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„Dehnbare Zauberformeln“

Rudi Benedikter

Die beiden Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Sozio-Ökonomie“ erfahren in der Südtiroler Politik immer mehr Bedeutung. Sie sind aber auch sher dehnbar. Ein Kommentar.

von Rudi Benedikter

Wenn Gemeinden und Landespolitik  landschaftsfressende und umweltbedenkliche Projekte  gegen negative Landschafts-Umwelt-Naturschutz-Gutachten  durchboxen wollen, dann  immer öfter einem neuen Zauberwort: Die Projekte – neue Hotels, Chaletdörfer, Skigebiete, Seilbahnen, Almstraßen  und Ähnliches – sind eben „sozio-ökonomisch notwendig“.

Weil der Begriff „sozioökonomische Gründe“ so wissenschaftlich klingt,  verwendet ihn die expansionsfreudige Wirtschaft (und viele Politiker) gerne als Totschlag-Argument  gegen Umwelt-und Landschaftsschutz-Argumente. Dabei strapazieren sie auch den zweiten Lieblingsbegriff der Politik, die „Nachhaltigkeit“  – und meinen damit doch nichts anderes, als dass Investitionen sich „nachhaltig“ rentieren müssen. Ja, so dehnbar ist dieses Un-Wort!

Aber, wenn man sich nicht in die eigene Tasche lügen will, kann es nur eine sinnvolle „Rangordnung“ der Werte geben: Um auch für die nächste Genration positiv zu wirken,   muss die wirtschaftlich-soziale Entwicklung unserer  Gesellschaft  heute jene Grenzen respektieren, die Klima- , Landschafts- und Umweltschutz setzen. Und zwar im Großen wie im Kleinen,  global und lokal.

Im Bereich Raumordnung und Landschaftsschutz hat dies der Landes-Gesetzgeber eigentlich schon längst erkannt: Schon das geltende Landes-Raumordnungsgesetz (1997) bestimmt in seinem Artikel 5 (Abs.4) klar und deutlich, dass bei  allen raumordnungsrelevanten Entscheidungen im Zweifel  „im Interesse der künftigen Generationen vor allem den Erfordernissen der Ökologie Rechnung zu tragen ist“.

Und auch im neuen Landesgesetzes Raum & Landschaft (ab Juli 2020) haben sozio-ökonomische Faktoren nicht per se Vorrang in Politik und Gesellschaft.  Dessen Art.1 („Das Gesetz regelt die Aufwertung der Landschaft, die Raumentwicklung und die Einschränkung des Bodenverbrauches“) stellt diese unter dem Begriff der „Raumentwicklung“ ausdrücklich in den Kontext des Landschaftsschutzes und – sogar! – der „Einschränkung des Bodenverbrauchs“. Gemäß Art. 2  gehören soziale und wirtschaftliche Interessen bzw. „Ziele“ zu den insgesamt 11 Faktoren die zusammen und wechselwirkend die ökologische Entwicklung unseres Lebensraumes  in umfassendem Sinn  gewährleisten sollen.

Wenn also die Gesamtentwicklung unseres Landes diesen Grundsätzen verpflichtet ist, dann können „sozio-ökonomische“ Interessen niemals gegen die Ökologie ausgespielt werden.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • george

    Wann werden das einmal auch unsere besonders hinterlistigen Hintergeher von Machpolitiker, Regierungspolitiker, Vetternwirtschaftler usw. endlich auch so handhaben bzw. handhaben müssen, wie es eigentlich im Gesetz steht. Jedenfalls dann, wann ihnen die Natur richtig zurückschlägt, aber leider trifft es dann meist die falschen. Oder doch nicht? Denn viele von denen haben sie ja gewählt oder befürwortet oder haben sich gar von denen umgarnen lassen.

  • goggile

    montiggler wald ein skandalbeispiel: Campingplatz, fussballfelder, alles Rodungen in den letzten jahren. zudem tägliche unkontrollierter geschwindigkeitswahnsinn an den zufahrtsstrasssen der benüter der balleleanlagen mitten im wald!

    auserdem sehen sie sich den montiggler wald an. vor lauter waldarbeiten sind nur mehr lichtgeflutete pläzte im wald. Sträucher und Kleinwuchs dahinradiert, der Grundstein den wald komplett zu zerstören ist gegeben.

  • latemarbz

    Kompliment Rudi Benedikter!
    Es wird von den kritischen Medien viel zu wenig auf solche manipulative Redewendungen hingewiesen. Wahrscheinlich, weil sie diese selbst nicht verstehen oder einfach nicht kritisch hinterfragen. Das ist auch so mit den Plänen des Landeshauptmannes, Südtirol als nachhaltig zu erklären, um es besser Vermarkten zu können! Dabei scheint auch er nicht kapiert zu haben, dass das Immer-Mehr zur Nachhaltigkeit voll im Kontrast steht!!

    • leser

      Latemarbz
      Das problem sind nicht diese unwörter so dern die zahlreuchen ausnahmeregelungen die im raumordnungsgeserz versteckt sind die für keute (rechtsanwälte) wie benedikter geschaffen sind ihre zahlungskräftigen mandanten ein geschäft zu machen
      Ein gesetz ist nie ein gerechtes und gutes gesetz wenn der es macht um bei bedarf es für sich zu biegen

  • pingoballino1955

    Ich kann das Wort “ Nachhaltigkeit „schon lange nicht mehr hören,wird in letzter Zeit nur mehr ins Lächerliche gezogen!

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