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    „Das war völlig unklug“

    Paul Köllensperger

    Der Landtagsabgeordnete Paul Köllensperger prangert die „Klagewut“ von Arnold Schuler und des Bauernbundes gegen die Pestizid-Provokateure an. Dem Landesrat und dem SBB gehe es nicht um die Sache, sondern nur um Bauernstimmen.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Köllensperger, nach den Pestizid-Provokationen durch das Münchner Umweltinstitut und Alexander Schiebel gibt es jetzt eine Klagewelle. Wie interpretieren Sie die Aktion von Landesrat Arnold Schuler & Co.?

    Paul Köllensperger: Die Klagewelle zeigt, dass wir bereits im Wahlkampf sind. Es geht längst nicht mehr um Inhalte wie den Erhalt der Biodiversität, die Ökologisierung der Landwirtscahft oder um die Gesundheit der Menschen. Es geht um die Stimmen der Bauern!

    Sie unterstellen Landesrat Schuler wahltaktisches Kalkül?

    Schuler ist mit der Klage gegen das Münchner Umweltinstitut und gegen Buchautor Schiebel ein wahltaktisch recht geschickter Schachzug gelungen. Denn so kommt er wieder an die Bauern, die integrierten Anbau machen, ran. Er macht also Werbung in eigener Sache.

    Sie glauben, dass jetzt zwischen Schuler und dem Bauernbund, der Schuler nie als Mann mit dem richtigen Stallgeruch betrachtet hat, die große Liebe ausgebrochen ist?

    Nein, das nicht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Bauernbund Schuler am liebsten nicht mehr auf Sessel des Landwirtschafts-Landesrates sehen möchte. Mit seinem Strafantrag gegen Schiebel und das Umweltinstitut hat Schuler den Bauernbund überrumpelt. Der Bauernbund hat dann nachziehen müssen.

    Sie unterstellen dem Bauernbund, er habe die Klage nur deswegen eingereicht, weil man Schuler nicht die Bühne überlassen wollte?

    So sieht es aus. Der Bauernbund seinerseits hat seine Mitglieder aufgefordert, sich der Klage anzuschließen. Es geht also darum, sich die Gunst der Bauern zu sichern.

    Ist diese Klagewut opportun oder ein Schuss ins Knie?

    Der negative Effekt dieses Vorgehens liegt auf der Hand. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete bereits groß über den „Äpfelkrieg“. Heute (gestern, Anm. d. R.) hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ groß berichtet. Durch diese Klagen wir die Sache erst so richtig hochgekocht. Ein Thema, das eigentlich keines mehr war, ist wieder ein Thema. Aber das schein dem Landesrat und dem Bauernbund ziemlich egal zu sein.

    Sie sagen, Südtirol hätte sich diese Provokationen einfach gefallen lassen sollen?

    Mein Gott, was ist denn schon passiert? Die Plakataktion in München war längst schon vergessen. Und mit den Klagen macht man dem Herrn Schiebel nur Gratiswerbung für seine Buch. Das Vorgehen war also völlig unklug. Und das beweist auch, dass es dem Landesrat und dem Bauernbund nicht um die Sache, sondern nur um Bauernstimmen geht.

    Wie steht denn Südtirol als Apfelland jetzt da?

    Es ist klar, dass der intensive Obstanbau in Südtirol für andere Wirtschaftssektoren – etwa für den Tourismus – ein Problem werden kann. Für mich steht außer Frage, dass man die Ökologisierung der Landwirtschaft weiterbetreiben, dass man sie fördern muss. Es ist auch klar, dass dies nicht in Form eine Krieges zwischen den Biobauern und den „Integrierten“ erfolgen kann. Es bedarf eines geregelten Übergangs.

    Ist es nicht auch so, dass es der Südtiroler Bauernbund in der Vergangenheit verabsäumt hat, die integrierten Anbauer und die Bio-Bauern an einen Tisch bzw. unter ein gemeinsames Dach zu bringen? Ist es nicht so, dass der Bauernbund die Bio-Bauern stiefmütterlich behandelt hat und dies sich jetzt rächt?

    Das ist in der Tat so! Man sieht es jetzt auch bei den Klagen: Der Bauernbund steht immer auf der Seite der integrierten Anbauer. Anstatt gerade in dieser heiklen Phase auf einen Schulterschluss hinzuarbeiten, setzt der Bauernbund seine einseitige Politik fort.

    Interview: Artur Oberhofer

     

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