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„Wie Aussätzige behandelt“

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Die Ehefrau eines Arztes erzählt, wie sie im Alltag diskriminiert werden – und und sie spricht über die Angst, dass sich ihr Mann ansteckt und stirbt. 

von Eva Maria Gapp

Eigentlich wollte sich Lena (Name geändert) nicht an die Öffentlichkeit wenden. Doch die momentane Situation belaste sie zu sehr: Die Angst, ihr Mann könne sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus infizieren, die Diskriminierung im Alltag und die Ungewissheit, die schwer auszuhalten sei. „Ich leide sehr“, sagt sie.

Lena, die ihren richtigen Namen in der Zeitung nicht lesen möchte – zu groß ist die Angst vor noch mehr Ausgrenzung – hat sich an die TAGESZEITUNG gewandt. Ihr Mann ist Arzt und arbeitet auf einer Covid-19-Station.

Sie möchte erzählen, wie sie sich als Ehefrau, als Angehörige fühlt, was ihr am meisten zu schaffen macht. „Es ist eben nicht so leicht, damit umzugehen, wie immer vermittelt wird“, sagt sie.

„Mein Mann arbeitet jetzt schon seit vielen Wochen auf der Covid-19-Station. Dort tut er alles dafür, dass es diesen Menschen besser geht, dass sie wieder gesund werden. Wenn es aber jemand nicht schafft, geht es nicht spurlos an ihm vorbei. Er macht sich dann Gedanken darüber. Doch meine größte Angst ist, dass er sich infiziert und ich ihn dann verliere“, erzählt sie. Zumal ihr Mann zur Risikogruppe gehört.

Sie sei es zwar gewohnt, dass ihr Mann immer schon einer gewissen Gefahr ausgesetzt war, aber dieses Mal sei es anders: „So etwas haben wir noch nie erlebt. Das Virus ist neu und hochansteckend. Es gibt nach wie vor kein Medikament und keine Impfung. Und in Italien sind bereits viele Ärzte an Covid-19 gestorben“, sagt Lena und erzählt weiter. „Oft habe ich mich ins Bett gelegt und einfach nur geweint. Mir kamen die schlimmsten Gedanken: Was tue ich, wenn er nicht mehr da ist? Wie wird dann mein Leben aussehen, kann ich das überhaupt verkraften?“

Mit ihrem Mann habe sie nie darüber geredet: „Er weiß, dass es nicht einfach für mich ist. Aber, dass es mir manchmal so schlecht geht, sage ich ihm nicht. Ich will ihn damit nicht noch mehr belasten. Ich weiß, dass auch er an seine psychischen und physischen Grenzen kommt“, sagt sie. Er habe auch Angst, das Virus mit nach Hause zu bringen. „Er möchte mich nicht anstecken“, sagt Lena, die angefangen hat, ihre Gefühle und Ängste niederzuschreiben. „Das hilft mir.“

Doch nicht nur die Angst um ihren Mann, beschäftigt Lena. Seit einiger Zeit werden sie und ihr Mann im Alltag ausgegrenzt: „Wir werden wie Aussätzige behandelt, nur weil mein Mann im Krankenhaus arbeitet und Covid-19-Patienten behandelt. Es wird so getan, als ob wir infiziert wären“, erzählt Lena. „Auf der Straße grüßt uns kaum noch jemand, und auch Nachbarn, mit denen wir sonst immer gesprochen haben, ignorieren uns jetzt. Viele wechseln sogar die Straßenseite.“

Lena stimmt dies sehr traurig: „Das macht mich wirklich traurig und nachdenklich, wie manche Menschen mit einem umgehen. Wenn mir das vor einem halben Jahr jemand erzählt hätte, hätte ich es nicht geglaubt.“ Viele seien zwar dankbar und froh, was Ärzte und Pfleger tagtäglich leisten würden, doch es komme im Alltag auch zu Diskriminierungen.

Mit diesem Problem sind Lena und ihr Mann aber nicht alleine: „Wir sind nicht die Einzigen. Einige Kollegen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Menschen scheinen einfach Angst zu haben“, so Lena.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • andreas

    Es geht wohl nicht um Diskriminierung, sondern dass die Leute Angst haben, sich zu infizieren, was durchaus verständlich ist, Sanitätspersonal und deren Angehörige sind nun mal hoch gefährdet sich anzustecken.
    Nicht zu grüßen oder Nachbarn die nicht mehr mit einem reden, sind Idioten, das waren sie dann aber schon vor dem Virus.

    • goggile

      Hallo Andreas, auch wenn ich Die Textisch nicht ausstehen kann, so non ich Dich froh dass es Sie noch gibt. Dachte schön Ihnen wäre was zugestossen. Alles Gute.

    • martasophia

      Liebe Frau Lena,
      ich wechsle derzeit auch die Straßenseite, insbesondere wenn junge Menschen mir ohne Mundschutz begegnen. Ich tu das nicht um andere auszugrenzen, sondern weil ich zu einer Risikogruppe gehöre. Ich lächle und winke diesen Leuten wohlwollen zu. Versuchen Sie das einmal, Sie werden staunen, was ein freundliches Lächeln und Zuwinken für Wirkungen hat. Ich kann ihre Ängste aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen und verstehen. Nur sollten Sie Vorsicht walten lassen, dass sie andere nicht möglicherweise mit Ihrer Angst infizieren. Warum rufen Sie nicht Ihre Nachbarn an und sprechen mit denen über Ihre Ängste und wie sehr es Sie verletzt, dass man Ihnen aus den Weg geht.

  • bernhart

    Frau Lena ich kann verstehen wie Ihnen zumute ist,leider sind die Mitbürger in dieser schwierigen Zeit alle gereizt, dass sie nicht grüssen ist schon eine Frechheit,aber eines können Sie sein, auf Ihren Mann stolz,der sein Leben aufs Spiel setzt um anderen zuhelfen.
    Frau Lena wünsche Ihnen viel Glück und Euch als Familie Gesundheit.
    Auch diese schwierige Zeit wird vergehen.

  • hallihallo

    das ist doch allgemein so. die leute wechseln straßenseite, da sie abstand halten wollen, wie ihnen befohlen wurde und wird. wegen der halstücher oder dem mundschutz erkennt man die anderen schwer und gegrüßt wird zwar mit nicken, aber gesprochen wird mit niemanden, als hätten alle die pest.
    es ist keine schöne zeit.

  • george

    Von ferne winken, zulächeln oder nicken, wenn einem zumute ist und getrost des Weges gehen, wenn die Gegenseite sich nicht räuspert. Dann hat er/sie vielleicht ebenso Probleme mit dieser Situation. Es ist sicher nicht leicht. War einst selber kurze Zeit in dieser Situation der direkten Ansteckungsgefahr, wann ich in der klinischen Bakteriologie ausgewertet habe.

  • zeit

    Wünsche Dir alles beste.
    Halte noch durch,wir sind auf den Weg zum Guten.

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