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Toblacher Schotter-Offensive

Viele Jahrzehnte lang wurde im Höhlensteintal bei Toblach Schotter verarbeitet. Seit 2015 steht die Anlage still. Warum die Gemeinde für die Wiederaufnahme des Betriebes kämpft.

von Silke Hinterwaldner

Dass der Abbau und die Verarbeitung von Schotter für all jene, die in der Nähe dieser Gruben wohnen, problematisch sein kann, zeigte sich in den vergangenen Wochen in Gais. Dort wehren sich die Anrainer mit aller Kraft gegen die Ausweisung einer neuen Schottergrube in der Weide.

Ganz anders verhält es sich in Toblach. Dort kämpfen die Bürger dafür, dass die Schotterverarbeitung in Langweg im Höhlensteintal weiterlaufen darf. Immerhin 1.000 Unterschriften wurden dafür gesammelt, dass das Unternehmen Castagna in dieser Zone Schotter verarbeiten soll: Dort stört der Betrieb nicht durch Lärm oder Staub. Dort gibt es weit und breit keine Wohnhäuser. Dort gibt es Schotter, der von alleine vom Berg herunterkommt. Und dort sollten die zehn Angestellten des Betriebes Castagna arbeiten dürfen.

Die Geschichte des Schotterunternehmers Castagna im Höhlensteintal reicht weit zurück. Bereits in den 60er Jahren begann man mit dem Abbau und der Verarbeitung des anfallenden Schotters, um den Bedarf auf den umliegenden Baustellen zu decken. Als 1981 dann der Naturpark Drei Zinnen ausgewiesen wurde, gab es ein – mündliches – Versprechen: Die Verarbeitung solle am äußersten Rand des Naturparks trotzdem möglich bleiben. Aber 29 Jahre später war dann plötzlich alles anders. Weil das Landesgesetz den Schotterbetrieb im Naturpark grundsätzlich untersagt, sollte die Schotterverarbeitung Langweg geschlossen werden. Die Konzession war ausgelaufen  und wurde nur noch um weitere fünf Jahre verlängert. Seit 2015 kämpft man nun in Toblach dafür, dass weitergearbeitet werden darf.

Heute startet der Gemeinderat von Toblach einen weiteren Versuch. Auf der Tagesordnung steht das „Verfahren zur Abänderung des Bauleitplanes“, die Grundlage für den Fortbestand des Betriebes darstellen soll. Entsprechend sollen 1,75 Hektar Wald in Zone für die Schotterverarbeitung umgewandelt werden. Denkbar wäre auch das Gebiet aus dem Naturpark auszuklammern. Bislang war die Zone für die Schotterverarbeitung in Langweg 5,81 Hektar groß, zwei Drittel sollen nun renaturiert werden, ein Dritten soll dem Betrieb dienen. So der Plan. Im Technischen Bericht zum vorliegenden Projektantrag heißt es, dass keine „Überformung der Landschaft“ zu befürchten sei. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe bereits eine viel befahrene Straße, Hochspannungsleitungen, E-Werke und touristische Infrastrukturen.

In Toblach ist es deshalb unverständlich, warum man die Schotterverarbeitung im Höhlensteintal nicht weiterführen sollte. Und: Das Unternehmen Castagna springt ein, sobald Geröll die Straße verlegt und verarbeitet das Gestein, das ständig von oben nachkommt.

„Der Betrieb braucht Planungssicherheit“, sagt Christian Furtschegger, Gemeindereferent in Toblach, „es ist tragisch für die Familien, wenn  ständig ein Damoklesschwert über alldem schwebt.“ Er hofft nun, dass man in Bozen erkennt, wie wichtig der Betrieb für Toblach ist und entsprechend eine Lösung des Problems gefunden wird.

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