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„…dann gehen wir“

Nicht nur die betroffenen Mitarbeiter sind verärgert, auch die Hoteliers schlagen Alarm: Weil vielen saisonalen Arbeitskräften aus Kroatien, Slowenien oder Tschechien die Autos beschlagnahmt werden, wollen sie nicht mehr wiederkommen.

von Silke Hinterwaldner

Der Hotelier ist genauso aufgebracht wie seine Mitarbeiter. Denn auch für ihn steht viel auf dem Spiel. „Es geht darum, wie wir weiterarbeiten können und darum, ob uns die Mitarbeiter erhalten bleiben“, sagt er. Im Grunde genommen geht es auch darum, wie der Betrieb am Laufen gehalten werden soll, wenn die langjährigen Mitarbeiter tatsächlich nicht wiederkommen.

Die Ursache für den Ärger ist das lästige Targa-Problem, das die Südtiroler nun schon seit Wochen umtreibt. Wie sich jetzt zeigt, wird das Verbot mit einem ausländischen Kennzeichen in Italien zu fahren, für die heimischen Betriebe, vor allem für Hotels und Gasthäuser, zum echten Stolperstein. Denn: Mittlerweile sind die Mitarbeiter aus Kroatien, Slowenien oder Tschechien aus den Tourismusbetrieben nicht mehr wegzudenken. Sehr viele von ihnen kommen während der Saison in das Pustertal, um dort ihren Dienst zu tun.  Dabei ist es für die meisten selbstverständlich, dass sie mit dem eigenen Auto anreisen – um so auch in Südtirol mobil sein und um alles Nötige transportieren zu können. Nur: Diese Autos sind mit dem Kennzeichen ihres Heimatlandes ausgestattet.

Aber das Sicherheitspakt von Innenminister Salvini verbietet das: Demnach darf niemand, der sich länger als 60 Tage in Italien aufhält, mit einem ausländischen Kennzeichen fahren (siehe dazu die widersprüchliche Auslegung, im nahestehenden Kasten). Die Zahl der Fälle wächst von Tag zu Tag, sagt Thomas Walch, Obmann des HGV im Puster- und im Gadertal. Bei ihm im Büro sind bereits 20 Fälle aktenkundig, andere wiederum sprechen davon, dass bereits 35 und mehr Mitarbeiter allein im Pustertal betroffen sein sollen. Sie alle wurden von den Ordnungskräften kontrolliert. In der Folge mussten sie eine Strafe von 500 beziehungsweise 700 Euro bezahlen und das Fahrzeug wurde in Beschlag genommen. Auch bei Thomas Walch im Hotel gibt es einen Oberkellner aus Kroatien, der seit nun elf Jahren zum Arbeiten kommt und hier ein Auto mit kroatischem Kennzeichen fährt. Den Kellner hat es beim Einkaufen in Bozen erwischt: Die Stadtpolizei hat das Bußgeld  sofort eingefordert. Mit dem Auto darf er jetzt nicht mehr fahren. Eine blöde Situation.

Verständlich, dass einige der Betroffenen deshalb Konsequenzen ziehen und dem Chef mitteilen, dass sie unter diesen Umständen nicht länger in Südtirol arbeiten wollen. „In der Tat“, sagt Walch, „ist das mittlerweile für uns zum enormen Problem geworden.“ Für eine Tourismusregion im Grenzgebiet wie es Südtirol ist, lasse sich das Sicherheitsdekret in dieser Form nicht umsetzen. Er verlangt, dass saisonale Arbeitskräfte und Grenzpendler von der Regelung ausgenommen werden.

„Wir sind sehr bemüht“, sagt Thomas Walch, „hier eine Lösung zu finden, auf allen Ebenen. Aber das ist nicht ganz einfach. In der Zwischenzeit werden jeden Tag aufs Neue Autos sequestriert.“ Bis die Frage geklärt ist, meint Walch, müssten die Autos mit ausländischen Kennzeichen in der Garage bleiben. Aber viele der Betroffenen fahren trotzdem weiter.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (24)

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  • ahaa

    Unsere hier kommen nicht wieder weil das Geld nicht passt.Natürlich kann man jetzt salvini die Schuld geben.

  • steve

    Ein Selfini Gesetz: die RO und EBE Kennzeichen fahren weiterhin und haben ihre Flat Tax bekommen!

  • einereiner

    Los von Rom und wir lösen viele viele Probleme auf einem Schlag.

