Wie es jetzt weitergeht, wissen wir nicht. Ein, zwei Mitarbeiter kümmern sich derzeit um die Außengestaltung, ansonsten bereiten wir uns, so gut es geht, auf die Eröffnung vor. Wir hoffen, dass wir im Juni wieder öffnen können. Wir haben zwar hohe Verluste, aber ich würde trotzdem nicht die Bade-Saison ausfallen lassen. Es steht ja im Raum, dass dieses Jahr die Freibad-Saison komplett ins Wasser fällt. Aber ich sage: Das darf nicht passieren. Das Freibad ist eine soziale Einrichtung, ein Ort, wo sich Menschen treffen können, Spaß haben und sich sportlich betätigen können. Die Kinder und Jugendlichen hätten keine Freizeitbeschäftigung, auch die Schwimmvereine könnten nicht mehr trainieren. Das wäre eine Katastrophe.

Hier muss einfach die Politik handeln und gemeinsam mit den Betreibern ein Konzept ausarbeiten, wie die Menschen trotzdem ins Schwimmbad gehen können. Da müssen sich alle an einen Tisch setzen und das gemeinsam entscheiden. Ich könnte mir einen eingeschränkten Betrieb gut vorstellen.

Verena Steinegger (Lido Neumarkt)

Normalerweise eröffnen wir die Badesaison am 15. Mai, doch heuer ist alles anders. Wegen Corona werden wir nicht planmäßig starten können. Die Situation ist momentan sehr ungewiss. Wir wissen nicht, wann die Freibäder aufsperren dürfen.

Es wird zwar davon geredet, dass die Saison Mitte Juni starten könnte. Wir arbeiten auf dieses Datum hin, aber das ist nicht bestätigt. Wir müssen jetzt abwarten, was entschieden wird. Wir hoffen das Beste und bleiben optimistisch.

Die Vorbereitungen laufen bereits: Der Außenbereich und die Liegewiese wurden hergerichtet, kleine Sanierungsarbeiten werden durchgeführt und die Mitarbeiter warten nur darauf, die Becken reinigen und auffüllen zu können. Wir wollen bereit sein, wenn das „Go“ kommt.

Ich gehe auch nicht davon aus, dass die Badesaison total ins Wasser fällt. Es wird zwar strenge Auflagen geben, aber dass wir total zubleiben müssen, glaube ich nicht. Die Situation hat sich ja mittlerweile verbessert, es gibt weniger Neuinfektionen und auch in den Krankenhäusern gibt es weniger Intensivpatienten. Und bis Mitte Juni ist es noch eine lange Zeit. Bis dahin werden wir auch wieder verstärkt rausgehen können. Die Schwimmbäder dann nicht zu öffnen, wäre auch keine Lösung. Die Menschen sollen sich nach diesen schwierigen Wochen auch auf etwas freuen können.

Wir haben in Neumarkt auch zwei große Liegewiesen, auf denen der Sicherheitsabstand gut eingehalten werden könnte. Was ich aber für nicht realistisch halte, ist, Plexiglasscheiben in den Liegewiesen aufzustellen, so wie es auf den Stränden in Italien geplant wird. Das bringt gar nichts. Das sind enorme Kosten, die damit einhergehen, das Glas würde viel zu heiß werden, und die Menschen würden dann auch nicht mehr ins Schwimmbad kommen. Das wäre zu viel des Guten. Hier muss auf die Eigenverantwortung der Menschen gesetzt werden. Und auch die Anzahl der Gäste auf 100 pro Tag zu reduzieren, das wäre ja derzeit der Plan, ist nicht realistisch. Das ist nicht nur aus finanzieller Sicht nicht möglich, sondern auch aus organisatorischer Perspektive. Im letzten Jahr hatten wir an den Sonntagen mehr als 2.500 Besucher im Schwimmbad, und jetzt sollen es nur mehr 100 sein, wie soll das funktionieren? Das steht in keiner Relation. Pro Saison haben wir zwischen 60.000 und 80.000 Gäste.

Hanspeter Mair (Lido Montiggl)

Wir hängen komplett in der Luft. Keiner weiß derzeit, ob und wann die Freibäder öffnen dürfen. Ohne Corona hätten wir Ende Mai, Anfang Juni aufgemacht, doch selbst das wird ins Wasser fallen. Ich rechne also mit hohen Verlusten.

Insgesamt sehr ich der kommenden Saison mit Sorge entgegen. Denn sollte es wirklich zu einer Öffnung kommen, stellt sich auch die Frage, wie das mit den Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt werden soll. Es wird sicherlich Zugangsbeschränkungen und strenge Auflagen geben. Das bedeutet aber auch, dass wir weniger Besucher empfangen können. Wirtschaftlich gesehen ist dies eine Katastrophe.

Auch in einer „normalen“ Saison müssen wir wirklich schauen, dass wir alle Kosten decken können. Dann kann man sich vorstellen, wie das wäre, wenn nur mehr eine begrenzte Anzahl an Gästen hereingelassen wird. Das wäre ein solches Verlustgeschäft, dass ich den Laden überhaupt nicht aufsperren könnte. Es würde sich einfach nicht rentieren. Das würden zigtausende Euro Verlust bedeuten.

Wir haben einfach hohe Kosten, die anfallen, auch wenn wenig Gäste vor Ort sind: Die Liegewiese und der Außenbereich muss ständig in Schuss gehalten werden, die tägliche Reinigung muss durchgeführt werden, es braucht Personal an der Kassa, im Shop und für die Aufsicht. Die drei Bademeister müssen auch immer vor Ort sein, weil diese nicht nach Anzahl der Gäste sondern nach Größe des Schwimmbads berechnet werden. Dann kommen noch die Kosten für Instandhaltungsarbeiten sowie der Wasserverlust dazu. Und was man auch nicht vergessen darf: Wir sind auch sehr vom Wetter abhängig. Es braucht nur ein paar Wochen durchzuregnen, und schon brechen uns die Einnahmen weg.

