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Wohnen im Alter

Die Genossenschaft „Wohnen im Alter“, die Landesgewerkschaft der Rentner und das Institut für den sozialen Wohnbau des Landes Südtirol haben die Tagung „Wohnen im Alter – Nachbarschaft hilft“organisiert, die im Palais Widmann stattgefunden hat.

Im Laufe der Tagung haben viele Experten aus den verschiedensten Bereichen das Wort ergriffen. Anhand praktischer Beispiele aus dem In – und Ausland wurde gezeigt, wie Nachbarschaftsmodelle funktionieren können und welche Bedeutung sie im Umgang mit den Senioren haben.  Was unter den interessanten Beiträgen heraussticht, ist die Tatsache, dass es durch den demografischen Wandel immer notwendiger wird, geeignete Lösungen für Senioren zu finden und dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen soll.

Insbesondere sollen Lebensräume für Jung und Alt und ein inklusives Mehrgenerationen-Wohnengeschaffen werden, weil die Inklusion und die gegenseitige Hilfe einen hohen sozialen Wert haben. Das Ziel ist, dass die Personen miteinander und nicht nebeneinander leben.

Landesrätin Waltraud Deeg bekräftigte, wie erfolgreich solche Kooperationen sind. Sie ist überzeugt, dass das Wohnen im Alter ein wichtiges Thema ist.  „Wir müssen uns auf den demografischen Wandel vorbereiten und konkrete Maßnahmen planen. Auf dieser Konferenz wird über innovative Wohnformengesprochen und es geht darum, in Zukunft  älteren Menschen zu gewährleisten, so lange wie möglich autonom und selbstständig in der eigenen Wohnung und im Wohnviertel zu leben.“

Otto von Delleman, Präsident von „Wohnen im Alter“, sagte in seiner Eröffnungsrede, dass man ein Netzwerk unter den verschiedenen Organisationen benötige und dass es sehr wichtig sei, die Gemeinden einzubeziehen. Eine gute Nachbarschaft in den Wohngebäuden, in den Wohnungen oder in den einzelnen Vierteln kann nicht nur auf freiwilliger Basis geschehen. Heute liegt das Hauptziel in der Fähigkeit, eine kompetente Koordinierung zu organisieren, was nicht nur technisch, sondern auch praktisch geschehen muss. Es braucht Strukturen, die die Personen einladen, miteinander zu reden und Zeit zusammen zu verbringen: Das ist der grundlegende Aspekt.

Gastone Boz Landessekretär Lgr-AGB, berichtete, dass sich die Familie verändert habe und dass neue Formen der Nicht-Selbstversorgung durch die Zunahme der Lebensjahre entstanden seien. Die älteren Menschen sind oft allein und verfügen nicht über ausreichende finanzielle Mittel, um das Haus an ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Er bekräftigte die Rolle der aktiven Rentner, die er als ihre Wächter vor Ort definierte, um Bedürfnisse zu erkennen.Mit dem Wobi wurde ein Abkommen unterzeichnet, und bisher gab es immer eine ausgezeichnete Zusammenarbeit.

Wobi-Präsident Heiner Schweigkofler erinnerte in seiner Rede an ein Thema, für welches das Institut besonders sensibel und aufmerksam ist: „Wir veranstalten diese Tagung, weil wir glauben, dass Nähe und gute Nachbarschaft Stärken sind, die wir in unserer Gesellschaft fördern müssen. Die Menschen sind bereit, sich zu engagieren, sich gegenseitig zu kümmern. Das geschieht aber nicht von selbst, das ist etwas, das stimuliert werden muss. Durch diese Tagung wollen wir erklären wie Nachbarschaftshilfe im sozialen Wohnbau funktioniert. Wir wollen die Projekte zeigen, die wir für die Stadt Bozen und unser Land umsetzen wollen und welche innovative Lösungen wir dafür bieten.“

Die Konferenz wurde mit den Vorträgen von Referenten fortgesetzt, die lokale, nationale und internationale Projekte veranschaulichten.

