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„Sozialer Klimawandel“

Auf der KVW-Landesversammlung am Samstag ging es um Armut, politische Versprechen, Gewalt, Ausländer und ein kälteres soziales Klima in Europa, Italien und Südtirol.

Auf der Landesversammlung des KVW am Samstag stand das soziale Südtirol im Mittelpunkt. Sowohl in den Grußworten als auch im Gespräch mit Sepp Kusstatscher wurde mehr Menschlichkeit gefordert, die Bedürftigkeit soll das Kriterium für die Vergabe von sozialen Leistungen sein. Der Angstmacherei und Schwache gegen Schwache ausspielen soll Einhalt geboten werden.

Zur Landesversammlung sind rund 300 Ehrenamtliche des KVW aus dem ganzen Land nach Bozen gekommen.

KVW-Landesvorsitzender Werner Steiner ging in seiner Rede der Frage nach, wie ein soziales Südtirol aussehen soll und was es dazu braucht. Am Beispiel des barmherzigen Samariters erklärte er, wie wichtig die schnelle und unmittelbare Hilfe sei.

„Als nächstes ist es aber wichtig, die Straße von Jericho nach Jerusalem sichererer zu machen“, sagte Steiner. Hilfe und Solidarität sind zu organisieren, sie brauchen eine Struktur. Darin sieht der Sozialverband KVW seine Aufgabe.

Werner Steiner

„Mit diesem Anliegen wenden wir uns immer wieder an die Politik, bringen Wünsche vor, zeigen auf, was nicht so gut läuft, weisen auf Ungerechtigkeiten hin, sticheln und haken nach“, erklärte Steiner.

Der KVW hat mit seinen Dienstleistungsbetrieben ein gutes Bild von der sozialen Situation in Südtirol. „Dieses Wissen kann für die Verbesserung mancher Situation zielführend eingesetzt werden“, sagte Steiner. Hier helfe eine gute Vernetzung mit der Politik, sei es auf Landesebene als auch auf Ortsebene.

„Es besteht Diskussionsbedarf“

Dafür bekam der KVW auch ein großes Lob von Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dieser räumte Diskussionsbedarf ein. Deshalb sei er froh über die sachliche, nüchterne Art, mit der der KVW sich einbringe, wenn es irgendwo unsolidarisch wird. Mit Vehemenz bringe der KVW-Vorstand die Themen vor, ohne dabei polemisch zu sein.

Kompatscher versprach, dass die Regierungsarbeit von einem christlichen Menschenbild geprägt sei. Und für ihn werde bei den sozialen Leistungen weiterhin die Bedürftigkeit als Kriterium gelten.

Landesrätin Waltraud Deeg bedankte sich für die kritische und stets konstruktive Mitarbeit des KVW. Beim Landeshaushalt gehe es in den nächsten Jahren darum zu schauen, was noch auf uns zukommt und nicht nur darauf, was wir heute brauchen.

Solidarität und die Bibel

Obwohl das Wort Solidarität in der Bibel nicht vorkommt, ist es doch das Thema, das sich durchs Alte und Neue Testament zieht. Bischof Ivo Muser erklärte, dass die Armen, Schwachen, Waisen, Witwen und Fremden immer wieder genannt werden.

„Die ist leicht ins Heute zu übersetzen, wer kann heute mit diesen Personen in Verbindung gebracht werden“, regte Bischof Muser zum Nachdenken an. Das K im Namen des KVW stehe für ein weltweites Denken. Es gehe nicht darum, Nabelschau zu halten, sondern lokal und konkret zu handeln. „Dies ist das Markenzeichen“, erklärte Bischof Muser.

 „Die paar Ausländer sind nicht das Problem“

Um ein soziales Südtirol ging es im Kamingespräch von Karl H. Brunner mit Sepp Kusstatscher, Präsident der Kommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Brunner, Mitglied des KVW-Vorstands, konfrontierte Kusstatscher mit Slogans der vergangenen Monate wie „Das Boot ist voll“, „Südtiroler zuerst“ oder „Dazu darf die Kirche nichts sagen“.

Kusstatscher warnte davor, den Zorn auf jene abzuwälzen, denen es noch schlechter geht. „Es ist genug für alle da, auch weltweit gesehen“, sagte Kusstatscher. „Zu wenig ist es für den Neid und den Geiz einiger weniger.“ Wer arm ist, brauche Unterstützung. Es gehe also nicht darum, die Armen zu bekämpfen. „Und die paar Ausländer sind auch nicht das Problem“, so Kusstatscher.

Für Kusstatscher ist es nicht zufällig, dass sich die vielen negativen Meldungen über Gewalt häufen. Dies mache Angst und Angst mache Menschen leichter manipulierbar. Er regte an, darüber nachzudenken, wer da dahinterstecke, warum die Medien das mitmachen.

Tatsache sei, dass Gewalt nicht zunimmt. Im Gegenteil, in den 70er-Jahren habe es mehr Kriminalität als heute gegeben.

