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Verschwundener Schriftzug

Mit einem gut sichtbaren Schriftzug wollten die AVS-Ortsgruppen der Gemeinde Brenner gegen die Verbindung der Skigebiete Ladurns und Roßkopf protestieren. Doch dieser wurde umgehend entfernt.

von Markus Rufin

Vor rund einer Woche wurde die neue Aufstiegsanlage „Wastenegg“im Skigebiet Ladurns eingeweiht. Zur Einweihung der neuen Umlaufbahn kam eine stattliche Anzahl von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, sowie der lokalen Gastronomiebetriebe.

Die Aufstiegsanlage ist für das Skigebiet eine enorm wichtige Investition. Damit soll die Attraktivität deutlich gesteigert werden. Es ist die zweite Anlage, mit der nun das gesamte Gebiet erschlossen wird.

Doch bereits seit längerem beabsichtigt vor allem die Liftgesellschaft Ladurns eine Verbindung mit dem Skigebiet Rosskopf. Beide Skigebiete sind relativ klein und möchten nun den nächsten Schritt machen.

Eine umfangreiche Machbarkeitsstudie wurde nur wenige Tage vor Weihnachten vom Gemeinderat der Gemeinde Brenner einstimmig genehmigt. Man möchte also meinen, dass die Verbindung in der Gemeinde Brenner nur gutgeheißen wird.

Doch das ist nicht so. Seitdem über die Verbindung der beiden Gebiete nachgedacht wird, wird sie auch kritisiert. Insbesondere der Alpenverein hat sich bereits des Öfteren gegen die Verbindung ausgesprochen. Der AVS ist der Überzeugung, dass die Verbindung auch von den Bürgern kritisiert werden würde, wenn diese nur Informationen bekämen: „Wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um eine Investitionssumme von sage und schreibe 50 Millionen Euro handelt, dann wäre zumindest eine Bürgerversammlung wohl dringend notwendig gewesen.“Doch bisher gab es diese nicht.

Größter Kritikpunkt des AVS: Die Verbindung wird aller Voraussicht nach drastische Eingriffe in die Naturlandschaft zur Folge haben und die Flora und Fauna in Mitleidenschaft ziehen. Teilweise handle es sich sogar um Landschaftsschutzgebiet, so der AVS.

Bisherige Proteste des Alpenvereins wurden bisher nicht groß beachtet. Vor allem wegen der richtungsweisenden Entscheidung im Gemeinderat haben die AVS-Ortsgruppen der Gemeinde Brenner sich nun dazu entschlossen, ihren Protest deutlicher zu vermitteln.

Das sollte bei der Einweihungsfeier der neuen Umlaufbahn geschehen. Denn neben zahlreichen Gemeindepolitikern, die vor Ort waren, kam auch Landeshauptmann Arno Kompstscher am Samstag, 11. Jänner nach Ladurns.

Der AVS wollte klar vermitteln, dass nicht alle Bürger mit Ausbauplänen einverstanden sind. Daher wurde mit Erde auf Schnee am Steilhang oberhalb der Edelweißhütte unter dem Wetterkreuz ein Schriftzug angebracht. Der Wortlaut: „Stop der Liftverbindung“.

Aufgrund der Größe und der Position wäre der Schriftzug bei der Einweihungsfeier gut sichtbar gewesen. Aber noch bevor die Gäste in Ladurns eintrafen, wurde der Schriftzug zerstört und entfernt (siehe Foto). Dadurch wurde der Protest des Alpenvereins also vertuscht.

Der AVS glaubt, dass die Anordnung für die Entfernung des Schriftzuges von August Seidner, dem Präsidenten der Liftgesellschaft Ladurns, kam. Denn es sollte keinesfalls der Eindruck vermittelt werden, dass es Bürger gibt, die sich gegen dieses Vorhaben aussprechen.

Seidner selbst reagierte überrascht, als er durch die TAGESZEITUNG mit den Anschuldigungen konfrontiert wurde: „Das war eine Nacht- und Nebelaktion. Ich wusste bisher weder, wer den Schriftzug angebracht hat, noch wer ihn entfernt hat.“Von ihm sei die Anordnung zur Entfernung nicht gekommen.

Seidner bezeichnet die Aktion als feige: „Wenn der AVS etwas dagegen hat, dann hätte er das sagen sollen und nicht einfach nur den Schriftzug platzieren, ohne irgendjemand zu informieren. Wir lassen andere Meinungen ja zu, aber das war eine Aktion, über die niemand informiert war.“

Der Alpenverein sah sich jedenfalls dazu gezwungen, die Vorgehensweise öffentlich zu machen und seine Einwände zur Machbarkeitsstudie in einer Stellungnahme bei der Gemeinde zu deponieren.