Wenn man die Situation also rein wirtschaftlich betrachten würde, wäre es für uns sogar besser, wenn wir diese Saison nicht mehr aufsperren müssten. Für die Bevölkerung wäre das aber eine Katastrophe. Viele werden dieses Jahr auch nicht in den Urlaub fahren, sondern die Zeit hier in Südtirol verbringen, es wäre also sehr schlimm, wenn sie dann nicht ins Schwimmbad gehen könnten.

Erwin Götsch (Lido Lana und Algund)

Ich gehe davon aus, dass wir Mitte Juni starten können. Es wird zwar einige Auflagen geben, wir werden sicherlich weniger Gäste reinlassen dürfen, aber ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen werden.

Ich habe auch schon eine Idee, wie ich das im Lido Algund und im Lido Lana umsetzen könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass man dieses Jahr nur mehr die Einheimischen ins Lido lässt. Damit meine ich, dass ins Lido Algund nur mehr Algunder rein dürfen, ins Lido Lana nur mehr Lananer. Dadurch würden gleich einige Besucher weg fallen. Überprüfbar wäre das über die Identitätskarte. Das müsste man natürlich noch mit den Gemeinden und Verantwortlichen absprechen, aber das wäre eine Idee.

Wenn es aber wirklich soweit kommen sollte, dass wir nur 100 Besucher pro Tag reinlassen dürfen, hätte ich ein echtes Existenzproblem. Ich könnte dann meine Kosten nicht mehr decken. Ich muss ja die Bademeister bezahlen, das Wasser aufheizen, den Strom zahlen usw. Ich hoffe aber, dass es nicht soweit kommen wird.

Ich denke immer positiv, weshalb ich auch nicht glaube, dass die Bade-Saison dieses Jahr total ins Wasser fällt. Es wäre zumindest schade, wenn wir wegen Corona nicht aufmachen könnten und alle Vorbereitungen umsonst wären. Denn ich wäre bereit. Wir könnten bereits morgen anfangen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • andreas

    Schwimmbäder waren schon vor der Krise selten rentabel.

    Sinnvoller wäre es die Wiese mit Bändern in nummerierte verschieden große Quadrate einzuteilen und je nach Größe der Familie, diese den Besuchern zuweisen.

    Dass dann zwischen den Quadraten, der Abstand einzuhalten ist, sollte bzw. muss man den Leuten schon zutrauen. Anders als Vertrauen in die Leute zu haben, geht es sowieso nicht.

    Auch wäre vielleicht eine Möglichkeit, die Quadrate 2x am Tag oder stundenweise zu besetzen, um mehr Umsatz zu generieren.
    Nicht optimal für die Besucher, doch sind diese nicht bereit, Kompromisse einzugehen und das Schwimmbad etwas zu unterstützen, gibt es halt nächstes Jahr keines mehr.

    Das Land scheint es momentan nicht recht auf die Reihe zu bekommen, genügend Geld zu mobilisieren und auch nicht, dieses zu verteilen. Ein Kredit für ein Schwimmbad, welches schon in normalen Zeiten nicht wirklich Geld verdient, ist etwas abwegig.

    • leser

      Anderle
      Du hast wiedereinnahmst mehr recht
      Ich würde auch nicht so unnütze Ausgaben wie ein Schwimmbad für den kleinen Mann mit öffentlichen Geldern finanzieren
      Da macht es schon mehr Sinn dass man die Förderungen direkt an die Strukturen der ebners, der oberrauchs , gummerers, Krampfs usw. direkt überweist , damit die sich ihre schnäppcheneinkäufe und Übernahmen risikolos angehen können obendrein schauen die dann noch darauf dass ein Bürgerschaft einmal im Jahr ein Auto gewinnen kann
      Wozu auch sinnlos Geld für soziale Einrichtungen ausgeben wenn machertypen wie ebners und co viel besser damit umgehen können

  • leomair

    Alles Gut und Recht Andreas.
    Im Hochsommer ist es im Haus am kühlsten
    Wenn man sich dann im Schwimmbad auf eine Liegewiese begibt braucht man auch eine vernünftige Abkühlungsmöglichkeit für den Körper, es können nicht alle Personen kalt duschen
    Das ist auch zum Berücksichtigen

  • andreas

    @leomair
    Hätte Gott gewollt, dass wir immer in der Sonne sind, hätte er wohl keine Sonnenschirme erfunden. 🙂

    Ob es zuhause am Kühlsten ist, ist doch nicht das Thema, wenn einer ins Schwimmbad will, soll er auch die Möglichkeit dazu haben. Nur wegen dem Virus, werden die Strukturen doch nicht unnütz.
    Es besteht ja die Möglichkeit ins Wasser zu gehen, um sich abzukühlen oder wenn man Glück hat, bekommt man vielleicht eine Platz unter einem Baum oder einem größeren Strauch zugewiesen.

    Es gibt momentan leider für viele Sachen, welche bis jetzt selbstverständlich waren, keine equivalente Lösung. Wir müssen uns wohl alle mit Kompromissen abfinden und darauf hoffen, dass alle sich in irgendeiner Form gegenseitig unterstützen, um nicht einen hohen Prozentsatz an Unternehmen zu verlieren.

    So wie die Betreiber der Schwimmbäder auf das Verständnis der Besucher angewiesen ist, sind wohl auch viele Besucher in ihrem Job auf das Verständnis der anderen angewiesen.

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