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„Herr BM, seien Sie mutiger“

Andreas Widmann

Der Bozner Anwalt Andreas Widmann ist der Erstunterzeichner eines Appells an den Bozner Bürgermeister, die Einschränkungen zu lockern.

Der Bozner Anwalt Andreas Widmann hat einen öffentlichen Appell an Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi gerichtet, in dem er diesen bittet, er solle nicht hinter der (eh schon sehr restriktiven) Verordnung des Landeshauptmannes zurückbleiben.

Einige Einschränkungen – wie etwa jene zur Mobilität – seien unverhältnismäßig, so Widmann. Der Anwalt (und Bruder des Gesundheits-Landesrates) gesteht dem Bürgermeister zu, dass diesem das Wohl der Bevölkerung am Herzen liege.

Allerdings, so Widmann: Die Grundrechte dürften nur für die absolut unerlässliche Zeit ausgesetzt werden.

Das ist der Brief im Wortlaut:

„Lieber Herr Bürgermeister,

wir wissen, dass Ihnen derzeit noch mehr als in gewöhnlichen Zeiten vor allem das Wohl unserer Stadt und ihrer Bevölkerung am Herzen liegt.

Wir sind uns bewusst, wie schwierig es ist, bei Sturm auf der Brücke zu stehen und in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Uns ist klar, dass es zunächst darum ging, mit –fast- allen Mitteln die Flutwelle zu brechen, die über Italien aber auch über Südtirol und die Landeshauptstadt hereingebrochen ist und sich dann über die ganze Welt verbreitet hat.

Es war notwendig, die Kontrolle zurückzugewinnen und den Zusammenbruch, nicht nur des Gesundheitssystems, zu vermeiden.

Aber:

Grundrechte dürfen niemals ganz und jedenfalls immer nur im absolut notwendigen Ausmaß und nur für die absolut unerlässliche Zeit ausgesetzt oder eingeschränkt werden.

Die Einschränkung der Grundrechte muss verhältnismäßig zum verfolgten Ziel sein.

Vollzug und Kontrolle müssen immer das notwendige Augenmaß bewahren.

All das war nicht immer der Fall.

Wo stehen wir jetzt? Was wissen wir inzwischen? Was können wir zulassen?

Die Zahl der Neuerkrankungen geht trotz Verbreiterung der Tests konstant zurück, die Belegung der Intensivbetten sogar stark. Herde wurden erkannt und isoliert, die Verbreitungswege sind bekannt. Es ist vor allem Tröpfcheninfektion durch Körperflüssigkeit. Ansteckung im Freien bei kurzen Aufeinandertreffen spielt dabei mit Sicherheit eine absolut geringfügige, wahrscheinlich sogar überhaupt keine Rolle. Wichtig ist vielmehr die Wahrung von Distanz zwischen nicht zusammenlebenden Menschen, und Gesichtsschutz bei etwas näherem Kontakt.

Sinnlos und nicht verhältnismäßig ist die radikale Einschränkung von Mobilität oder von bestimmten Tätigkeiten als solche.

Andere Länder und Städte machen es vor: trotz weniger einschneidender Restriktionen haben sie die Ausbreitung relativ schnell unter Kontrolle bekommen.

Die Landesregierung hat das erkannt und mit der Verordnung Nr. 20 vom 13. April hat der Landeshauptmann eine bestimmte Öffnung zugelassen; aus unserer Sicht hätte man mutiger sein können aber, Herr Bürgermeister, wir, Bozner Bürger, Pendler  und Wirtschaftstreibende appellieren an Sie:

Bleiben Sie nicht hinter der Verordnung des Landeshauptmannes zurück!  

Dafür gibt es keinen sachlichen Grund.

Wir werden es Ihnen danken.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (15)

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  • billy31

    Ich bin ein totaler Verfechter der getroffenen Maßnahmen und hätte sogar von Anfang an Maskenpflicht verordnet. Wir hätten uns sicher tausende Infektionen erspart!! Aber irgendwann muss man, wenn auch schrittweise und unter Vorsichtsmaßnahmen zurück. Wenn es nicht klappt: Handbremse ziehen!!!
    Alte Menschen und Sanitätspersonal muss man besser schützen!!