  • goggile

    salvini muss auf eu ebene angeklagt werden. mit milliardenschadenersatz

  • iluap

    Wiese kann man all jene Arbeiter die hier arbeiten und mir ihren Autos mit ausländischen Kennzeichen die Möglichkeit geben die Verkehrssteuer zu zahlen, aber trotzdem das Kennzeichen behalten können??

  • watschi

    ich verstehe nicht warum alle herumplàrren, das gesetz ist gerecht zu denen, die immer schòn die steuer gezaht haben und den schlauen geht es halt einmal an den kragen. die saisonarbeiter haben nichts zu befùrchten, da sie ja ihren wohnsitz (residenza) nicht in italien haben, sondern nur fùr eine giwisse zeit wohnhaft sind (domiciliato). das ist ein unterschied

  • tiroler

    Diejenigen, welche sich das Auto in Deutschland leasen, können weiterhin mit deutschem Kennzeichen herumfahren, was
    auch ok ist, falls das Auto versichert und versteuert ist. Wozu gäbe es ansonsten auch die EU!
    Dass jetzt diejenigen bestraft werden, welch hier arbeiten, ist mal wieder typisch alla italiana.

  • stefan1

    Grr diese linksgrüne SVPD ist sicher daran Schuld…wartets nur bis der Südtirollieber Salvini im Amt ist, dann wirds besser… dann werden diese osteuropäischen Kommunistenkarren wieder heimgeschickt…zeter fauch

  • imago

    Ach Italien, ja ja eine Bananenrepublik

  • guyfawkes

    „…Für eine Tourismusregion im Grenzgebiet wie es Südtirol ist, lasse sich das Sicherheitsdekret in dieser Form nicht umsetzen….“

    Südtirol möchte mit Verweis auf sprachliche Minderheit (meistens zu Recht) immer und überall gerne eine „Extrawurst“.
    ABER dieses Thema hat mit dem Schutz einer sprachlichen Minderheit/Autonomie oder mit „Grenzregion“ überhaupt nichts zu tun: „Gastarbeiter“ gibt es überall – besonders in Provinzen mit viel Tourismus und solche gibt es in Italien zuhauf.

    Was die Grenzpendler (Arbeit im Ausland zB Schweiz; Wohnsitz in Südtirol) betrifft:
    Diese haben/brauchen offensichtlich im Ausland gar keinen Wohnsitz. Also sollen sie ihr Fahrzeug wie jeder andere auch im Inland anmelden. Falls das Fahrzeug vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird, ist bereits eine Ausnahme im Gesetz vorgesehen (vorbehaltlich dass der Arbeitgeber keine Zweigstelle in Italien hat).

  • ferri-club

    Also, ich arbeite auch im Hotel, mir ist nicht bekannt dass Mitarbeiter, egal aus welchen Europäischen Land sie kommen einen Wohnsitz haben müssen, auch nicht nicht Eubürger (SRB) also wozu diese hetzerei?? Die, die aus welchen grund auch immer einen Wohnsitz haben sollen auch Zahlen müssen, wobei das Problem nicht mal die Autosteuer ist, wohl eher die Versicherung, für die paar kröten die die in Ihrem Land Zahlen kommt keine Versicherung für die Entstandenen Schäden wirklich auf, wünsch niemandem einen unfall mit Gastarbeiter zu haben rest kann sich jeder selber denken oder nachfragen wie sowas dann weiter läuft

  • tff

    Alles nur Geschrei. Wenn sie den Kroaten kontrollieren,sagt er er wäre im Urlaub
    in Innsbruck und heute nach Bozen gekommen. Wer soll ihm verbieten mit seinem Auto herumzufahren ? Ausserdem hat er hier keinen Wohnsitz,also kann er auch das Auto nicht umschreiben. Die sofortige Zahlung der Strafe ist der Trick , da dann die Vorhaltung als angenommen gilt. Nicht zahlen, und abwarten wohin sie das Protokoll schicken wenn kein Wohnsitz in Italien vorhanden ist. Nach Nrgendwo.

  • sepplaufdemberg

    Wenn sie trotzdem weitrfahren, ist ihnen im Moment nicht zu helfen.
    Im Übrigen sollen die Hoteliere nicht jammern, sondern einmal nachdenken, warum die Situationheute so ist. Hätten sie die einheimischen Kräfte früher besser behandelt (Arbeitszeiten, Löhne, An- und Abmeldung usw.), dann stünden heute sicher mehr Einheimische zur Verfügung und man müsste nicht in ganz Europa nach Personal suchen.

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