„Mut tut gut, lasst euch nicht verängstigen von den ständig schlechten Nachrichten“, so Kusstatscher in Richtung der über 300 Anwesenden.

„Sozialer Klimawandel“

Josef Stricker, geistlicher Assistent des KVW, sprach in den Schlussworten von einem sozialen Klimawandel in Europa, in Italien und auch in Südtirol. „Der Ton der Auseinandersetzung in der Gesellschaft wird rauer, das soziale Klima wird kälter, die Egoismen nehmen zu und es ist Mode geworden, sich auf sozial Schwache einzuschießen“, analysierte Stricker die aktuelle Situation.

Es werde der Eindruck geweckt, dass gerade unter Schwachen die größten Ungerechtigkeiten passieren und die Forderung stehe im Raum, die Politik solle durchgreifen. Zum Beispiel beim Wohngeld, Familiengeld oder bei der sozialen Mindestsicherung.

„Dies ist jedoch ein großes Missverständnis, denn Härte hat nichts mit Größe zu tun. Im sozialen Bereich hat Größe mit Menschlichkeit und mit Mitgefühl zu tun“, so Stricker.

Neben den Steuer- und Wirtschaftsexperten brauche es Armutsexperten, die die Schicksale hinter den Zahlen und Statistiken kennen. Es brauche Menschen, die klar und differenziert von der sozialen Wirklichkeit erzählen können. Wer nur mit Ängsten spielt, schade unserem Land, so Stricker abschließend.

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Kommentare (13)

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  • einereiner

    Wenn alle nur mehr Sozialisten wären, wen würde man dann das Geld stehlen?
    Frei übersetzt von Beppe Grillo.

  • sabine

    Gehässigkeiten und unreflektierte verbale Entgleisungen gegenüber Schwächeren und Andersdenkenden wird immer salonfähiger. Dies ist die neueste Tendenz in der italienischen, und leider -muss ich sagen – auch Südtiroler Gesellschaft, und dies immer öfter auch bei ansonsten anscheinend gebildeten Menschen.
    Wem es gut geht, der sollte kein Problem damit haben auch andere wenigstens ein klein wenig am Wohlstand teilhaben zu lassen.
    Damit meine ich natürlich nicht die Südtiroler die sich selbst schwer tun, solche gibt es auch.
    Aber der der hat, soll nicht maulen, wenn was gegeben wird!!!

  • rota

    „Die paar Ausländer sind nicht das Problem“

    Diese Grundhaltung wird immer wieder laut dem Volk eingedroschen. Jede andere Meinung und Bewertung wird als rassistisch und unsozial abgekanzelt.

    Ein Staat hat nicht der „einseitigen christlichen Nächstenliebe“ zu folgen. Mit welchen Argumenten dürfen illegale/legale Einwanderer mehr öffentliche Leistungen erhalten als Rentner und vor allem Frauen welche Kinder groß gezogen haben?

    Klar, dass nicht ein paar Ausländer das Problem sind. Es sind unsere politischen Führer und die gesamten unverantwortlichen Mitläufer in Kirche und Staat!

  • erich

    Das Problem sind die in Italien die extrem hohen Sozialabgaben, bekommt der Arbeitnehmer monatlich 200€ netto mehr so kostet es dem Betrieb 500€ mehr. Der KVW soll sich einsetzen, dass die Spanne zwischen Netto und Brutto kleiner wird.

    • gestiefelterkater

      Und wovon soll dann der KVW leben?

      „Die paar Ausländer sind nicht das Problem“
      Solche und ähnliche Sprüche kommen meistens von angeblichen Wohltätern die höchst selbst von Üppigen Gehältern zehren, die selbstverständlich vom Steuerzahler bezahlt werden dürfen. Und dann spielen sie die Rolle des Edlen Spenders, schwafeln von sozialer Gerechtigkeit und verlangen weitere Almosen für den Rest der Welt, um sich selbst zu profilieren.
      Scheinheilige Bande, scheinheilihge!

    • echnaton

      Diese Rechnung musst du mal beweisen, wie können 200,00 Euro mehr, dem Arbeitgeber 500,00 Euro kosten…
      Bitte diese Behauptung vorrechnen …..

  • unglaublich

    Der KVW ist mit der Politik „gut vernetzt“. Hab nicht den Eindruck, dass dies geholfen hat, im Gegenteil.
    Immer nur nett ist auch bitter böse.

  • iceman

    Was ist das Internet doch für eine tolle Sache! Früher mussten die Dorfdeppen noch auf dem Kirchplatz herumstehen und konnten dort ihre Ignoranz und Frustriertheit los werden.
    Heute sitzen diese Typen vor dem Laptop oder Smartphone und können ungefiltert ihren Schwachsinn verbreiten und glauben dabei auch noch in der Mehrheit zu sein.
    Aber manchmal finde ich es einfach lustig, lächelnd an diesem virtuellen Dorfplatz vorbei zu wandern und mich zu amüsieren.

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