    • fronz

      …alte Menschen muß man schützen vor diesen Idioten.

    • besserwisser

      ich werde mich jetzt dann bald unter artenschutz stellen lassen. es gibt nur mehr weniger die es schaffen ihren mund zu halten und die situation auszustehen ohne sich zu artikulieren, auf fb einen vortrag zu halten, einen offenen briefn an einen landesrat, an einen bürermeiser usw. …. geschrieben zu haben.
      mein gott, gibt es wirklich so viele experten und gescheite bei uns?????

    • saustall_kritiker

      Bravo Herr Widmann Andreas (nicht Thomas)!
      Dass man hier mit Hausverstand und nicht wie die Gemeinde Bozen mit Meterband messen sollte ist wohl klar. Es kommt nämlich stark darauf an, wo ich von Bozen aus hingehe, um mich in der Luft zu erholen und nicht auf die Meter. Angenommen ich wohne in Zwölfmalgreien und gehe über den einsamen Wanderweg vorbei an St. Magdalena hinauf nach Himmelfahrt am Ritten. Mit einiger Sicherheit begegne ich keinem Menschen, deshalb kann ich es auch machen, da kann mir kein praxisfremder Bozner Bürgermeister dreinreden. Oder ich wohne in Haslach und gehe auf den Virgl und weiter nach Kohlern. Alles kein Problem… und ist weiter als 400 m, aber gut für meine Psycho; da sind mir die Bozner Paragraphenreiter oder jene von Karneid sowas von wurscht..Anders ist es wenn ich in großen Gruppen auf der Talferpromenade eng aneinander gehe. Also wie gesagt: Hausverstand ist gefragt, nicht Paragraphenspalterei alla Gemeinde Bozen.

  • zusagen

    Ganz schön herausfordernd oder will hier gar jemand drohen?

  • zusagen

    Die 400m finde ich auch nicht in Ordnung, aber wer eindeutig den Sicherheitsabstand nicht einhält, keinen Atemschutz trägt oder jene die sich mit anderen versammeln sollten kräftig zur Kassa gebeten werden

  • roger1987

    Da setzt sich jemand für den Erhalt der Grund- und Freiheitsrechte ein und fordert ein wenig Hausverstand bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen und dann muss man solche Kommentare lesen?? Das ist eigentlich unfassbar beschämend. Allerdings stützen diese Kommentare die anfängliche Hypothese, dass das Virus auch das zentrale Nervensystem befallen soll. Das wäre eine plausible Erklärung dafür, wie es möglich ist in kürzester Zeit zu einem Freund totalitärer Maßnahmen zu mutieren. Wenigstens können wir uns, wie es aussieht, die Antikörpertests sparen, die den Durseuchungsgrad feststellen sollen. Denn wenn Corona wirklich dumm macht, und diese Kommentare zeugen davon, dann sind wir von der Herdenimmunität nicht mehr weit entfernt. Na wenn das keine gute Nachricht ist.

  • freitag

    in dieser Krise ist eigentlich genug Widmann drin.

    • osterhase

      Wenn man Artikel liest und die Zahlen anschaut haben die aber viel mehr infizierte und Tote als die Länder rundherum.
      “Norwegen hat doppelt so viel Tests gemacht aber nur halb soviel Infizierte und nur ein zehntel Todesopfer. Der Artikel ist irgendwie an den Fakten vorbeigeschrieben .

  • sougeatsnet

    Die eigene Freiheit hört dort auf, wo man die Freiheit anderer beschneidet. Das Gelabere der Grundrechte ist da typisch für Bürokraten. Der Absatz „Die Zahl der …“ enthält nur Unwahrheiten. Die Infektionsherde hat man bei uns eben nicht im Griff. Dort vermute ich den Schwachpunkt des italienischen Gesundheitssystems.

  • kawazx110

    fakt ist werden unsere probleme nie lösen aber ohne diesen staat sicher weniger probleme hoffe politikt erkennt das mal autonmie ist längst überfellig sieht man in dieser zeit noch mehr manchmal ist weniger mehr

  • heinz

    Mutiger hieße überhaupt nicht aus dem Haus.

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