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Pizza-Hit

Die Gemeinde verpachtet die Pizzeria an den Sportverein und der untervermietet an die GmbH ihres Präsidenten: In Pfalzen geht man ungewöhnliche Wege. Manche sprechen sogar von einem Skandal.

von Silke Hinterwaldner

Martin Hitthaler holt sofort zum Gegenschlag aus. „Es gab zwei Möglichkeiten“, sagt er, „entweder wir sperren die Sportbar zu oder wir machen es auf diese Weise. Ich konnte das nicht mehr lange einfach nur nebenbei erledigen. Dafür ist das alles zu groß.“

Die Rede ist von der Pizzeria in der Sportzone von Pfalzen, die mittlerweile eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Bereits bei der Eröffnung vor sieben Jahren beargwöhnten die Gastbetriebe im Dorf die Konkurrenz durch die öffentliche Hand. Denn: Die Sportzone und damit Barbetrieb und Pizzeria gehören der Gemeinde. Seit Anbeginn wird der Gastbetrieb an den Sportverein verpachtet, in der Vergangenheit hat der Verein das Lokal an eine Untermieterin weiterverpachtet.

Im Grund lief alles gut. Die Pizzeria mauserte sich zu einem beliebten Treffpunkt und war stets gut besucht. Auch Sportvereinspräsident Hitthaler sagt: „200 Essen zu Mittag, 200 am Abend, 20 Angestellte, das ist es ansehnlicher Betrieb.“ Aber irgendwann war die Zeit reif für eine neue Ausschreibung. Und diese Ausschreibung hat all das, was sich vorher schleichend eingebürgert hat, wieder auf den Kopf gestellt.

Zunächst verzögerte sich der Start der Ausschreibung – schließlich war der Vertrag zwischen Gemeinde und Sportverein bereits im Juni 2017 ausgelaufen. Zu Jahresende musste die Untermieterin Insolvenz anmelden – wohl deshalb, weil sich Gemeinde, Sportverein und Pächterin nicht länger auf eine gemeinsame Gangart einigen konnten. Die Pächterin wäre wohl interessiert daran gewesen weiterzumachen, schließlich hat sie in den vergangenen Jahren viel in den Betrieb investiert. Aber bei der einzigen Ausschreibung der Gemeinde, an der jemand teilgenommen hat, wurde ihr Angebot von einem Konkurrenzangebot des Sportvereines übertrumpft.

Nur: Als es dann ernst wurde, wollte der Sportverein den Betrieb doch nicht mehr übernehmen. Der Pachtzins war mittlerweile empfindlich gestiegen und der Sportverein ist kein Gastwirt. Trotzdem musste der Sportverein Bar und Pizzeria zumindest übergangsweise über Monate weiterführen.

Bis es schließlich zur eingangs formulierten Situation kam. Das heißt: Jetzt hat der Sportverein, dessen Präsident Martin Hitthaler ist, den Gastbetrieb in der Sportzone an das Großunternehmen Ankoja unterverpachtet – dessen Eigner wiederum Martin Hitthaler ist. Zur Information: Die Anjoka GmbH ist jene Gesellschaft mit 300 Mitarbeitern in 48 Filialen. Die Firma ist breit aufgestellt und betätigt sich sowohl im Lebensmittel- wie auch im Textilbereich. Neben der Haupttätigkeit im Bereich Supermarkt (Conad) und Discount (Eurospin), betreibt die Firma zahlreiche Trachtengeschäfte und zwei Einkaufszentren. Zuletzt sind auch eine Pizzeria in Meran und je ein Bistro in Brixen sowie in Sand in Taufers hinzugekommen.

Martin Hitthaler hat sich damit einen Konzern aufgebaut, der seine Fühler in alle Richtungen ausgestreckt: Da scheint es ihm ganz gelegen zu kommen, auch die Pizzeria in seinem Heimatort zu schlucken.

Aber diese Vorgehensweise stößt in Pfalzen nicht nur auf Begeisterung. „Der Präsident des Sportvereins verpachtet den Betrieb an sich selbst“, sagt Roland Hainz Kopf schüttelnd, „das kann doch nicht sein.“ Und weiter: „Das ist in meinen Augen ein Skandal. Man wollte die erste Pächterin loswerden, um selbst verdienen zu können. Das ist alles von langer Hand geplant.“ Gemeinde und Sportverein, kritisiert der ehemalige Gemeinderat und mittlerweile Kandidat für das Team Köllensperger, würden hier gemeinsame Sache machen.

Martin Hitthaler reagiert verschnupft, wenn er so etwas hört. „Gern“, sagt er, „kann sich jemand an der Ausschreibung beteiligen und den Betrieb übernehmen. Aber bisher sind alle Versuche leer ausgegangen.“ Deshalb habe der Sportverein beschlossen, an die Anjoka GmbH unterzuvermieten, schließlich wäre es bedauerlich, wenn die Sportbar zusperren müsste. „Ich habe“, sagt Hitthaler, „das Lokal aufgebaut. Jetzt sind die Schulden fast abbezahlt. Seit vielen Jahren schon arbeite ich ehrenamtlich für den Sportverein und alles läuft super. Andere beneiden Pfalzen darum.“

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