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Die Guggenberg-Pläne

Was aus dem altehrwürdigen Kurhaus Dr. Guggenberg in Brixen wird ist nun klar: Eine Einrichtung für betreutes Wohnen von Senioren. Welche Änderungen das Haus dadurch erfahren wird.

von Markus Rufin

Das Kurhaus Dr. von Guggenberg in Brixen war jahrelang eine der bedeutendsten und wichtigsten privaten medizinischen Institutionen in Südtirol. 1890 durch Otto von Guggenberg gegründet, eignete sich dieser die Kneipp-Kurmethode an. In den folgenden Jahren wuchs der Ruf des Kurhauses durch die beiden Weltkriege und den Tod des Gründers gab es aber immer wieder Probleme.

Erst nach 1948 konnte das Kurhaus als solches wieder verwendet werden. Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft hielten sich im Haus direkt an der Rienz auf.

Weil sich das Kurhaus den modernen Marktbedingungen nicht anpassen konnte, geriet es wieder in Schwierigkeiten. Letztendlich entschieden sich die Besitzer – nach wie vor die Brixner Familie Guggenberg – dazu das altehrwürdige Haus zu verkaufen (auch weil es keine Nachfolger gab, die die Fortführung garantieren hätten können).

Im Herbst 2018 fiel dann vielen Brixnern, denen das Kurhaus am Herzen liegt, ein Stein vom Herzen, als es hieß, dass die Stiftung Südtiroler Sparkasse das Haus übernimmt. Die Stiftung garantierte damals auch, dass eine „gemeinnützige Trägerorganisation“das Haus demnächst übernehmen würde. Somit sollte das Haus den sozialen Zweck beibehalten.

Nun lässt die Stiftung den Worten auch Taten folgen. Denn für kommenden Dienstag ist eine Pressekonferenz einberufen, bei der neben dem Seniorenzentrum Elisabethensiedlung auch die Grundausrichtung des Kurhauses vorgestellt werden soll.

Auch die Trägerorganisation, die das Haus künftig führen wird, ist bereits bekannt. Es ist der öffentliche Betrieb für Pflege- und Betreuungsdienste (ÖBPB) „Zum Heiligen Geist“, der auch das Pflegeheim in Brixen führt.

Bereits im Februar 2019 unterzeichneten die beiden Parteien (Konrad Bergmeister, Präsident der Stiftung und Hansjörg Bergmeister, Präsident des ÖBPB sind übrigens Cousinen) eine Grundsatzvereinbarung, in der festgelegt wurde, dass die Errichtung eines betreuten Wohnraumes für Senioren erfolgen soll.

Der soziale Zweck wird damit also tatsächlich beibehalten. Dennoch wird das Haus wohl große Änderungen erfahren. „Wir können das Hotel und die Zimmer natürlich nicht einfach übernehmen“, erklärt ÖBPB-Präsident Hansjörg Bergmeister. „Wir möchten Seniorenwohnungen und ein Tagespflegeheim für Demenzpatienteneinrichten, die Reha-Abteilung neu gestalten und deswegen müssen wir das umbauen.“

Die Stiftung hat dazu einen Architekten beauftragt, eine Machbarkeitsstudie auszuarbeiten. Der ÖBPB „Zum Heiligen Geist“hat dazu seine Überlegungen eingebracht. Nun soll am Dienstag bekannt gegeben werden, wie viel die Umbauarbeiten kosten. Erst sobald diese Arbeiten beendet sind, soll die Führung auch offiziell übergeben werden.

Das bedeutet auch, dass die eng verbundene Kneipp-Kur, die jahrelang im Haus betrieben wurde, nicht mehr fortgeführt wird. Das Haus soll dafür aber nicht nur Wohnraum sondern auch Treffpunkt für Senioren sein, wie Bergmeister ausführt: „Es wird einen Aufenthaltsraum geben, in dem sich Clubs treffen können, eine Mensa, in der auch andere Senioren speisen können und ein Arztambulatorium.“

Für den ÖBPB „Zum Heiligen Geist“ist das Projekt dementsprechend auch sehr wichtig. Das Pflegeheim in Brixen quillt nämlich vor Anfragen über. Eine Struktur wie das Kurhaus Dr. Guggenberg ist eine willkommene Hilfe, zumal die Umbauarbeiten die Sparkasse übernimmt. Der öffentliche Betrieb wird erst danach Miete zahlen müssen.

Diese Entwicklung ist aber auch im Interesse der Sparkassen-Stiftung, meint Bergmeister: „Die Stiftung will auf jeden Fall verhindern, dass das Projekt von Hotelieren aufgekauft und niedergerissen wird. Sonst wird es zu einem Spekulationsobjekt, denn die Lage ist natürlich wunderbar. Wir wollen das in diesem Sinne führen.“

Im Vorfeld des Kaufs gab es zahlreiche Spekulationen, wonach sogar der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi an einem Kauf interessiert gewesen sei.

Nach ersten Informationen soll die ÖBPB die Führung für das Kurhaus – natürlich nach Fertigstellung der Umbauarbeiten – zunächst für 30 Jahre übernehmen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (3)

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  • george

    Endlich wieder einmal ein Vorhaben und Projekt wie es sich für eine Kur- und Kulturstadt Brixen gehört und nicht auf Events ausgerichtet. Sehr gut, Hansjörg Bergmeister!

  • wollpertinger

    „“Konrad Bergmeister, Präsident der Stiftung und Hansjörg Bergmeister, Präsident des ÖBPB sind übrigens Cousinen““ Da die beiden genannten Herren männlichen Geschlechts sind, können sie nicht gut Cousinen sein.

  • ohnehirnlebtmanbesser

    Lieber Herr Bergmeister. Wie Sie dieses Projekt durchziehen, zeugt von einem grossen Respekt gegenùber den Grùndern und deren Nachfolger.. Nur 2, aber ehrliche Worte: vielen Dank. ( ein kleiner Bùrger diese Landes)

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