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„Immer das gleiche Problem“

Fotos: FF Sterzing

Der letzte Einsatz am Brenner hat es mal wieder gezeigt: Gefahrenguteinsätze sind für die Feuerwehren schwer durchzuführen. Dabei kommt es immer wieder zu Problemen.

von Markus Rufin

Am Samstag vergangenen Woche gegen 17.30 Uhr wurden die Feuerwehren von Sterzing, Thuins, Gossensaß und Pflersch wegen eines Gefahrgutaustrittes zum Bahnhof Brenner gerufen. Aus einem Kesselwaggon, der eine flüssige, giftige Chemikalie, Phenol, geladen hatte, Gefahrgut ausgetreten.

Im ganzen Bahnhofsareal war ein stechender Geruch wahrnehmbar, weshalb der Bahnhof evakuiert und der Zugverkehr eingestellt wurde. Die Feuerwehr konnte unter chemikalienbeständiger Schutzkleidung den Austritt am Domdeckel stoppen und das bereits ausgetretene Material binden. Erst nach rund zwei Stunden konnte der Zugverkehr wieder freigegeben werden.

Dieser Einsatz hat mal wieder eindrucksvoll gezeigt, mit welchen Schwierigkeiten die Feuerwehrleute bei Einsätzen solcher Art zu kämpfen haben. Denn eigentlich müsste die korrekte Wartung der Waggons bei Gefahrenguttransporten oberste Priorität haben. Wie man beim letzten Einsatz gesehen hat, ist das aber nicht immer der Fall.

„Bei den meisten Gefahrenguteinsätzen am Brenner handelt es sich um ein Überlaufen einer Flüssigkeit, weil der Waggon einfach zu voll ist“, erklärt Abschnittsinspektor Norbert Troyer. „Meistens öffnet sich das Überdruckventil dadurch, aber in diesem Fall hat sich der Domdeckel, also der Hautdeckel des Tanks dadurch geöffnet. Dieser war einfach nicht richtig verschraubt. Unsere Einsatzkräfte mussten den Deckel mit bloßen Händen wieder zutreiben. Und das nur wegen einer Schlamperei.“ Die Chemikalie Phenol ist ätzend, dürfte also nicht mit der Haut in Berührung kommen.

Dass sich die Feuerwehrleute bei solchen Einsätzen in große Gefahr begeben ist schon alleine an der Bekleidung ersichtlich. Die Wehrmänner tragen spezielle Schutzanzüge, die gasdicht sind, sodass der Körper auf keinen Fall in Berührung mit dem giftigen Stoff kommt. Zudem müssen die Feuerwehrleute eine entsprechende Ausbildung absolvieren.

Derzeit gibt es bei der Stützpunktfeuerwehr Sterzing rund zehn Personen, die diese spezielle Ausbildung absolviert haben, berichtet Troyer: „Wir geben diese Ausbildung auch weiter, sodass auch die Atemschutzträger im Notfall wissen, wie der Einsatz abzulaufen hat.“ Sollte es sich aber um giftige Stoffe, Säuren oder Laugen handeln, sind Schutzanzüge und Ausbildung aber Pflicht.

In den vergangenen Jahren mussten insbesondere die Wipptaler Feuerwehren immer wieder anrücken. Das hat unter anderem mit dem Zugunglück von Viareggio zu tun, bei dem 32 Menschen starben, weil ein Güterzug mit flüssigem Butan entgleist war und explodierte. Seitdem ist es vorgeschrieben, dass jeder Gefahrengutzug vor dem Übertritt nach Italien genauestens kontrolliert wird. „Dabei wird dann festgestellt, dass es zu einem Überlaufen gekommen ist. Meistens ist die Flüssigkeit aber bereits vor der Kontrolle übergelaufen“, so Troyer. Nur wenn am Brenner noch Flüssigkeit übertritt, werden die Feuerwehren alarmiert. Häufig kommt es vor, dass das Ventil bei Ankunft der Feuerwehren wieder verschlossen ist.

Der Grund für das häufige Überlaufen der Flüssigkeiten liegt am Luftdruckunterschied, weiß der Abschnittsinspektor: „Die Waggons werden nur wenige Meter über den Meeresspiegel befüllt. Kommen sie aber auf dem Brenner, steigt mit der Höhe ach der Luftdruck an und die Flüssigkeit dehnt sich aus. Leider müssen wir immer wieder das gleiche Problem feststellen.“

Eigentlich müssten die zuständigen Personen über den Luftdruckunterschied Bescheid wissen, dennoch kommt es immer wieder vor. Die Suche nach den Verantwortlichen gestaltet sich für die Feuerwehr aber schwierig, berichtet Troyer: „Auch dieses Mal war es ein großes Wirr-Warr. Der Spediteur verweist auf den Transporteur, dieser auf die Eisenbahn und die Eisenbahn schiebt die Verantwortung auch von sich. So ist es für uns ein Ding der Unmöglichkeit bei unserer Ankunft einen Ansprechpartner vorzufinden.“

Natürlich kommt es intern zu Konsequenzen, aber während des Einsatzes wird diese Frage nicht geklärt. Dadurch erschwert sich der Einsatz nochmals. Deshalb versuchen die Feuerwehren auch seit Jahren eine Lösung für das Problem zu finden. Aber auch diesbezüglich gibt es laut Troyer nur wenige Fortschritte: „Erst im Frühjahr gab es wieder ein Treffen mit dem Regierungskommissariat, bei dem auch die Berufsfeuerwehr, die Autobahn und die Eisenbahn anwesend war. Nur leider merkt man, dass der Apparat sehr schwerfällig ist. Wirklich weiter geht es nicht.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (4)

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  • guyfawkes

    „Die Waggons werden nur wenige Meter über den Meeresspiegel befüllt. Kommen sie aber auf dem Brenner, steigt mit der Höhe ach der Luftdruck an und die Flüssigkeit dehnt sich aus…“

    Es ist genau umgekehrt: mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab.

    • wollpertinger

      Wahrscheinlich herrscht bei den Menschen, die die Waggons befüllen, die gleiche Irrmeinung vor wie beim Journalisten, der diesen Unsinn geschrieben hat. Der Unterschied ist nur, dass ein falsch geschriebener Artikel keinen Schaden anrichtet, während ein aus Unkenntnis falsch gefüllter Gefahrgut-Waggon Menschenleben gefährdet.

      • thefirestarter

        Das Problem ist wahrschenlich das diese Tanks einen Mindestfülldruck haben müssen.

        Standard ISO 6346:1995
        Size Type Code 22T6
        Type Tank container for dangerous liquids
        Description Minimum pressure 600 kPa – 6 bar
        Naming 20 Foot Tank for Dangerous Liquid Container

  • rudi

    Das kanns nicht sein! Jeden Einsatz mit nem gepfeffertn Stundenpreis in Rechnung stellen.

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