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Virtueller Kassiansonntag

Ohne die Gläubigen beim Gottesdienst im Brixner Dom, ohne die Kassiansprozession mit den Reliquien durch die Straßen von Brixen und ohne den Segen auf dem Domplatz hat die Diözese am Sonntg das Hochfest ihrer Patrone Kassian und Vigilius begangen.

Bei seiner Predigt hat Bischof Ivo Muser die Rolle des Glaubens in der aktuellen Gesellschaft auf den Punkt gebracht: „Viele Menschen können mit Glaube und Kirche nicht mehr viel anfangen. Aber ist es meine feste Überzeugung, dass die Weitergabe des Glaubens ein Dienst für ein werteorientiertes Zusammenleben ist.“

Das Hochfest der Diözesanpatrone Kassian und Vigilius, das seit über 300 Jahren in Brixen feierlich begangen wird und zuletzt 1945 ohne Prozession stattfand, musste heuer wegen der Coronakrise in ungewohnter Form gefeiert werden: Bischof Muser stand einem Pontifikalamt im Brixner Dom unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor, auch die traditionelle Prozession konnte nicht stattfinden. Am Ende des Gottesdienstes spendete Bischof Muser anstelle des üblichen Segens auf dem Domplatz den Apostolischen Segen mit einem vollkommenen Ablass.

In seiner Predigt ging Bischof Muser auf die Rolle des Glaubens in der heutigen Gesellschaft ein: „Wir wissen es alle: Der Glaube und die Weitergabe des Glaubens stehen heute vor großen Herausforderungen. Wir erleben es oft in der nächsten Umgebung, dass Menschen mit Glaube und Kirche nicht mehr viel anfangen können. Es braucht heute oft Zivilcourage, um die Werte des Evangeliums zu Gestaltungsprinzipien unseres konkreten Lebens und auch unserer Gesellschaft zu machen. Dabei ist es meine feste Überzeugung: Die Weitergabe dieses Glaubens ist ein Dienst für ein werteorientiertes Zusammenleben der Menschen! Der Verlust an Glaubenssubstanz und Glaubenspraxis wirkt sich negativ aus für die ganze Gesellschaft.“

Bezug nehmend auf die Diözesanpatrone Kassian und Vigilius sagte der Bischof:

„Sie stehen für die Glaubensgeschichte in unserem Land. Sie als unsere Diözesanpatrone zu feiern, bedeutet: Darüber nachdenken, wie unser Leben, aber auch unser Zusammenleben in unserer Gesellschaft ausschauen würden, wenn wir von Jesus und seiner Botschaft tatsächlich nichts mehr wüssten. Wir warten in diesen Tagen darauf, dass wir wieder öffentliche Gottesdienste feiern können, weil wir davon überzeugt sind, dass eine bloß virtuelle Gottesdienstgemeinschaft über die Medien auf Dauer nicht genügt. Ob wieder viele durch die Erfahrung der vergangenen Wochen gespürt haben, was uns alles fehlt ohne die gemeinsamen Gottesdienste? Ob die gemeinsame Eucharistiefeier wieder eine Priorität bekommt? Die gemeinsame Gottesdienstfeier am Sonntag, die immer Kommunion mit Jesus und mit seinen Brüdern und Schwestern bedeutet, hat in den vergangenen Jahren auch bei uns dramatisch abgenommen. Nur offene Kirchen und viele Gottesdienstangebote allein genügen noch nicht, wenn der Glaube an die Gegenwart des Auferstandenen in seinem Wort, in seinen Sakramenten und in seiner Kirche fehlt!“

Apostolischer Segen

Am Ende des Gottesdienstes hat Bischof Muser im Namen des Papstes allen Anwesenden und allen, die über die Medien mit verbunden waren, den Apostolischen Segen erteilt. Damit ist ein vollkommener Ablass verbunden, der die Beichte und den Empfang der Kommunion in den kommenden Wochen vorsieht. Den Apostolischen Segen mit vollkommenen Ablass kann der Bischof in seiner Diözese dreimal im Jahr an den von ihm bestimmten hohen Festtagen erteilen.

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