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Freie Fahrt?

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Weil die Anrainer-Gemeinden Jenesien und Sarntal gegen das am Montag startende Diesel-Fahrverbot protestieren, kommt es am Mittwoch im Bozner Rathaus zu einer Aussprache: Stadträtin Maria Laura Lorenzini will allenfalls Einzel-Ausnahmen gewähren.

Von Thomas Vikoler

Da treffen zwei unterschiedliche Welten aufeinander. Auf der einen Seite Bürgermeister aus den Landgemeinden, die freie Fahrt für ihre Bürger fordern. Auf der anderen Seite eine Stadtverwaltung, die etwas gegen die Stickstoffdioxyd-Belastung seiner Bürger tun will bzw. muss.

Am Montag startet in der Landeshauptstadt das seit längerer Zeit angekündigte Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge (bis Abgasklasse Euro 3) und Benziner (bis Euro 2).

Quasi im letzten Moment preschen die Gemeindeverwaltungen von Jenesien und dem Sarntal vor – aber auch die dortigen Oppositionslisten: „Wenn man bedenkt, dass über die Autobahn jederzeit alte Fahrzeug, also täglich tausende PKW und LKW mit Euro 0 – 3 die Stadt Bozen durchqueren, klingt das wie eine Schikane und wird die Luftwerte wohl kaum verbessern“, heißt es in einem gemeinsamen Brief von Zukunft Jenesien und Zukunft Sarntal an den Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi.

Wie bereits die jeweiligen Bürgermeister Paul Romen (Jenesien) und Christian Albert Reichsigl (Sarntal, beide SVP), fordern sie die Gemeinde Bozen auf, das Fahrverbot zu überdenken oder zumindest einen Korridor durch die Stadt für die Bürger aus den beiden Gemeinden zu errichten.

Denn wer beispielsweise das Sarntal während der Sperrzeiten zwischen 7.00 und 10.00 und 16.00 und 19.00 Uhr mit einem Euro-3-Dieselfahrzeug verlassen will, muss zwangsläufig durch die Stadt Bozen. Außer er wählt den langen Umweg über Wangen/Ritten. Autofahrer aus Jenesien müssten hingegen den Weg über Mölten nach Terlan wählen. „Ein völliger Nonsense“, sagt der vor wenigen Wochen gewählte Sarner Bürgermeister Reichsigl.

Er bezeichnet das Fahrverbot für einige seiner Bürger als „existenzbedrohend“: Wer täglich mit seinem (älteren) Dieselfahrzeug zur Arbeit in eine andere Gemeinde fahren müsse, dem drohe bei einer Aufrechterhaltung des Fahrverbots der Verlust des Arbeitsplatzes. Außer er nimmt die Gefahr in Kauf, täglich eine Verkehrsstrafe von 168 Euro (bei Sofortzahlung 117 Euro) zu bekommen.

„Bei allem Verständnis für die Bürger von Bozen fordern wird freie Fahrt für alle zugelassenen Autos, die bekanntlich auf der ganzen Welt zugelassen sind“, meint Bürgermeister Reichsigl.

Die Bozner Umweltstadträtin Maria Laura Lorenzini sieht das naturgemäß anders: „Es gilt bereits jetzt eine Fahrverbot für Euro-0 und Euro-1-Fahrzeuge“. Die Gemeinde sei verpflichtet, auch im Sinne der EU-Richtlinie, für die körperliche Unversehrtheit der Bürger zu sorgen.

Von einem allgemeinen Korridor für Fahrzeuge aus Jenesien und dem Sarntal (entweder durch die Fagenstraße oder die Cadornastraße), will Lorenzini nichts wissen. Sie will bei dem für heute Nachmittag im Bozner Rathaus anberaumten Treffen mit den beiden Bürgermeistern von Jenesien und Bozen sowie Bürgermeister Renzo Caramaschi und Vizebürgermeister Luis Walcher allenfalls über Einzel-Ausnahme-Genehmigungen diskutieren. Für Autohalter, die nachweisen können, keine andere Möglichkeit (etwa einem öffentlichen Bus) zu haben, als mit dem Euro-3-Diesel zur Arbeit zu fahren.

Der Sarner Bürgermeister räumt ein, dass die Zahl der diesbezüglich Betroffenen in seiner Gemeinde nicht sehr groß sei. Die Zahl der Bürger mit einem vom Verbot betroffenen PKW beziffert Reichsigl auf 800.

„Ich will genaue Zahlen“, fordert Stadträtin Lorenzini. Wohl wissend, dass etwa Bürgermeister Caramaschi und Vizebürgermeister Walcher in dieser Frage kompromissbereiter sind als sie.

Fahrverbot in Bozen: Ab Montag ist es für Euro-3-Diesel soweit. Für Dienstfahrzeuge gibt es eine Schonfrist bis Anfang 2020.

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