„Demokratie und Transparenz, von denen sich unsere Politiker gerne den Mund voll nehmen, sieht jedenfalls anders aus“, so der AVS.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (7)

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  • hades_x

    Als Bürger der Gemeinde Brenner und ehemaliges Gemeinderatsmitglied kann ich den Aussagen des AVS nur zustimmen. Es herrscht in der hiesigen Gemeindepolitik keine Transparenz mehr, auch nicht die Gemeinderäte werden bei solchen Projekten in die Details eingeweiht, besonders wenn wieder einmal die „üblichen Beteiligten“ Unternehmer aus dem Wipptal dahinterstecken. Man bedient sich der Taktik des Totschweigens, wer dagegenstimmt bekommt kurze Zeit später Besuch von den Bauherrn…, dies geschah in den letzten Jahren bei rund ein Dutzend solcher Projekte und Grundstücksübernahmen, unter den Einheimischen spricht man hinter vorgehaltener Hand sogar von Einschüchterung und Furcht vor Repressalien!
    Im Falle des Projekts Verbindungslift wurde die Abstimmung über die Machbarkeitsstudie ans Ende der Gemeinderatssitzung beim Punkt „Allfälliges“ durchgewunken um anschließend gleich zum Weihnachtsessen überzugehen.
    Und ganz nebenbei: Nach Entdeckung des Protest-Schriftzuges kurz vor der Einweihungsfeier sprechen Augenzeugen von einem erzürnten Liftpräsidenten, kurz darauf wurde der genannte Schriftzug – welcher sich im Gelände mit erhöhter Lawinengefahr befwand – von einem Liftmitarbeiter entfernt…. wer gab ihm also diese Anweisung zur Entfernung? Der Sterzinger Tuifl etwa?

    • yannis

      @hades_x
      Mal so richtig das Sytems Südtirol beschrieben, am untern Ende des Stiefelstaates bedient man sich solcher Machenschaften eines eindeutigen „Namens“

    • ginger

      Was man im Gemeinderat der Gemeinde Brenner in den letzten Jahren alles „durchgedrückt“ hat, könnte ein weiteres Franceschini-Skandal-Buch füllen. Von gigantischen Hotelprojekten in Zeiten des Klimaschutzes, Hofumwidmungen, schwindelerregende Kubaturerweiterungen, der Wildwuchs an Ferienwohnungen, Erweiterungen von Tourismuszonen im Wohngebiet, die Chalet-Bauten auf über 2000mt auf der Ziroger Alm, dann die ganzen privaten Wasserkraftwerke bei denen die ach so klamme Gemeinde sich nie mit einem einzigen Cent beteiligt hat, und wenn der Alpenverein sich nicht quergestellt hätte stünden am Sattelberg jetzt 60mt hohe Windräder welche die Brieftaschen der Investoren, nicht aber den Stromhaushalt der Einheimischen speisen würden, usw… Da hätte der Sterzinger Tuifl lange zu tun!!!

      • yannis

        @ginger
        Bravo ! für den informativen Klartext.
        aber trotzdem wenn in Europa der Ausstieg aus der fossilen Energie irgendwie funktionieren soll und auch gleichzeitig der Strassenverkehr elektrisch werden soll, dann führt an den massiven Zubau von Windenergieanlagen kein Weg vorbei, oder doch lieber ein paar AKW´s mehr ?

    • heustadel

      der wos die schrift gemocht hot isch dert kune lawinengefohr gewesn

  • george

    ‚hades_x‘, ich kann dem, was du hier schreibst nur zustimmen. Zudem frage ich mich wirklich, ob auch hier die Landesregierung diesen Tricks zustimmt. Einerseits spricht der LH bei der Haushaltsrede groß von Erhaltung der Landschaft und Umwelt und auf der anderen Seite macht man das Gegenteil. Wie weit soll hier die Bevölkerung noch an der Nase herumgeführt werden und dauernd auch noch mit Steuergeldern (über 70% Beiträge des Landes u. m.) beisteuern, wo auf der anderen Seite für dringende soziale Grundlagen und Projekte das Geld dann fehlt. Wann sehen die großen Wirtschaftbestimmenden hier endlich ein, dass sie bei solchen Projekten schlussendlich mehr kaputt machen als sie fördern?

    • yannis

      Der LH wird halt immer wieder den ihn verliehenen Preis gerecht und Gier ist halt eine verdammt schwer zu heilende Krankheit die zudem ihre Metastasen vorsorglich und zuverlässig in der Politik bildet.

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