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Pfalzner Zerreißprobe

Roland Tinkhauser (Foto: F)

Der ehemalige Freiheitliche Roland Tinkhauser soll SVP-Bürgermeisterkandidat werden: Diese Ankündigung hat in Pfalzen ein politisches Erdbeben ausgelöst. SVP-intern formiert sich Widerstand.

von Silke Hinterwaldner

Hannes Volgger klingt nicht so als wäre er zu Späßen aufgelegt. Der SVP-Referent in der Gemeinde Pfalzen sagt denn auch rundheraus: „Ich war immer ein treuer SVP-Politiker. Aber wenn das Spiel jetzt außerhalb entschieden wird, dann müssen wir uns auf die Hinterbeine stellen.“

Was er damit meint, wird erst auf den zweiten Blick klar. Zur Erinnerung: Vor einer Woche hat Roland Tinkhauser, früher Freiheitlicher Gemeinderat in Pfalzen, später blauer Abgeordneter im Landtag, in der TAGESZEITUNG erklärt: „Man hat mich gefragt, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen kann. Diese Idee gefällt mir, ich glaube aufgrund meiner Erfahrung, ich täte das auch können.“ Das klingt beinahe so, als hätten sich  in Pfalzen sämtliche SVP-Funktionäre zusammengesetzt und sich auf einen parteipolitischen Quereinsteiger für das Amt des Bürgermeisters entschieden.

Dem ist aber ganz und gar nicht so. Hannes Volgger zum Beispiel hat aus der Zeitung erfahren, dass seine Partei offenbar nicht ihn, Vize-Bürgermeister Siegfried Gatterer oder einen anderen treuen SVP-ler für das Amt des Bürgermeisters vorsieht, sondern einen, der bis vor wenigen Monaten einer ganz anderen Partei angehört hat. Das sorgt in Pfalzen für dicke Luft innerhalb der SVP. Deshalb hält einer wie Hannes Volgger auch nicht zurück mit seiner Kampfansage. Er meint: „Das alles ärgert mich schon ein bisschen. Roland Tinkhauser kommt für mich als Bürgermeister-Kandidat nicht in Frage.“

Pfalzen steht vor einer wirklich wichtigen Wahl. Nach 15 Jahren darf Bürgermeister Josef Gatterer im Mai kommenden Jahres nicht mehr für das höchste Gemeinde-Amt kandidieren. Das heißt: Pfalzen bekommt einen neuen Bürgermeister.  Die Frage ist nur: wen? In den vergangenen Jahren hat sich Bürgermeister Gatterer zunehmend schwer damit getan, die Reihen zu schließen. Das Problem dabei war weniger die Opposition im Gemeinderat – Clemens Bodner, gewählt für die Freiheitlichen, ist mittlerweile zur SVP übergelaufen – sondern vielmehr die parteiinternen Probleme. Nach und nach traten mehrere Gemeinderäte den Rückzug an, vor allem deshalb, weil sie mit der Arbeit des Gemeindeausschusses nicht einverstanden waren. Von anfangs 14 gewählten SVP-Gemeinderäten sind heute nur noch neun übrig, drei sind nachgerückt, zwei Plätze im Gemeinderat sind wegen fehlender Nachrücker frei geblieben.

Dieser politische Zustand zeugt nicht von großer Harmonie im Rathaus von Pflalzen. Einer jener, die aus Protest zurückgetreten sind, ist Roland Hainz. Er gehörte als Gemeinderat zur SVP-internen Opposition, will nun aber auf einem neuen Weg in die Gemeindepolitik zurückkehren. Hainz gehört politisch zum Team Köllensperger, ist derzeit aber dabei eine freie Liste für die Gemeinderatswahlen vorzubereiten. „Wir haben eine bunt gemischte Truppe“, sagt er, „die sich unabhängig davon, was die SVP tut, auf die Gemeindewahlen vorbereitet. Ich kann nur sagen, dass ich auf einen fairen Wahlkampf hoffe.“

Mit der Ankündigung des ehemaligen SVP-lers Roland Hainz kam die Volkspartei in Pfalzen wohl unter Zugzwang. Die Frage dabei lautete: Wer hat das Zeug dazu, als Bürgermeisterkandidat gegen Roland Hainz zu gewinnen? Es scheint aus Sicht der SVP unmöglich eine politisch so wichtige Gemeinde wie Pfalzen der Opposition zu überlassen – immerhin war hier Altlandeshauptmann Luis Durnwalder selbst einmal Bürgermeister und auch Senator und SVP-Bezirksobmann Meinhard Durnwalder kommt von hier.

Wird also beim  Duell der Bürgermeisterkandidaten in Pfalzen Roland Tinkhauser gegen Roland Hainz antreten?

Noch ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit lange nicht gesprochen. „Der Gesprächsbedarf innerhalb der SVP ist groß“, sagt Hannes Volgger. In seinen Augen hätte man mit der SVP-Ortsgruppe und auch mit den amtierenden SVP-Referenten und Gemeinderäten das Gespräch suchen sollen, bevor ein politischer Quereinsteiger sich als SVP-Bürgermeister-Kandidat präsentieren darf. „Bürgermeister-Kandidat wird für mich nicht der Tinkhauser sein“, sagt Hannes Volgger, „für den Gemeinderat kann er gern kandidieren, aber gerade wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, dann müssen wir versuchen glaubwürdig zu sein. Die SVP hat selbst gute Leute, da braucht man keinen ehemaligen Oppositionellen.“ Seine Reaktion zeigt schon, dass in den kommenden Wochen und Monaten darum gefeilscht werden wird, mit wem die SVP in Plalzen im Mai in die Entscheidungs-Wahl gehen wird.

 

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