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Chalet statt Stall

In unmittelbarer Nähe zum Olanger Stausee soll ein neues Hoteldorf mit 17 Chalets entstehen. Der Ortsbauernrat und die Kommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung betrachten das Projekt „Chalets Lehen“ kritisch. Der Bürgermeister nicht.

von Silke Hinterwaldner

Vor ziemlich genau einem Jahr hat der Gemeindeausschuss von Welsberg Taisten sich zum ersten Mal mit dem Bau eines Hoteldorfes bei der Hofstelle Leachner befasst.

Der Plan ist: Rund 17 Chalets auf einer urspünglich1,5 Hektar großen Fläche realisieren, dazu eine Art zentrales Servicegebäude. Der Leachner befindet sich außerhalb der Ortschaft Welsberg, auf einer Anhöhe oberhalb des Olanger Stausees, unweit der Pustertaler Straße, aber von dort aus nicht einzusehen.

Der neue Beherbergungsbetrieb soll den Namen „Chalets Lehen“ tragen und steht unter der Federführung des Jungbauern Robert Mutschlechner. Im Gemeindeausschuss scheint es keine Bedenken zu geben. „Grundsätzlich“, erklärt Bürgermeister Albin Schwingshackl, „sind wir als Gemeindeverwaltung mehr als einverstanden, wenn jemand wirtschaftlich etwas tun möchte. Und auch der Tourismusverein hat seine Zustimmung gegeben. Die Stimmung ist positiv.“
Aber in Welsberg – genauso wie in Bozen – sind nicht alle damit einverstanden, dass aus dem Leachnerhof ein Hoteldorf wird. Anders als das Gutachten des Tourismusvereines fiel jenes des Ortsbauernrates negativ aus.

Darin heißt es: „Der Ortsbauernrat sieht die Abänderung (des Bauleitplanes, Anm. d. Red.) als bedenklich. Landwirtschaftlicher Grund sollte nicht in so großem Maß entfremdet werden, um größtmöglichen Profit daraus zu schöpfen. Im Falle einer Abänderung stehen dem Besitzer die Türen weit offen, für weitere Schritte, um weiteres, nicht landwirtschaftliches Kapital daraus zu schlagen.“

Damals, im März vergangenen Jahres, war für die „Chalets Lehen“ noch ein Grundstück von 1,5 Hektar vorgesehen. Mittlerweile wurde das Projekt auf rund ein Hektar verkleinert. Bedenken haben aber nicht nur die Mitglieder des Ortsbauernrates angemeldet, auch die Kommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung gab ein negatives Gutachten zum Projekt ab und spricht sich gegen die Umwidmung aus. Zitat aus dem Gutachten vom November 2017:

„Da die beabsichtigte Struktur als Hoteldorf ausgeführt werden soll, beansprucht die vorgesehene Nutzung unverhältnismäßig viel Fläche. Die Kommission steht derartigen, kleinteiligen Hotelstrukturen kritisch gegenüber, da sie neben dem enormen Flächenbedarf in der Mehrheit der Fälle keine typologische Verwandtschaft mit dem vorherrschenden Siedlungsgefüge aufweisen und daher das Landschaftsbild negativ beeinträchtigen.“

Die Planung geht trotzdem weiter. Denn während Bauernrat und die Kommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung Bedenken anmelden, scheint man sich in anderen Gremien durchaus für das Projekt begeistern zu können. Heute Abend wird der Gemeinderat die entsprechende Änderung des Bauleitplanes genehmigen – wenn alles nach Plan läuft. Im Vorfeld der Sitzung scheinen sich die Gemeinderäte recht einig zu sein. Nicht nur aus den Reihen der SVP wird Zustimmung signalisiert, auch Georg Brunner von der Arbeiterpartei gibt seinen Segen. Er sagt: „Für Welsberg ist es sicherlich positiv, wenn jemand in den Tourismus investieren möchte. Solange neue Arbeitsplätze in diesem Sektor entstehen, habe ich nichts dagegen.“

Etwas verunsichert zeigen sich in Welsberg einige, was die Investitionen in dieses Projekt betrifft. Auf dem Papier ist Robert Mutschlechner als Eigentümer und Antragsteller ersichtlich. Aber bleibt es auch dabei? Bürgermeister Schwingshackl gibt Entwarnung: „Wir haben hier einen engagierten Jungbauer mit vielen unternehmerischen Ideen, der ein interessantes Projekt verfolgt. Solchen Unternehmergeist sollte man unterstützen.“

Sollte die Änderung des Bauleitplanes wie geplant durch den Gemeinderat genehmigt werden, wird das Projekt wieder an die zuständigen Ämter nach Bozen weitergereicht. Eine endgültige Entscheidung trifft die Landesregierung.

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