Für Luca Talluri, Präsident von Federcasa, muss der soziale Aspekt, der bisher dem guten Willen anvertraut war, nun professionalisiert werden. Heute und in Zukunft sind die Verwalter des sozialen Wohnungsbaus gefordert, in erster Linie mehr Sozialverwalter als wie bisher Immobilienverwalter zu sein.

Christian Wenter, Primar für Geriatrie des Meraner Krankenhauses hat über die Herausforderungen und das Potential einer älter werdenden Gesellschaft gesprochen. Die Trends in Südtirol zeigen, dass die Lebenserwartung weiterhin steigen wird und genauso der Pflegebedarf. Man rechnet, dass jedes zweite Baby von heute 100 Jahre alt werden wird. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Geburten. Wir brauchen eine neue Kultur des Alters und bessere Bedingungen für Eltern und Kindern, sonst können wir unseren derzeitigen Lebensstil nicht aufrechterhalten.

Gerhard Schiele, Stiftung Liebenau Ravensburg Deutschland, hat über das Projekt der organisierten Nachbarschaftshilfe aus der Region Bodensee gesprochen. Das Konzept basiert auf drei Säulen:  aktives, nachbarschaftliches Für-und Miteinander von Jung und Alt, Förderung der Selbst-und Nachbarschaftshilfeund Prävention, möglichst „wenig“ Dienstleistung, weil die vielseitigen nachbarschaftlichen Hilfen der Bewohner im Ehrenamt oder im Tausch erfolgen.

Carlo Alberto Librera, Abteilungsdirektor der Dienste an der örtlichen Gemeinschaft der Stadt Bozen, hat das Projekt Gute Nachbarschaftgeschildert und dabei eine innovative Initiative, die„social street“ heißt, vorgestellt. Ziel dieses Projekts ist es, durch Facebook die Social-Beziehungen zwischen den Nachbarn zu aktivieren. Mit einem weiteren Projekt wird die Solidarität unter Nachbarn unter dem Motto „gute Nachbarschaft“ gefördert. Ziel ist es, innerhalb der Wohnungsgebäude Hilfe anzubieten, möglicherweise in Form von gegenseitiger Hilfe.

Der Bürgermeister von Bruneck Roland Griessmair hat das Wohnprojekt Mehrgenerationenhaus in seiner Gemeinde vorgestellt. Es braucht angemessene Wohnungen, in denen leicht soziale Kontakte zur Familie, Freunden und Bekannten hergestellt werden können. Im Alter wünscht man sich nicht den Wohnort zu wechseln und größtmögliche Sicherheit. Das Projekt Josefsheim  will diese Anforderungen aufgreifen und plant mehrere Generationen in einem Haus unterzubringen, sorgt für Selbst- und Nachbarschaftshilfe, Vernetzung mit dem Wohnviertel und Integration von Menschen mit Beeinträchtigung.

Der Bürgermeister von Schlanders Dieter Pinggera hat das Standort-Entwicklungskonzept Kasernenareal präsentiert. Nachdem  das Kasernenareal vom Staat ans Land überging, wurden die Bürger mit  Befragungen und Versammlungen miteinbezogen. Eine nachfolgende Machbarkeitsstudie ergab, dass ein grünes, effizientes und komfortables Quartier entstehen kann, autofrei und lebendig. Und alles im Sinne des leistbaren Wohnens. Das Ziel ist 55 % geförderter Wohnbau – 45 % freier Wohnbau. Unter den Partnern wird das Wobi eine strategische Rolle spielen.

Moritz Schwienbacher, Ehrenmitglied des Vereins Freiwillige Familien- und Seniorendienst EO Lana, hat das Projekt „Essen auf Rädern“ und weitere Dienste des Vereins präsentiert. In Kooperation mit der Familien- und Seniorendienste Sozialgenossenschaft wird das Essen zugestellt, Begleitdienste und kleinere Hilfestellungen angeboten, Treffen und  Veranstaltungen organisiert.

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