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Mädchen & Mathe

Giorgio Bolondi

Warum erzielten Schüler im Fach Mathematik bessere Ergebnisse als Schülerinnen? Eine neue Studie der Uni Bozen geht dieser Frage nach.

In Brixen wurden die ersten Ergebnisse des Forschungsprojekts GegaMath vorgestellt. Das Ziel der Studie, die von Prof. Giorgio Bolondi koordiniert wird: Eine Bestandsaufnahme der Situation in Südtirol sowie eine Unterstützung der Schulämter bei der Gestaltung von Maßnahmen, mit denen geschlechtsspezifische Unterschiede beim Erlernen von Mathematik in den Grund- und Sekundarschulen überwunden werden können.

Ob INVALSI in Italien, VERA in Deutschland oder PISA für die OECD – alle Systemen zur Evaluierung der Wirksamkeit von Bildungssystemen haben ein Ergebnis gemeinsam: Schüler erzielen im Fach Mathematik bessere Ergebnisse als Schülerinnen. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied ist in der Provinz Bozen noch ausgeprägter, wie Tests an verschiedenen Südtiroler Einrichtungen bestätigen. Ein Beispiel? Beim PISA-Test 2015 wurde hierzulande ein Gender Gap, also Geschlechterunterschiede, in Mathematik von 24 Punkten gemessen, während er auf nationaler Ebene bei 20 Punkten und im OECD-Durchschnitt bei 8 Punkten lag.

Die Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen, wo das Lehrpersonal für die Grundschulen der Provinz ausgebildet wird, hat sich dieses Problems angenommen, das alles andere als zweitrangig ist. Denn eine ablehnende Haltung gegenüber dem Fach Mathematik während der Pflichtschulzeit kann spätere Entscheidungen im Rahmen der Studienwahl und somit auch Berufsaussichten negativ beeinflussen.

Um das Phänomen des Gender Gap im Mathematikunterricht an Südtirols Schulen vertieft zu untersuchen, startete Prof. Giorgio Bolondi, Professor für die Didaktik der Mathematik in Brixen, im Jahr 2018 das Forschungsprojekt GegaMath. Bolondi unterstreicht, dass die unterschiedlichen Leistungen von Männern und Frauen beim Mathematiklernen und bei Tests tatsächlichkulturelle Ursachen haben: „Die wissenschaftliche Literatur belegt, dass dieser Unterschied hauptsächlich auf Stereotypen und Konventionen in Bezug auf das Potenzial von Männern und Frauen zurückzuführen ist und nicht mit kognitiven Unterschieden zu erklären ist.“ Im Rahmen des Projekts verschafften sich Bolondi und sein Forschungsteam einen Überblick über die Situation auf lokaler Ebene, um zu verstehen, mit welchen Maßnahmen Schülerinnen beim Erwerb mathematischer Kenntnisse unterstützt werden können.

Zu diesem Zweck haben Prof. Giorgio Bolondi und die Forscherin Chiara Giberti eine Reihe von Fragebögen für Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler entwickelt und stichprobenhaft an italienischen Schulen in Südtirol verteilt. Ziel der Befragung war vor allem, die Einstellung gegenüber dem Fach Mathematik zu untersuchen. Mit den Fragebögen wollte das Forscherteam einerseits das Niveau der „Mathe-Angst“ testen, also der Angst der Schülerinnen und Schüler, mathematische Aufgaben nicht richtig ausführen zu können. Andererseits ging es darum, zu verstehen, wie die Lehrpersonen ihre besten Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht beschrieben und mit ihnen in Beziehung standen.

„Die Ergebnisse haben uns objektive Daten geliefert, auf die wir uns stützen können“, erklärt Bolondi. Die Beschreibungen der Lehrpersonen würden die Annahmen der Forscher bestätigen, so der Professor. „Generell scheint die Fähigkeit der Intuition, die vor allem bei Schülern stark ausgeprägt ist, eng mit dem Potenzial im Mathematikunterricht verknüpft zu sein. Auch Fleiß und Konstanz sind für das Studium dieses Fachs wichtig und finden sich eher bei Schülerinnen. Jungen bzw. junge Männer mit mathematischer Begabung schneiden auch bei der Geschwindigkeit überdurchschnittlich gut ab, während Mädchen und junge Frauen diesbezüglich schwächer sind.“ Aus einer linguistischen Analyse lässt sich laut Bolondi ableiten, wie bestimmte Modelle, sicherlich unbeabsichtigt, die Beschreibungen des Verhaltens von Schülerinnen und Schülern bei mathematischen Aufgabenstellungen beeinflussen.

Die Ergebnisse des GegaMath-Projekts wurden nun den italienischen und deutschen Schulämtern vorgestellt. „Wir hoffen, dass diese Hinweise in naher Zukunft als Anregung für die Ausarbeitung gemeinsamer Richtlinien zur Verbesserung der mathematischen Leistungen von Südtirols Schülerinnen dienen können“, fasst Prof. Bolondi zusammen.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • ich1979

    Jungen erzielen bessere Ergebnisse, da sie mehr gefördert werden, da man Mädchen nicht zutraut, Mathe zu verstehen. Dieser Aberglaube ist immer noch tief verwurzelt in den sexistischen Hirnen.

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